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Von 10. August 2019 Mehr →

Mexiko zwischen Woo-Wald und Maya-Kult

Mexiko

Nicht von ungefähr gilt Tulúm als eine der faszinierdsten Ausgrabungsstätten in Mexiko. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Von wegen im Dschungel kreucht und fleucht es. Tiere gibt es nicht zu sehen. Dafür erklingen im 256 Hektar großen Jungla Maya teilweise fast schon animalische Schreie. Und zwar aus den Kehlen von Adrenalin-Trunkenen im Urwaldfieber. Denn die Hobby-Abenteurer sind an die Riviera Maya auf Mexikos Yucatán-Halbinsel gekommen, um einen ungewöhnlichen Dschungel-Dreikampf bestehend aus Abseiling, Zippling und Schnorcheln in einem unterirdischen Fluss zu absolvieren. Mutproben, die immer wieder, von Urschreien begleitet werden. Meist klingt es wie ein „woo“. Gerne auch mal mit zehn bis 15 Ohs je nach Grad der Aufregung.

„Fast jeder Zweite hat die Herausforderungen des Jungla Maya bislang überlebt“, flachst Euridice Hernández zur Begrüßung. Dabei lacht die gerade mal knapp 1,50 große Powerfrau in kakifarbenen Shorts und gelbem T-Shirt aus vollen Herzen, während der eine oder andere Urwald-Novize spontan darüber nachdenkt, vielleicht doch lieber nur faul am Strand rumzuliegen. Doch Euri, wie sich die 31-jährige Dschungel-Führerin gerne nennt, kennt kein Erbarmen. Gebadet würde auch im Jungla Maya – nur halt etwas anders als sonst, gibt sie zu verstehen.

Buckelpiste durch den Dschungel

„Überflieger“ an der Zipline im Jungla Maya.

Schon geht es auf der wenig bequemen Pritsche eines allradbetriebenen Unimogs mit rasantem Tempo über eine buckelige Schneise mitten hinein in den Jungla Maya. Und dies begleitet vom Bond-Feeling. Denn (tüchtig durch-) geschüttelt, nicht gerührt, wird das Heer der Ahnungslosen auf der ungepolsterten Ladefläche. Nach knapp zehn Minuten endet die Rüttel-Tortur. Es folgt ein kurzer Gang über einen breiten Pfad bis zu einem kleinen Camp. Bevor in die Badeklamotten geschlüpft wird, gilt es kurz ohne Seife und Shampoo zu duschen.

Das Abseilen ist nicht so schwierig, wie Anfänger vermuten würden.

„Gleich geht es in den Río Secreto, das mit knapp 220 Kilometern längste unterirdische Flusssystem der Welt“, erläutert Euri. Gleichzeitig achtet die überaus energetische Führerin penibel auf Sauberkeit, da das feuchte Nass den Einheimischen als Trinkwasser dient. Nach einem weiteren kurzen Marsch kommt ein Holzgestell in den Blick. Mit Hilfe einer Leiter geht es hinauf und schon fällt der Blick nach unten.

Ein wenig Kraftanstrengung ist schon notwenidg, um nicht aus luftiger Höhe ins Wasser zu plumpsen.

Denn unter dem Bauwerk, das von weitem wie ein Baumhaus auf Stelzen wirkt, öffnet sich ein kreisrunder Krater. Durch die knapp zwei Meter großes Loch fällt der Blick in die Tiefe. Am Ende des vielleicht zehn, zwölf Meter langen Schachts funkelt türkisgrün das Wasser des Río Secreto. Mit einer fest gezurrten Schwimmweste sowie mit Gurten und Karabinerharken gesichert, gilt es nun, sich an einem Seil Stück für Stück in den dunklen Schacht hinabzulassen.

Längste unterirdische Flusssystem der Welt

Die Stalaktiten und Stalagmiten in den Cenoten sind überaus faszinierend. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Die Stalaktiten und Stalagmiten in den Cenoten sind überaus faszinierend. (Foto Karsten-Thilo Raab)

„Einfach los lassen!“, fordert ein Helfer von Euri, der mit einer Stirnlampe bestückt, im Wasser wartet, rund zwei Meter über der Wasserfläche auf. Gesagt, getan. Ein langes Woooooo, ein kurzer Plumps, ein kurzes Platsch und schon eröffnet sich im Schein von Taschenlampen eine wunderbare unterirdische Welt voller Stalaktiten und Stalagmiten.

Schöner lässt sich wojhl ein unterirdisches Bad nicht genießen als am Rio Secreto.

„Diese mit Wasser gefüllten Höhlen nennen sich Cenoten“, weiß Euri zu berichten. Dann stürzt sie sich in die Fluten, um mit den Hobby-Forschern im Schlepptau ein Stück durch das verzweigte Gang- und Höhlensystem zu schwimmen.

Vor dem Besteigen des Zipline-Turms gilt es Helm und Sicherheitsgeschirr anzulegen. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Nach diesem feucht-fröhlichen Auftakt wartet das nächste Abenteuer: Die erste von insgesamt fünf Ziplines, die quer über den Urwald gespannt sind. Über eine steile, wackelige Leiter geht es zum Startturm. Dann heißt es: Helm auf, Karabinerharken am Stahlseil befestigen und los geht’s.

Im Affenzahn quer über die Baumkronen

Euri (rechts) prüft am Start der Zipline den Sitz der Sicherheitsgurte und des Karabiners.

Mit einem Affenzahn saust der menschliche Anhänger über Baumkronen hinweg und dreht sich dabei mehrfach um die eigene Achse. Das Tempo ist derart hoch, dass für einen entspannten Blick auf die wunderbare Landschaft eigentlich keine Zeit bleibt.

Mit einem Affenzahn geht es über den Urwald an der Riviera Maya.

Dies ändert sich mit jeder Zipline und wachsender „Routine“. Auf einmal lässt sich der Jungla Maya mit all seiner Schönheit aus der Vogelperspektive genießen. Und am Ende von Zipline Nummer 3 gibt es sogar noch eine Erfrischung gratis. Denn die Landung erfolgt im Wasser.

Wasserlandung mit Erfrischungscharakter

Im kleinen Dorf inmitten des Jungla Maya wird typiscvh mexikanische Küche serviert. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Nach so viel Adrenalin wartet im kleinen Maya-Dorf inmitten des Dschungel-Areals eine kleine Stärkung. „Ich hoffe, alle mögen Suppe mit Affenhirn“, flachst Euri auf dem Weg zur Essensausgabe. Wohl wissend, dass statt glibberigem Hirnschmalz typische mexikanische Bohnen, Reis, Burritos, Taccos, Nachos, Salate und natürlich Guacamole serviert werden. Auch Pollo Pibil, eine Spezialität aus Yucatán mit zerkleinertem Hühnerfleisch in Bananenblättern, kommt auf den Tisch.

Mit einem kleinen Sprung geht es nach der Mittagspause abermals in den Río Secreto.

Zur Abkühlung geht es danach noch einmal in den Río Secreto. Diesmal in einen Abschnitt, in dem Teile der Höhlen durchtaucht werden müssen. Mit dem Luftholen in kleinen Grotten verschlägt es einem ob der grandiosen Stalaktiten und Stalagmiten fast den Atem. Damit sich die Vielzahl an Eindrücken setzt und sich die Aufregung wieder legt, serviert Euri an Land noch eine gut gekühlte Margarita.

Beeindruckende Stalaktiten und Stalagmiten

Mit dem klapperigen Unimog geht es quer durch den Urwald. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Schon saust der Unimog wieder zurück an die Küstenautobahn, wo ein ungleich bequemerer Kleinbus wartet. Nach weiteren knapp zehn Minuten Fahrt ist dann mit Tulúm einer der berühmtesten prähistorischen Maya-Stätten Mexikos erreicht. In Bruchteilen von Sekunden wandeln sich die Dschungel-Abenteurer in Hobby-Archäologen.

Mexiko

Nicht nur für Archäologen ein Traum: die Maya-Ruinen von Tulúm. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Denn die Ruinen der Jahrhunderte alten Stadt üben fast schon magnetische Anziehungskraft aus. Irgendwie kann sich kaum jemand, der an die Riviera Maya an der mexikanischen Karibikküste reist, ihrer Faszination entziehen. Jeder will sie sehen, jeder will sie besteigen, jeder will sie umrunden und jeder will sie mit der Kamera auf Celluloid oder den Digitalchip bannen. Entsprechend stimmen die Menschen hier mit den Füßen ab. Viele Menschen wohl gemerkt.

Einer der größten Touristenmagnete in Mexiko

Der „Tempel des Windgottes“ erhebt sich pittoresk auf einem Felsvorsprung über einem kleinen Strandabschnitt. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Der „Tempel des Windgottes“ erhebt sich pittoresk auf einem Felsvorsprung über einem kleinen Strandabschnitt. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Fast wünscht man sich die Abgeschiedenheit des Jungla Maya zurück. Doch Tulúm ist ein absolutes Muss. Die Geschichte der Maya-Stadt reicht zurück bis in die Zeit um das Jahr 1.200. Damals war Tulúm einer der wichtigsten Handelsposten und Hafenstädte an der mexikanischen Karibik.

900 Jahre alte Zeugen der Maya-Kultur

Tulúm liegt direkt an einem traumhaften Stück Karibik-Strand. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Noch heute lassen die in Teilen gut erhaltenen Stadtmauern sowie die Reste der Wohnhäuser die Bedeutung erahnen. Nahezu komplett erhalten (oder wieder aufgebaut) sind unterdessen einige Tempelanlagen. Allen voran das direkt auf einer Klippe oberhalb eines malerischen Strandes gelegene „Schloss“, spanisch „El Castillo“ genannt.

Ein weiterer spektakulärer Blickfang ist der „Tempel des Windgottes“. Der Templo del Dios del Viento, so der spanische Name, erhebt sich ebenfalls auf einem Hügel direkt am Meer und besitzt nur einen einzigen Raum. Sehenswert ist daneben der „Freskentempel“. Der Templo de los Frescos erhielt seinen Namen dank seiner zahlreichen Wandmalereien mit den Abbildern von Göttern, die von Schlangen, Fischen, Eidechsen und anderen Tieren umrahmt sind. Auch am Templo de las Pinturas, dem Tempel der Gemälde, sind noch einige uralte Wandmalereien zu entdecken, die nach und nach restauriert werden.

Das Schloss ist der größte Prachtbau im antiken Tulúm. (Foto Karsten-Thilo Raab)

„Mehr Bilderbuch-Mexiko geht wohl kaum“, strahlt Euri mit Blick auf die Prachtkulisse mit präkolumbianischen Maya-Tempeln, Palmen, feinstem Karibik-Strand, türkisblauem Wasser und strahlend blauem Himmel. Wohl wissend, dass sich die Dschungel-Abenteuer am Ende dieses Tages kaum entscheiden werden können, was das großartigere Erlebnis war. Die Abenteuer im Jungla Maya, der Gang durch Tulúm oder das Plantschen in der wohlig warmen Karibik mit Blick auf den Tempel des Windgottes und das Schloss. Fakt ist, mehr Mexiko-Begeisterung lässt sich an nur einem einzigen Tag wohl kaum wecken.

Wissenswertes zu Mexiko

Der Besuch von Tulúm ist für Urlauber auf der Yucatan-Halbinsel fast schon ein Muss. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Allgemeine Informationen: www.visitmexico.com/de

Lage: Der Jungla Maya und Tulúm liegen auf der Yucatán-Halbinsel an der Riviera Maya an Mexikos Karibikküste. Vom Flughafen Cancun sind es rund 120 Kilometer in südwestlicher Richtung bis nach Tulúm über die Küstenautobahn 307.

Wissenswertes zu An- und Einreise

Auch neugierige Zaungäste finden sich am Strand von Tulúm… (Foto Karsten-Thilo Raab)

Anreise: Condor bietet ab Frankfurt am Main und München Direktflüge nach Cancún an. Der einfache Flug liegt bei 320 Euro pro Person an. Die Flugzeit beträgt rund elf Stunden.

Einreise: Für die Einreise nach Mexiko genügt ein noch mindestens sechs Monate gültiger Reisepass.

Am Freskentempel sind noch immer die Gesichtszüge von Gottheiten deutlich zu erkennen. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Währung: Mexikanische Pesos. Ein Peso entspricht etwa 0,04 Euro, ein Euro 21,45 Pesos. US-Dollar werden zudem (fast) überall akzeptiert.

Sprache: Spanisch, Englisch ist weit verbreitet.

Tour: Die „Tulúm Extreme“ im Jungla Maya inklusive Zippling, Abseiling, Schnorcheln im Río Secreto und Abstecher nach Tulum wird von Alltournative ab 116 US-Dollar pro Person inklusive Mittagessen und Getränken angeboten. Informationen unter www.alltournative.com

Tipps für Tisch und Bett

Der in Mexiko gepflegte Totenkult ist auch an der Catrina-Figuren von Tulum zu erkennen. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Essen & Trinken: La Cueva del Chango, Av 38 Norte Mz. 4 Lote 3, Zazil-ha, 77710 Playa del Carmen, Mexiko, Telefon 0052-984-1470271. In Strandnähe gelegenes Restaurant mit guter mexikanischer Küche.

Zenzi, Calle 10 Nte y La Playa, Centro, 77710 Playa del Carmen, Mexiko, Telefon 0052-984-8035738, http://zenzi-playa.com. Direkt am Strand gelegenes Restaurant mit exzellenten Fischgerichten.

Fraglos ist das Grand Paraiso eine der Top-Adressen auf der Yucatan-Halbinsel. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Übernachtungen: Iberostar Grand Hotel Paraíso, Carretera Chetumal – P. Juarez Km 309, 77710 Playa del Carmen, Mexiko, Telefon 011-52-984-8772800, . Übernachtungen im Doppelzimmer mit All-Inclusive-Paket mit Essen im Rahmen der Vollpension in den à-la-carte- und Büfetts-Restaurants, Snacks sowie Getränken und 24 Stunden Roomservice kosten ab 4.032 Pesos (ca. 185 Euro) pro Person und Tag. LINK-NAME

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