Tschechien gedenkt Kaiser Karl IV. im großen Stil

Die Karlsbrücke, das Prager Wahrzeichen, trägt den Namen des berühmten Monarchen. (Foto Dagmar Veselkova)
Die Karlsbrücke, das Prager Wahrzeichen, trägt den Namen des berühmten Monarchen. (Foto Dagmar Veselkova)

Am 14. Mai 2016 jährt sich der Geburtstag Karls IV. zum 700. Mal. Das ganze Jahr lang feiert Tschechien den in Prag geborenen böhmischen König und späteren Kaiser des Heiligen Römischen Reichs. Mehrere Ausstellungen, Konzerte, Mittelaltermärkte und kulinarische Events widmen sich Karl IV., dessen Wirken sich bis heute in der Kultur und Gesellschaft Tschechiens widerspiegelt. Die älteste Universität Mitteleuropas, die Prager Alma Mater Carolinensis, der berühmte Kurort Karlsbad (Karlovy Vary) und die Burg Karlštejn sind nach ihm benannt.

Gefeiert wird nicht nur an solchen Orten, die besonders mit Leben und Wirken von Karl IV. verbunden sind, sondern im ganzen Land. So ehrt ihn das nordböhmische Wintersportzentrum Spindlermühle (Špindlerův Mlýn) auf kreative Art. Noch bis zum Ende der Wintersaison findet man an der Gipfelstation des Sessellifts Svatý Petr-Plaň von Eiskünstlern geschaffene Skulpturen, die Karl IV., seinen vier Ehefrauen sowie wichtige Bauwerke zeigen, die mit dem früheren Herrscher verbunden sind. Bei freiem Eintritt ist die Ausstellung täglich von 9 bis 15.30 Uhr zu erleben.

Prag gedenkt dem Kaiser mit einem wahren Feiermarathon sowie spannenden Ausstellungen.
Prag gedenkt dem Kaiser mit einem wahren Feiermarathon sowie spannenden Ausstellungen.

Seine Geburtsstadt Prag richtet für Karl IV. ein großes Geburtstagsfest aus. Den Auftakt bildet am 14. Mai eine Heilige Messe im St. Veitsdom, den Karl IV. als zentrales Gotteshaus ab 1344 auf der Prager Burg erbauen ließ. Erwartet werden dazu hochrangige Gäste aus dem In- und Ausland. Im Anschluss soll eine Geburtstagsperformance unter Mitwirkung bekannter tschechischer Künstler stattfinden.

Am 17. Mai wird das Ensemble der Tschechischen Philharmonie unter Leitung von Jiří Bělohlávek ebenfalls im St. Veitsdom ein Ehrenkonzert für Karl IV. mit Werken von Petr Eben und Antonín Dvořák spielen. Zudem verwandelt sich das Prager Stadtzentrum für sieben Tage in ein mittelalterliches Dorf mit Kunsthandwerk, Kulinarischem sowie mittelalterlichen Musik-, Tanz- und Theaterdarbietungen.

Karl IV. ließ Burg Karlštejn (Karlstein), rund 30 km südlich von Prag, ab 1348 errichten. (Foto Ladislav Renner)
Karl IV. ließ Burg Karlštejn (Karlstein), rund 30 km südlich von Prag, ab 1348 errichten. (Foto Ladislav Renner)

Dem Leben und Wirken des bedeutenden europäischen Herrschers widmet sich auch die erste Tschechisch-Bayerische Landesausstellung. Unter dem Titel „Karl IV. 1316 – 1378“ wird sie zunächst vom 14. Mai bis 25. September 2016 in der Waldstein’schen Reithalle in Prag und vom 20. Oktober bis zum 5. März 2017 im Germanischen Museum in Nürnberg gezeigt. Sie verbindet damit die zwei Städte, die mit dem Wirken Karls IV. am meisten verbunden sind.

170 wertvolle Exponate aus Museen, Kirchen und Privatsammlungen wurden weltweit zusammengetragen. Urkunden, Dokumente, Kunstwerke und Alltagsgegenstände sollen einen neuen Blick auf den Herrscher und seine Zeit erlauben. Auch ein Exemplar der Goldenen Bulle, des zu Zeiten Karls IV. entstandenen wichtigsten Verfassungsdokuments des Heiligen Römischen Reiches, wird zu sehen sein.

Karl IV. erhob 1370 den Ort Vary zur Königsstadt Karlovy Vary. (Foto Ladislav Renner)
Karl IV. erhob 1370 den Ort Vary zur Königsstadt Karlovy Vary. (Foto Ladislav Renner)

Zeitgleich mit der Landesausstellung startet eine Ausstellung im Prager „Haus zur steinernen Glocke“ (Dům U Kamenného zvonu). „Karel IV. 2016“ will den mächtigen Herrscher aus dem Haus Luxemburg als Menschen präsentieren. Sie thematisiert Tugenden und Laster Karls gleichermaßen. Gezeigt werden weniger bekannte Exponate, Dokumente und Briefe, welche die Lebenseinstellung des Monarchen illustrieren sollen. Der Ort der Ausstellung am Altstädtischen Ring ist nicht zufällig gewählt. Das Gebäude mit der prachtvollen gotischen Fassade gilt als möglicher Geburtsort Karls IV.

Die Prager Burg, deren Wiederaufbau mit dem Namen Karls IV. eng verbunden ist, feiert den ehemaligen Regenten gleich mit sieben Ausstellungsprojekten. Das wichtigste Ereignis findet vom 15. bis 29. Mai im Wladislawsaal statt. Dann können die Besucher bei freiem Eintritt die böhmischen Reichskleinodien im Original bewundern. Die hinter sieben Türen verschlossenen Kunstwerke werden nur anlässlich ganz besonderer Ereignisse gezeigt.

Zentraler Platz in der Prager City und beliebter Treffpunkt ist der Altstädter Ring
Zentraler Platz in der Prager City und beliebter Treffpunkt ist der Altstädter Ring

Ältestes Stück ist die Wenzelskrone, die Karl IV. 1346 anlässlich seiner Krönung zum böhmischen König anfertigen ließ. Sie wird zusammen mit dem Kronzepter und dem Reichsapfel ausgestellt, die aus der Habsburgerzeit stammen. Wer die Kleinodien zu diesem Termin nicht besichtigen kann, hat vom 15. Mai bis 28. September im Kaiserlichen Pferdestall die Chance, originalgetreue Repliken zu sehen. Weitere Ausstellungen widmen sich unter anderem der Geschichte des St. Veitsdoms.

Auch die zwei bedeutendsten Festivals der ersten Jahreshälfte stehen in diesem Jahr im Zeichen Karls IV. Während des Musikfestivals „Pražské Jaro – Prager Frühling“ wird das tschechische Vokalensemble Tiburtina zum Geburtstag von Karl IV. gemeinsam mit dem schweizerischen Countertenor Terry Wey die „Messe de Notre Dame“ des um 1300 geborenen Komponisten Guillaume de Machaut sowie weitere Mariengesänge präsentieren. Beim Prague Food Festival im Königlichen Garten der Prager Burg können Besucher vom 27. bis 29. Mai nicht nur tschechische und internationale Gaumenfreuden erleben, sondern auch eine kulinarische Reise ins 14. Jahrhundert unternehmen.

Beliebtes Reiseziel: das westböhmische Kurbad Karlovy Vary.
Beliebtes Reiseziel: das westböhmische Kurbad Karlovy Vary.

Ein weiterer bedeutender Ort, der seinen Glanz Karl IV. zu verdanken hat, ist das westböhmische Kurbad Karlovy Vary. In früher Kindheit wurde Karl, der damals noch Wenzel (Vacláv) hieß, von seinem Vater auf der nahe gelegenen Burg Elbogen (heute Loket) interniert – aus Furcht, der Adel könne ihn auf den böhmischen Thron setzen. Auch Jahre später kam Karl, mittlerweile böhmischer König, zurück in die Gegend, vor allem zum Jagen. Dort soll er der Legende zufolge während eines Ausrittes auf warme Quellen gestoßen sein und gegen 1350 das „Heiße Bad bei Elbogen“ gegründet haben. 1370 gewährte er dem „Vary“ genannten Ort dieselben Stadtrechte wie Elbogen und erhob ihn zur Königsstadt, woher auch Karls Name in der Stadtbezeichnung stammt.

Charmanter Kurort: das tschechische Karlsbad.
Charmanter Kurort: das tschechische Karlsbad.

Bis in den Herbst hinein feiert der prächtige Badeort seinen Namensgeber. Der Auftakt findet am 6. Mai mit der Eröffnung der Kursaison statt. Das dreitägige Programm umfasst neben dem großen Umzug mit Karl IV. einen Handwerkermarkt, Ritterturniere, Historienspiele und mittelalterliche Musik. Eine Zeitreise erwartet Gäste des traditionsreichen Kurbades auch am 25. Juni beim „Tag mit Karl IV.“ auf dem Freizeitgelände Rolava sowie bei der diesjährigen Ausgabe des Mattoni Karnevals. Die dreitägige Veranstaltung vom 3. bis 5. Juni steht unter dem Motto „Karneval der Könige“.

Am 8. Mai und 7. August lädt der Kurort zu großen Nordic Walking-Ausflügen von Karlovy Vary ins rund 15 Kilometer entfernt gelegene Loket ein. Während der Europäischen Tage des Kulturerbes vom 2. bis 4. September öffnet die Stadt bedeutende Orte, die mit dem Leben und Wirken Karls IV. verbunden sind, wie den Turm seines nicht mehr erhaltenen Jagdschlosses. Vom 21. September bis 27. November können Besucher Repliken der Kronjuwelen erleben. Im benachbarten Loket findet zudem am 13. und 14. August ein großer Mittelaltermarkt zur Erinnerung an Karl IV. statt.

Weitere Informationen rund um das Karl-Jahr in Prag finden sich unter www.karlovapraha.cz und in Karlovy Vary unter www.700karlovyvary.cz; Informationen zur Tschechisch-Bayerischen Landesausstellung unter www.ngprague.cz und allgemeine Informationen zu Tschechien unter www.czechtourism.com.