Oops! It appears that you have disabled your Javascript. In order for you to see this page as it is meant to appear, we ask that you please re-enable your Javascript!
Von 12. Juni 2019 Mehr →

Strokestown: Adelssitz im Zeichen der Hungersnot

Das Strokestown House in Roscommon arbeitet anschaulich eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte Irlands auf.

Strokestown House and Gardens in der irischen Grafschaft Roscommon stammt aus den 1700er -Jahren und erzählt dennoch eine andere Geschichte als jene georgianischen Adelshäuser, die zu Museen oder Landhotels geworden sind. Von einst 6.000 solcher hochherrschaftlichen Anwesen sind heute auf der Grünen Insel gerade einmal noch 600 erhalten und immer noch der ganze Stolz der irischen Geschichte. Dass sie auch unrühmliche Züge hatte, thematisiert nur dieser eine als lebendiges Museum konservierte Landsitz der Pakenham Mahon Familie, deren Ahnentafel 350 Jahre zurückreicht.

In sechs riesigen Sälen scheint es dann, als ob die letzten Bewohner der Mahons gerade nur ausgeritten seien und die Kinder derweil im großen Park spielten. Bis ins kleinste Detail ist alles an seinem Platz. In den Privatgemächern die Himmelbetten und Toilettentische, Reisekoffer, Nähgarne, Haarbürsten, falsche Backenbärte und Nachttöpfe. Die Prunksäle atmen noch das Bewusstsein unverbrüchlichen Reichtums und Besitzrechts, das die irischen Landlords auch weiter pflegten, als 1845 mit der Kartoffelfäule der „Great Famine“, die große Hungersnot, in Irland ausbrach und das Land entleerte, während die Herrschaften auf ihren Besitztümern ausharrten.

Durchaus beklemmend ist die Ausstellung zur Hungersnot in Irland.

Hier der jakobinische Kamin des Speisezimmers, den die Dienstboten gleich anheizen werden, säuberlich abgestaubt die Familienportraits im Gesellschaftsraum. Dort im Spielzimmer das Puppenhaus, die Modellautos und Sonntagskleider der Kinder. Und im Anbau die riesige Küche – mit Aufsichtsgalerie für die Landlady und einem Tunnel für die Dienstboten.

Wie es kommt, dass dieses Haus so besonders und anders ist? Der letzte Erbe hat das Anwesen im Jahr 1987 in eine Stiftung verwandelt. Bestürzende Funde von Dokumenten über die Hungersnot haben ihn dazu veranlasst. In den ehemaligen Stallungen ist mit diesen Funden eine Ausstellung eingerichtet worden, die den Dünkel des Landadels und das verheerende Ausmaß der größten Sozialkatastrophe des 19. Jahrhunderts in Europa thematisiert. Im Kontrast zum vorher besichtigten alltäglichen Reichtum der Herrschaft im Haus lassen einen die vielen Dokumente über brutale Pachtgesetze und hohe Mietforderungen für Elendsquartiere, die Bilder der Emigrantenschiffe und die Zahl von mehr als zwei Millionen Toten erschauern.

Prachtvoll angelegt sind die Gärten im Strokestown Park. – Fotos Co Roscommon-Strokestown Park

Das ist ein dunkles Kapitel der britisch-irischen Geschichte. Doch durch die Konservierung und realistische Abbildung jener Zeit ist nach der jüngsten Restaurierung des Strokestown House auch so etwas wie Versöhnlichkeit eingekehrt. Man darf und soll dieses Haus auch bewundern und kann neuerdings in schön restaurierten Zwei- und Dreizimmerwohnungen im angrenzenden Hofgarten übernachten. Ein ansprechendes Restaurant in den ehemaligen Kornspeichern lädt zu biodynamischer Kost ein. Weitere Informationen unter www.strokestownpark.ie und unter www.enjoy-irish-culture.com.

Archiviert unter Europa, Irland
Kurzurlaub verschenken mit greatdays.de