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Diven unterm Sternenhimmel – Opern-Vergnügen in Veronas historischer Arena

Die Verana die Verona gilt als das drittgrößte römische Amphiteheater der Welt. (Foto: Ulrike Katrin Peters)

Die Arena di Verona gilt als das drittgrößte römische Amphiteheater der Welt. (Foto: Ulrike Katrin Peters)

Was für Mailänder ihre Scala, ist für die Veroneser ihre Open-Air-Arena. Man ist stolz auf die Operfestspiele und fast jeder profitiert in der Saison indirekt oder direkt von den Operfreunden aus aller Welt, die jährlich zu Tausenden ab Mitte Juni an die Etsch pilgern. Neben dem historischen Ambiente und den erstklassigen musikalischen Darbietungen ist eine weitere Besonderheit, dass jeder Besucher kommen kann, wie er mag. Und bereits der Weg durch die schmalen Gassen zur Arena gleicht einer Ouvertüre. Das historische Ambiente der Veroneser Altstadt stimmt perfekt auf den Opernabend in geschichtsträchtigen Mauern ein.

Ein Jahrtausende alter Zeuge römischer Baukunst: Die Arena die Verona. (Foto: Ulrike Katrin Peters)

Ein Jahrtausende alter Zeuge römischer Baukunst: Die Arena di Verona. (Foto: Ulrike Katrin Peters)

Die Erfolgsgeschichte der Veroneser Festspiele begann durch einem glücklichen Zufall. Vor 101 Jahren, im Jahre 1913, konnte der Tenor Giovanni Zenatello bei einem Besuch des mehr als 1000 Jahre alten Amphitheaters nicht widerstehen und schmetterte spontan eine Arie in das riesige Rund der Arena. Verzückt stellte er fest, dass die Akustik in dem römischen Bauwerk umwerfend war. Ergriffen von der akustischen Wirkung der Arena setzte sich der Veroneser von nun an dafür ein, dass regelmäßig Festspiele in der Arena abgehalten werden sollten.

Zenatello sollte noch mindestens ein weiteres Mal sein glückliches Händchen beweisen. Rund 34 Jahre später engagierte er eine junge, viel versprechende Sopranistin namens Maria Callas für die Festspielsaison 1947. Von Veronas Arena aus sollte die Callas die Herzen der Zuhörer zunächst in Italien und später weltweit erobern.

Ursprünglich für Gladiatorenkämpfe gebaut, passten in der Anfangszeit rund 30.000 Zuschauer in die steinerne Arena. Zur Entstehungszeit des Riesen-Theaters verfügte die Stadt an der Etsch jedoch nur über rund 20.000 Bewohner. „So weiß man heute, dass bereits vor mehr als 1300 Jahren diese Spielstätte Zuschauer aus nah und eben auch aus fern anzog.“ erklärt Stadtführerin Victoria in akzentfreiem Deutsch. „Heute ist die eigentliche Hauptfassade leider nicht mehr erhalten,“ berichtet die hoch gewachsene Schönheit weiter. Deshalb fasst die Arena jetzt nur noch rund 13.500 Zuschauer.

Beim Besuch der Oper in der Arena die Verona ein unerlässliches Utensil: Die an allen Ecken in Verona feilgebotenen Sitzkissen. (Foto: Ulrike Katrin Peters)

Beim Besuch der Oper in der Arena di Verona ein unerlässliches Utensil: Die an allen Ecken in Verona feilgebotenen Sitzkissen. (Foto: Ulrike Katrin Peters)

„Das gesamte Gebäude ist übrigens ohne Mörtel errichtet worden.“ weiß die 45-jährige Kunsthistorikerin zu berichten und begeistert sich weiter: „Aber nicht nur die Architektur mit ihren passgenauen Keilsteinen ist clever gelöst – auch die Logistik durch die zahlreichen Zu- und Aufgänge zeugt von römischen Top-Architekten“. Sogar für Sonnenschutz war durch Stoffbahnen gesorgt, damit nur die Gladiatoren im Kampfe, nicht aber die Zuschauer leiden mussten.

Heutzutage schwitzen in der Arena die Verona zum Glück keine Gladiatoren im Kampf mit afrikanischen Bestien mehr um ihr Leben. Die hier arbeitenden Akteure tun dies nur, wenn sie sich beim musizieren im Orchestergraben beim singen oder beim tanzen auf der Bühne so richtig ins Zeug legen. Und gestorben wird heute höchstens noch, wenn es das Drehbuch verlangt.

Geblieben ist, dass die Arena offen für alle ist. Das Publikum heute ist so bunt gemischt wie eine Schachtel Pralinen. Die etwas teureren durchnummerierten Plätze weiter unten werden oft von Herrschaften in feiner Robe eingenommen, während es zunehmend legerer zugeht, je weiter man nach oben kraxelt. Wer hier auf den Steinstufen Platz nimmt, ist zwar etwas weiter von der Bühne entfernt – die phantastische Kulisse des römischen Amphitheaters aber nimmt man von hier oben viel besser wahr. Gut geplant werden muss aber so ein Opernbesuch auf den billigen Plätzen auch. Man tut gut daran, vor den Eingängen eines der poppigen Sitzpolster für zwei Euro zu erwerben, damit man beim Operngenuss und beim Plündern des mitgebrachten Picknickkorbes auch weich und gemütlich sitzt.

Die Mischung des Publikums könnte bunter nicht sein- hier die elegante Italienerin im kleinen Schwarzen, dort die Jugendgruppe in Flip-Flops. So werden auch die insgesamt drei Pausen nie lang. Unter dem Motto „Die Bühne ist eröffnet!“ wird auch das Betrachten der internationalen Gäste zum Genuss.

Aufwendige opern-Inszenierung sind das Markenzeichen der Arena die Verona. (Foto: Ulrike Katrin Peters)

Aufwendige Opern-Inszenierung sind das Markenzeichen der Arena di Verona. (Foto: Ulrike Katrin Peters)

Während des zweiten Aktes zieht sich langsam die Dunkelheit wie ein blaues Samttuch über das Himmelsrund der Arena. Carmen durchleidet auf der Bühne den dritten Akt und eine junge Frau in pinker Seidenrobe schickt ein Handyfoto davon heim: „Weit nach Mitternacht, die dicke Frau singt immer noch, von Müdigkeit oder Fröstelei keine Spur.. einfach wunderschön.“

Und recht hat sie! Obwohl sich der Vorhang erst gegen ein Uhr nachts senkt, bleibt während der fast vierstündigen Darbietung keine Zeit für Müdigkeit oder Langeweile. Rund 500 Schauspieler und Statisten, die von den Italienern liebevoll „Figuranten “ genannt werden, bevölkern schließlich Bühne und Orchestergraben, dazu echte Pferde und Esel, dazu kommt ein Atem beraubendes Bühnenbild, dessen Kulisse ein Viertel des Arena-Rundes mit einbezieht.

Mehr als 50 Aufführungen erlebt das steinerne Rund pro Saison. Rund zehn verschiedene Opern werden gegeben, darunter meist bekannte Stücke. „Unsere Gäste wollen Klassisches in klassischen Gemäuern sehen“ weiß Nicoletta Sandrone von der Arena di Verona. „Außerdem ist das Veroneser Amphitheater nicht nur sehr gut erhalten, sondern nach dem Kolosseum in Rom und dem Amphitheater Campano in Santa Maria Capua Vetere auch das drittgrößte römische Amphitheater der Welt.“ schwärmt Nicoletta anschließend über ihren spannenden Arbeitsplatz.

Prall gefüllt sind allabendlich zwischen Juni und September die Ränge und der Innenraum der Arena die Verona. (Foto: Ulrike Katrin Peters)

Prall gefüllt sind allabendlich zwischen Juni und September die Ränge und der Innenraum der Arena di Verona. (Foto: Ulrike Katrin Peters)

So viel Fakten interessieren nur, bevor der Vorhang sich hebt – dann schweift der Blick umher, wird durch den Anblick der prächtigen Kostüme und aufwändigen Kulisse gesättigt. Der selbe Wind weht durch die Haare der Zuschauer und über die aus dem Abendkleid ragenden Damenarme wie durch die opulente Bühnendekoration aus lauter bunten Stoffen. Die Schwalben ziehen über dem Himmelsoval und zirpen ungerührt vom Taktstock des Dirigenten

In Reihe 21 turtelt Schauspielerin Christine Neubauer mit ihrem Lover wie einst Julia mit ihrem Romeo. So viel Romantik, wie das Jahrtausende alte Gemäuer ausstrahlt geht jeden an. „Diese Menge, im Gedränge,“ eröffnet der Chor der Soldaten die Aufführung von Georges Bizets Oper „Carmen“. In diesem Moment, als der Männerchor singend die Bühne betritt, gibt es Gänsehaut gratis zum Opernbesuch hinzu. Und das nicht etwa wegen der Temperaturen unter freiem Himmel. Die bleiben bis weit nach Mitternacht angenehm mild. Vielmehr erzeugt die Schönheit des Gesanges, die Schönheit des römischen Amphitheaters, die Feuerzeuge, die die Besucher auf den Rängen schwenken und das phantastische Bühnenbild eine ergreifende Stimmung.

Die Opern-Spektakel dauern in der Regel mehr als vier Stunden, sind gleichwohl aber ein überaus kurzweiliges Vergnügen. (Foto: Ulrike Katrin Peters)

Die Opern-Spektakel dauern in der Regel mehr als vier Stunden, sind gleichwohl aber ein überaus kurzweiliges Vergnügen. (Foto: Ulrike Katrin Peters)

Übrigens: Sollte das Wetter doch mal einen Strich durch die Rechnung machenund der Herrgott lässt es über Verona regnen, dann wartet man bis zu eineinhalb Stunden, ob die Regenfront sich wohl noch verzieht. Ist dies nicht der Fall, so gibt es das Eintrittsgeld zurück. „So charmant die Open-Air-Aufführung ist, sie birgt eben gleichzeitig eben auch ein Risiko. Hat die Aufführung jedoch bereits begonnen und wird dann wegen Regen abgebrochen, so erhält nan sein Eintrittsgeld nicht zurück, hat aber die Option ein neues Ticket mit 50 ProzentRabatt zu erwerben.

Wie gut, dass Zenatello seinerzeit so frei war, einen musikalischen Selbstversuch zu starten. So war nicht nur eine grandiose Geschäftsidee geboren, um den Tourismus in der romantischen Stadt an der Etsch anzukurbeln. Es wurde auch der Weg geebnet, um jungen Künstlern, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen, ein Umfeld bieten zu können, in dem sie groß werden konnten, wie einst Maria Callas.

Die Arena die Verona bietet  perfekten Kulturgenuss in einem faszinierenden Setting. (Foto: Ulrike Katrin Peters)

Die Arena di Verona bietet perfekten Kulturgenuss in einem faszinierenden Setting. (Foto: Ulrike Katrin Peters)

Informationen: Tickets für die Arena di Verona sind unter www.arena.it erhältlich – Hotline: 0039 045 800 51 51. Auch, wer sich kurzfristig für einen Besuch entscheidet, bekommt meist noch Tickets für die Ränge – die 13.500 sind sehr selten ausgebuht. Neu in dieser Saison sind die offenen Tickets, die Besuchern eine größere Flexibilität geben. Bei einem „open ticket“ muss nur der Sitzbereich gebucht werden, die Oper und der Aufführungstag können individuell festgelegt werden.

Aktuelle Spielzeit: 20. Juni bis 7. September 2014. In der diesjährigen Saison beginnen die Aufführungen 15 Minuten früher: Im Juli um 21 Uhr, im August und September um 20.45 Uhr. Die Sondervorstellungen am 17. und 22. Juli sowie am 9. August beginnen  jeweils um 22 Uhr

Spielplan der Arena di Verona: 

  • Noch bis in den September hinein werden in Verona verschiedene Opern unter freiem Himmel inszeniert. (Foto: Ulrike Katrin Peters)

    Noch bis in den September hinein werden in Verona verschiedene Opern unter freiem Himmel inszeniert. (Foto: Ulrike Katrin Peters)

    Giuseppe Verdi: Un ballo in maschera: 19., 24., 31. Juli; 8. August

  • Georges Bizet: Carmen:  18., 25. Juli; 1., 7., 14., 29. August; 3. September
  • Giuseppe Verdi: Aida (Inszenierung La Fura dels Baus): 15., 20., 23., 27., 29. Juli; 3. August
  • Aida in der historischen Version von 1913: 10., 16., 24., 26., 31. August; 4., 7. September
  • Giacomo Puccini: Turandot: 5., 9., 12., 16., 26., 30. Juli; 2. August
  • Placido Domingo singt Verdi 17. Juli
  • Roberto Bolle & Friends: 22. Juli
  • Carl Orff: Carmina Burana: 9. August
  • Giacomo Puccini: Madama Butterfly: 15., 22., 27., 30. August; 2., 5. September
  • Charles Gounod: Romeo et Juliette: 23., 28. August; 6. September

ArenaMuesoOpera: Wer mehr über die Hintergründe der Arena die Verona erfahren will, dem sei ein Besuch im dazugehörigen Museum empfohlen. Auch außerhalb der Festspielsaison können Besucher hier alles über die Geschichte der Arena di Verona erfahren. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10.30 Uhr bis 18.30 Uhr. Adresse: AMO, Palazzo Forti, Via Massalongo, 7, Verona. Weitere Informationen unter www.arenamusopera.com

Anreise: Air Dolomiti fliegt täglich von Frankfurt und München nach Verona, www.airdolomiti.de, ab 49 Euro pro Strecke.

Nur einen Steinwurf vom Gardasee entfernt liegt das Hotel Caesius Thermae & Spa Resort. (Foto: Ulrike Katrin Peters)

Nur einen Steinwurf vom Gardasee entfernt liegt das Hotel Caesius Thermae & Spa Resort. (Foto: Ulrike Katrin Peters)

Übernachten: Direkt am Ufer des Gardasees gelegen, nur durch die Uferstrasse getrennt, ist das Hotel Caesius Thermae & Spa Resort, bereits allein durch seine Lage ausgezeichnet. Sechs tiptop-gepflegte Pools, die Thermalbecken im Inneren des Gebäudes, eine hervorragende Beauty- und Ayurveda-Abteilung sowie die hervorragende Küche tun ihr Übriges, dieses Haus mit seiner weitläufigen, gepflegten Anlage zu einem beliebten Hotel der gehobenen Klasse zu machen. Ein Shuttle nach Verona (und auch zurück nach dem Opernbesuch) kann an der Rezeption geordert werden. Doppelzimmer für zwei Personen inklusive Frühstück 180-245 Euro, Beautybehandlungen ab 80 Euro: Hotel Caesius Thermae & Spa Resort, Via Peschiera, 3, 37011 Bardolino (VR), www.hotelcaesiusterme.com, caesius@europlan.it, Tel +39 045 7219100

Hotels in der näheren Umgebung der ehrwürdigen Arena sind dann fasst durchgehend ausgebucht, ein Taxi nach Vorstellungsschluss zu ergattern, grenzt von der Wahrscheinlichkeit her an einen Lottogewinn.

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