Olympische Spiele 2012 – Sportfest der Superlative in London

Die Briten lieben bekanntlich Rekorde und Superlative. Und eben solche stehen in diesem Jahr an, wenn London als erste Stadt der Welt zum dritten Mal nach 1908 und 1948 Gastgeber der Olympischen Sommerspiele sein wird. Rund 15.000 Athleten aus allen Teilen der Welt kämpfen vom 27. Juli bis 12. August 2012 in der britischen Kapitale in 26 olympischen Sportarten und mehr als 300 Wettkämpfen um Edelmetall beim bedeutendsten Sportereignis der Welt. Gut zehn Millionen Zuschauer in den Stadien und vier Milliarden Zuschauer weltweit werden laut Schätzungen das Spektakel, von dem 20.000 akkreditierte Journalisten rund um die Uhr in Wort und Bild berichten, live verfolgen. Direkt im Anschluss steigen vom 29. August bis 9. September 2012 an gleicher Stelle die Paralympics, mit 20 Sportarten und 471 Wettbewerben, bei denen sich behinderte Sportlerinnen und Sportler aus aller Herren Länder gegenüberstehen. 60 Tage lang regiert also in der Millionenmetropole an der Themse der Sport, begleitet von einem umfangreichen kulturellen Rahmenprogramm.

Eine Besonderheit von London 2012 ist sicherlich die Tatsache, dass abseits des eigens errichteten Olympiaparks im Stadtteil Stratford zahlreiche geschichtsträchtige Orte und Sehenswürdigkeiten mit in die Wettkämpfe einbezogen werden. Im königlichen Hyde Park stehen Triathlon und Freiwasserschwimmen auf dem Programm und die Horse Guards Parade, wo immer im Juni zu Ehren der Queen die große Parade „Trooping the Colour“ steigt, wird zur Beachvolleyballarena. Und im Wembley Stadium werden die Fußballfinals bei den Männern und Frauen ausgetragen. Fußball wird zudem in Cardiff, Newcastle-upon-Tyne, Coventry, Glasgow und Manchester gespielt, während das südenglische Weymouth und die vorgelagerte Insel Portland zum olympischen Segelzentrum avancieren.

Das Herzstück der Spiele von London bildet der Olympiapark in Straford im Osten der Stadt. Dieser ist vom zentral gelegenen Bahnhof St. Pancras mit einem modernen Hochgeschwindigkeitszug, dem Javelin, direkt zu erreichen. Derweil berheimatet die North Greenwich Arena Basketball und Gymnastik. Im Regent’s Park befindet sich das Ziel des Straßenradrennens und der legendäre Lord’s Cricket Ground wird zum Bogenschießplatz. Zentrale Bedeutung genießt zudem das Messezentrum ExCeL in den Royal Docks, wo Olympiasieger im Boxen, Fechten, Judo und Tischtennis gekürt werden.

Im olympischen Fokus steht daneben die legendäre Tennisarena von Wimbledon. Dort, wo sich Boris Becker 1985 als jüngster Spieler in die Siegerliste des berühmtesten Grand Slam Turniers eintragen konnte, verfolgen 30.000 Zuschauer Spiel, Satz und Sieg im Kampf um Olympiagold.

Jetzt noch an Tickets für einzelne Wettbewerbe zu kommen, gestaltet sich äußerst schwierig, da das Gros der Eintrittskarten bereits vergriffen ist. Gleichwohl ist es auch ohne Eintrittskarten an der Themse möglich, zumindest Teile der Olympischen Spiele live mitzuerleben. So etwas beim Marathonlauf und den Wettbewerben der Geher. Deren Start und Zieleinlauf liegen jeweils an der Prachtstraße The Mall, die den Buckingham Palace mit dem Trafalgar Square verbindet.

Der Marathonlauf der Frauen am 5. August führt ebenso wie der Wettbewerb der Männer am 12. August an zahlreichen Sehenswürdigkeiten wie dem königlichen Palast, dem Parlamentsgebäude, der St. Paul’s Cathedral und dem Tower of London vorbei. Vor allem am Victoria Embankment, dem Ufer der Themse, lässt sich prima ein Blick auf die Klasseläufer werfen. Gleiches gilt für das 20 Kilometer Gehen der Herren (4. August) und Damen (11. August) sowie das 50 Kilometer Gehen, deren Strecken auf einem Rundkurs zwischen dem königlichen St. James’s Park und dem Green Park vorbei am Buckingham Palace verlaufen.

Auf der Prachtstraße The Mall starten zudem zwei Radfahrwettbewerbe. So senkt sich hier die Startflagge für das Straßenrennen der Herren über 250 Kilometer am 28. Juli und tags darauf das Straßenrennen der Damen über 140 Kilometer. Wobei der Start- und Zieleinlauf sowie einige der besten Plätze entlang der Strecke lediglich Ticketinhabern offen stehen.

Unterdessen beginnen und enden die Wettbewerbe im Einzelzeitfahren, bei denen alle 90 Sekunden ein Starter auf die Strecke geschickt wird, am 1. August am Hampton Court Palace im Londoner Südwesten und ziehen sich durch Richmond, Kingston-upon-Thames und Surrey, wo überall die Möglichkeit gegeben ist, mehr als nur einen Blick auf die Olympioniken zu werfen.

Zumindest in Teilen können auch die Triathlonwettbewerbe mit Start und Ziel im berühmten Hyde Park kostenfrei mitverfolgt werden. Am 4. beziehungsweise 7. August nehmen je 55 Damen und Herren den Dreikampf mit 1.500 Metern Schwimmen im See Serpentine, 40 Kilometer Radfahren (vorbei am Buckingham Palace und dem Wellington Arch) und zehn Kilometer Laufen auf.

Egal wo sich die Olympialiebhaber in London befinden, werden sie immer wieder auch auf lebende Versionen des Maskottchen „Wenlock“ beziehungsweise auf „Mandeville”, das Pendats bei den  Paralympics, treffen. Letzteres erhielt seinen Namen in Anlehnung an das Krankenhaus Stoke Mandeville in Aylesbury, wo die Idee von olympischen Spielen für Behinderte geboren wurde. Und in Much Wenlock in Shropshire soll Pierre de Coubertin 1850 eine sportliche Großveranstaltung miterlebt haben, die in dazu inspirierte, die Olympischen Spiele der Neuzeit ins Leben zu rufen.

Wie sehr der olympische Gedanke lebt, lässt sich gleich an drei Stellen beim Public Viewing erleben. Denn sowohl im Hyde Park, als auch am Trafalgar Square und im Victoria Park werden eigens für die Olympischen Spiele große Leinwände aufgebaut, auf denen die Wettkämpfe, Medaillen-Zeremonien und Konzerte des Rahmenprogramms live übertragen werden. Um einen guten Platz vor der Leinwand zu ergattern, sollten sich Interessierte online unter londonlive.uk.com registrieren. Hier können dann einen Obolus von 3,50 Britischen Pfund bis zu vier Karten zu erworben werden, die frühzeitig Einlass in die Public Viewing Bereiche erlauben. Na ja, und wenn das nicht klappt, gibt es immer noch die Möglichkeit, Teile der Spiele bei einem guten Pint in einer der vielen Kneipen und Sportbars der Stadt mitzuverfolgen. Dabei sein ist eben alles.

Allgemeine Informationen: www.visitbritain.de, www.visitengland.de

Informationen: Alles Wissenswerte rund um das größte Sportereignis der Welt kann unter www.london2012.com abgerufen werden.

Tickets: Insgesamt gingen rund 6,6 Millionen Eintrittskarten für die Wettbewerbe in den Verkauf, mehr als ein Drittel davon für den Preis von 20 Pfund oder weniger. Das Gros der Karten ist jedoch bereits vergriffen. Einige Entscheidungen wie die Marathon-Läufe und die Straßen-Wettbewerbe im Radsport gibt es gratis. Eintrittskarten können in Deutschland exklusiv unter www.dertour.de bei Dertour, dem Generalagenten des Deutschen Olympischen Sportbundes, geordert werden.

Zeitplan: Ein Ablauf- und Terminplan für London 2012 kann online unter www.kp-x.de/olympia.pdf heruntergeladen werden.

Literaturtipp: Ulrike Katrin Peters & Karsten-Thilo Raab: London für eine Hand voll Euro, Westflügel Verlag, ISBN 978-3-939408-03-1, bestellen