Leipzig – auf dem Weg zum Reformationsjubiläum

Martin Luther (alias Norbert Hein) in Begleitung von drei Damen in der typischen Kleidung der Reformationszeit im Innenhof der Moritzbastei. (Foto obs/Foto Bernd Görne)
Martin Luther (alias Norbert Hein) in Begleitung von drei Damen in der typischen Kleidung der Reformationszeit im Innenhof der Moritzbastei. (Foto obs/Foto Bernd Görne)

Im 15. und 16. Jahrhundert war Leipzig für das geistige und wirtschaftliche Leben in Kursachsen von zentraler Bedeutung. Die Reformation bescherte der Stadt einen ungeahnten Aufschwung, genauso wie Leipzig für den Fortgang der Reformation wichtig war. Denn hier wurden die lutherischen Schriften und auch zahlreiche evangelische Gesangbücher in hoher Auflage gedruckt und anschließend im ganzen Land verbreitet. So gab der Leipziger Drucker Melchior Lotter mehr als 160 Schriften des Reformators heraus.

Für den Fortgang und die Festigung der Reformation war die sächsische Buch- und Verlagsstadt von großer Bedeutung. Luther wusste um die Macht des gedruckten Wortes und setzte das Massenmedium gekonnt für seine Zwecke ein. Leipzig war damals eines der führenden Zentren des Buchdrucks im deutschsprachigen Raum. Leistungsstarke Druckereien wie die Wolfgang Stöckels, Jacob Thanners oder Melchior Lotters waren weit über die Stadtgrenzen für ihre Qualität bekannt. Sie gehörten auch zu den ersten, welche die 95 Thesen als Plakat druckten.

Das moderne Leipzig hat nicht mehr viel mit dem Leipzig aus Luthers Tagen gemeinsam.
Das moderne Leipzig hat nicht mehr viel mit dem Leipzig aus Luthers Tagen gemeinsam.

1483 in Eisleben geboren, wirkte Martin Luther nach seinem Studium der Theologie als Professor an der Theologischen Fakultät der Universität Wittenberg. Von dort aus reiste er mehrere Male in das 100 Kilometer entfernte Leipzig – manchmal auch zu Fuß. Luthers wichtigster Besuch in der Handelsstadt ereignete sich im Jahr 1519: Bei der Leipziger Disputation duellierte er sich rhetorisch mit dem katholischen Theologen Johannes Eck – das Streitgespräch wurde zu einem Wendepunkt für Luther selbst und für die reformatorische Bewegung.

Das Jahr 1517 gilt als die Geburtsstunde der Reformation. Als Martin Luther am 31. Oktober an die Tür der Wittenberger Schlosskirche seine 95 Thesen anschlug, war dies der Auftakt für Luthers öffentliche Auseinandersetzung mit der Institution Kirche und dem Papsttum. Luther geißelte den geschäftsmäßigen Ablasshandel, mit dem Gläubige, statt zur Beichte zu gehen, sich selbst und ihre verstorbenen Angehörigen von Sünden freikauften. Dabei richtete er sich gegen die Umtriebe des Ablasspredigers Johann Tetzel, auf den der Ausspruch „Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt!“ zurückgeht.

Netter Blickfang: eine Statue am Leipziger Augustusplatz.
Netter Blickfang: eine Statue am Leipziger Augustusplatz.

Der schwelende Konflikt zwischen Luther und der Amtskirche sollte im Sommer 1519 in Leipzig ausgetragen werden – bei der „Leipziger Disputation“. Diese begann am 27. Juni mit einer Messe in der Thomaskirche, bei der auch der Thomanerchor zu hören war. Begleitet von seinen Freunden, dem Gelehrten Philipp Melanchthon und dem Theologen Andreas Karlstadt, stellte sich Luther einem tagelangen Rededuell mit seinem Kontrahenten, dem papsttreuen Theologieprofessor Johannes Eck.

In der Pleißenburg, wo sich heute das Neue Rathaus befindet, ging es nicht nur um den Ablass, sondern auch um die Stellung des Papstes, den freien Willen oder die göttliche Gnade. Für Martin Luther bedeutete die „Leipziger Kirchenschlacht“, wie die Disputation auch genannt wird, den endgültigen Bruch mit der römisch-katholischen Kirche. Da er sich weigerte, seine Thesen zum Ablasshandel zu widerrufen, verhängte man über Luther und seine Anhänger 1521 schließlich den Kirchenbann und die Reichsacht.

Berühmtestes Bauwerk in Leipzig: das Völkerschlachtdenkmal.
Berühmtestes Bauwerk in der sächsischen Metropole: das Völkerschlachtdenkmal.

Heinrich der Fromme führte zu Pfingsten 1539 den protestantischen Glauben als Staatsreligion im Herzogtum Sachsen ein. Anlässlich des offiziellen Festakts war auch Luther in Leipzig zu Gast. Er predigte in der Kapelle in der Pleißenburg und hielt eine Festrede in der Thomaskirche, begleitet vom Gesang des Thomanerchors. Letztmalig weilte der Reformator zur Weihe der Universitätskirche als evangelische Kirche im August 1545 in der Stadt. Am 18. Februar 1546 verstarb er in Eisleben.

Wer sich heute auf die Spuren Martin Luthers und der Reformation in Leipzig begeben möchte, kann bei der Leipzig Erleben  mehrere thematische Führungen buchen. Informationen zum Thema „Leipzig – auf dem Weg zum Reformationsjubiläum“ unter www.luther-in-leipzig.de; allgemeine Informationen unter  www.leipzig.travel. (ots)

Auf den Spuren von Luther und Bach

Im Prospekt „Auf den Spuren von Luther und Bach“, herausgegeben von der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH und der Stadt Leipzig, findet sich viel Wissenswertes über die wichtigsten Lutherstätten in Leipzig. Diese werden anschaulich in einem Stadtplan dargestellt. Darüber hinaus wird Johann Sebastian Bachs kirchenmusikalisches Wirken im Geiste der Reformation beleuchtet. Der Prospekt ist kostenlos in der Tourist-Information Leipzig erhältlich.