Naturerlebnisse pur im holländischen Groningen

Traumhafte Landschaften - wie hier an der Smeerling Ruiten - laden in und um Groningen zu Wander- und Radtouren ein. (Foto Marcel Kerkhof)
Traumhafte Landschaften – wie hier an der Smeerling Ruiten – laden in und um Groningen zu Wander- und Radtouren ein. (Foto Marcel Kerkhof)

Die niederländische Provinz Groningen hat viele Gesichter, die es zu entdecken lohnt. Jede Gegend hat ihren eigenen Charakter und markante Landschaften: das Wattengebiet, aus früheren Eiszeiten geformte Heidelandschaften, verschlungene Kanäle und Deiche, Moorwälder und märchenhafte Flusstäler. Speziell ausgeschilderte Fahrrad- und Wanderrouten unterstützen bei der Routenplanung und machen einen Ausflug ins Groninger Umland für Wander- und Naturfreunde zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Direkt an der deutsch-niederländischen Grenze liegt die Region Westerwolde, das Land der Heideflächen, Wälder und verschlungenen Pfade. Dort schlängelt sich das Flüsschen Ruiten Aa nach erfolgter Renaturierung wieder ungehindert durch seine Auen. Westerwolde lässt sich hervorragend zu Fuß erkunden: In einem Umkreis von wenigen Kilometern können Wanderer eine Zeitreise von der Eiszeit in die Gegenwart unternehmen.

Natürlich fehlen in der Provint Groningen auch die typischen Windmühlen - wie hier bei Bourtange - nicht.
Natürlich fehlen in der Provint Groningen auch die typischen Windmühlen – wie hier bei Bourtange – nicht.

Anhand von 33 Wanderrouten können aktiv Reisende die vielseitige Region erkunden und erhalten dabei auch viele Informationen über die Geschichte der Region sowie ihre Flora und Fauna. Nicht umsonst ist Westerwolde zur Nationalen Kulturhistorischen Landschaft gekürt und zugleich zu einer der besten Wanderregionen des Nordens ausgerufen worden.

Die verschiedenen Wanderrouten erstrecken sich über einen oder mehrere Tage. Der Westerwoldepad führt von Ter Apel nach Wedderbergen und zurück. Je nach Vorliebe lässt sich das Wandervergnügen durch kleine Umwege auf 80 Kilometer ausdehnen. Das vollständig restaurierte Kloster in Ter Apel ist auf jeden Fall einen Besuch wert. 1465 gegründet, finden dort dieses Jahr anlässlich des 550. Jubiläums besondere Veranstaltungen statt.

Ein charmantes Kleinod: Der Klostergarten von Ter Apel. (Foto Cora Westerink)
Ein charmantes Kleinod: Der Klostergarten von Ter Apel. (Foto Cora Westerink)

Mittelalter-Freunde sollten sich den 5. und 6. September im Terminkalender notieren: Auf dem gesamten Kloster-Gelände warten anlässlich der Verantaltung „Mittelalterliches Ter Apel“ Schau-Kämpfe mit Bogen und Schwert, Musik, Tanz, Akrobatik und deftige Speisen auf die Besucher.

Weitere Fernwanderwege verknüpfen das Erleben von unberührter Natur mit historischen Ortschaften und ursprünglichen Dörfern, in denen die Zeit still zu stehen scheint: Der Noaberpfad (415 km) läuft komplett entlang der deutsch-niederländischen Grenze, beginnend in Nieuweschans. In Ter Apel verlässt der Pfad die Region Westerwolde und führt nach Emmerich.

Der Hannekemaaierspfad (94 km) führt von Neurhede in Deutschland nach Bakkeveen und verläuft ab Bourtange durch Westerwolde. In der vollständig restaurierten Festung Bourtange aus dem Jahr 1742 können Besucher in die Vergangenheit eintauchen. Jedes Jahr wird dort die „Schlacht um Bourtange“ originalgetreu nachgespielt – Kanonenfeuer inklusive. Dieses Jahr findet das Spektakel am 8. und 9. August 2015 statt. Auch die Übernachtung in einem ehemaligen Soldatenquartier ist dort möglich.

Die kurzweiligere Wanderroute 22 (8,5 km) führt entlang historischer Bauernhöfe und zum Schafstall von Ter Borg aus dem 17. Jahrhundert. Ganz in der Nähe gelegen sind die Ter Apelerbossen, die ältesten Wälder Groningens, in denen sich das Kloster Ter Apel befindet. Eine Übersicht über alle Wanderrouten in Westerwolde gibt es unter www.wandeleninwesterwolde.nl.

Geschichtsträchtig und überaus sehenswert: Bourtange.
Geschichtsträchtig und überaus sehenswert: Bourtange.

In der nord-westlich an Westerwolde angrenzenden Region De Veenkolonien, zu Deutsch Moorkolonien, wandeln Reisende auf den Spuren der Geschichte des Moores, des Torfs, der Bahngleise und Wasserstraßen. Früher erstreckte sich hier ein Hochmoorgebiet bis weit über die heutige Grenze zu Deutschland. Als die Nachfrage nach Brennstoff im 17. Jahrhundert stark zunahm, wurde in den Moorkolonien begonnen Torf abzubauen, was die Landschaft nachhaltig veränderte. Für den Torftransport wurde ein strenges Raster von Kanälen und Stichkanälen angelegt, die von unzähligen Torfschiffen befahren wurden. An den Ufern entstanden lang gestreckte Zeilendörfer.

Ein typisches Erscheinungsbild der Veenkolonien sind die vielen Brücken und Schleusen. Reisende können beispielsweise eine mehrstündige „Stadt-Wanderung“ in Veendam unternehmen, bei der Besucher die Torf- und Schifffahrtsgeschichte der Moorkolonien entdecken oder eine Wanderung durch ein Erholungsgebiet und typische Zeilendörfer.

Nicht nur in Ter Apel lässt sich eine kleine Zeitreise ins Mittelalter unternehmen.
Nicht nur in Ter Apel lässt sich eine kleine Zeitreise ins Mittelalter unternehmen.

Tipp: Wer von den Moorkolonien aus einen Abstecher in die Stadt Groningen unternehmen möchte, findet auf halber Strecke im Städtchen Muntendam ein wahres Naturparadies. Im Naturlehrgarten und Naturpark Zwischen den Mooren gibt es zu jeder Jahreszeit etwas zu entdecken: Ob Schmetterlingsbeete, Gärten für Kinder oder eine Wanderdünenlandschaft.

Weniger unberührte Natur und dafür mehr Kultur bietet die Stadt Groningen. Dort können Besucher auf den Spuren der Hanse wandeln: Das Wahrzeichen Groningens, der Martiniturm, entstand im „Goldenen Zeitalter“ zur Hochzeit der Hanse im Jahr 1463. Das imposante Goudkantoor am Grote Markt, das ursprünglich als Finanzamt genutzt werden sollte, wurde ebenfalls in der Zeit der Hanse erbaut und zeugt von dem Wohlstand in der damaligen Zeit. Ein weiteres Relikt aus der Hansezeit ist das Gebäude, das heute das Schifffahrtsmuseum beherbergt. Dessen ursprüngliche Fassade ist bis heute erhalten geblieben.

Auch in Westerwolde gehört die Natur zu den besonderen Pfunden, mit denen die Region wuchern kann.
Auch in Westerwolde gehört die Natur zu den besonderen Pfunden, mit denen die Region wuchern kann.

Auch die Speicherhäuser an der Gracht Hoge und Lage der Aa sind unverkennbare Überbleibsel aus dem „Goldenen Zeitalter“. Sie dienten damals als Getreidespeicher für die vielen Brauereien, die es in Groningen gab. Im Hanze Huis am A-Kerkhof ist die hanseatische Lebensart immer noch präsent: Der Laden ist prall gefüllt mit typischen Hansewaren, von Hamburger Kaffee über Marmeladen aus Kopenhagen bis hin zu Lübecker Marzipan und Tee aus Groningen. Alle Produkte werden ganz nach alter Hansetradition aus europäischen Hansestädten importiert. Das und noch viel mehr über die Handelsgeschichte von Groningen erfahren die Gäste auf dem sogenannten Hanserundgang. Weitere Informationen unter www.groningen.de.