Ex-Kulturhaupstadt – was nun?

Das Kulturhauptstadtjahr 2010 war für die Ruhrmetropole Essen eine tolle Chance. Endlich sollte die ganze Republik, ach, die ganze Welt sehen, wie sehr sich der ehemalgie Industristandort zur lebendigen, lebenswerten Metropole gemausert hat. Zwei Jahre später frag sich vielleicht so mancher. Was nun? Was ist geblieben? Die Macher von Ruhr 2012 sehen das Thema “Kulturmetropole Ruhr” als Dauerauftrag. Kulturministerin Ute Schäfer ist gleicher Meinung: „Das Ruhrgebiet wird national und international immer attraktiver. Deshalb darf das Kulturhauptstadtjahr kein Strohfeuer sein.” Die Mortimer-Redaktion teste die Ex-Kulturhauptsadt einen Tag lang und kam zu einem sehr guten Ergebnis. Nachmachen empfohlen!

Morgens: Frühstück im Mutterleib

Zum Frühstück geht es in den Mutterleib zurück – zumindest farblich erinnert im Rüttenscheider Miamamia alles an Mamas Bauch: Warmes braunbeige mit liebvollem pink. Überall stehen Kinderwagen rum. Ich beschließe, nachzuschlagen, auf welchem Platz das Szeneviertel in der Liste der fruchtbarsten Stadtteile Deutschlands liegt. Ich vermute auf Platz zwei, gleich hinter dem Prenzlauer Berg in Berlin.

Nach dem Frühstück: Kultur auf der ganzen Linie

Sie ist gelb, verkehrt teilweise unterirdisch, teilweise oberirdisch. Die Sitze sind in lilablau, rot, gelb und schwarz gehalten. Auf ihrer 45minütigen Fahrt zwischen dem mondänen Villenviertel Bredeney und Gelsenkirchen passiert die Straßenbahnlinie 107, die so genannte „Kulturlinie“, mal ober-, mal unterirdisch insgesamt 60 Sehenswürdigkeiten. Darunter das UNESCO Weltkulturerbe Zeche Zollverein, das Museum Folkwang und die PHilharmnie, aber auch das „Soul of Africa“, Deutschlands einziges Museum für Voodoo und Heilung –  was schon fast an Hexerei grenzt.

Mittags: Blattgoldwurst

Während ein paar Straßenarbeiter in der Nobel-Currywurst-Bude im Giradet-Haus banale „Pommes Schranke“, also mit Ketchup und Mayo, bestellen, entscheide ich mich für eine Currywurst mit echtem Blattgold und überhöre die Witze der Arbeiter, die irgendetwas mit einem Teesieb und einem vor dem Klo hockenden Gourmet zu tun haben.

Verdauungsspaziergang: Fehlende Gardinenvorschrift

Ich schlendere durch die Margarethenhöhe und die nicht minder schöne Siedlung Altenhof, denkmalgeschützte Viertel voller schmucker Knusperhäuser, die der Großindustrielle Krupp für seine Arbeiter bauen ließ. Dabei frage ich mich, warum die Vorschriften des Denkmalschutzes nicht auch für die Vorgartengestaltung und die Wahl von Gardinen gelten? Benannt nach der Stifterin Margarethe Krupp, gilt die Gartenstadt Margarethenhöhe bereits seit ihrer Entstehung in den Jahren von 1909 bis 1920 als ein Beispiel für menschenfreundliche und gleichzeitig zweckgemäße Bauweise. Den Mittelpunkt der malerischen Siedlung bildet der bis heute fast unverändert erhaltene Marktplatz. Die Siedlung selbst wiederum bildet den Kern des gleichnamigen Stadtteils.

 Nachmittags: Von Haben und Reibach

Quer durch den Stadtwald erreiche ich das größte Wohnhaus des Landes, die Villa Hügel mit ihren 269 Zimmern. Vor dem Stammhaus der Krupp-Dynastie steht die „Dicke Berta“, eine Kanone, die charmanterweise nach der Gemahlin des alten Krupps benannt ist.

Abends: Dinieren im Varieté

Mit der 107 geht es bis zur Haltestelle Rathaus, von dau aus bringt uns ein kleiner Fuβmarsch von 5 Minuten zum GOP Varieté Theater. Nach einem langen Tag auf den Beinen ist es eine wahre Freude, sich in die roten Polstersessel sinken zu lassen. Adrette, flinke Kellner, die heute offensichtlich noch keine ganze Ex-Kulturhauptstadt unter die Füβe genommen haben servieren eine Köstlichkeit nach der anderen, während junge Artisten ziegen zeigen, zu was der menschliche Körper fähig ist. Die einzige, noch verbleibende Herausforderung für den erschöpften Kulturhaupstadttouristen heute Abend besteht darin sich nicht zu verschlucken. Nicht vor Lachen bei den Comedy-Acts, nicht bei vor Staunen bei den atemberaubenden Artistik-Einlagen…

 Gewinnspiel: Karten fürs GOP Varieté zu gewinnen

Unter allen Einsendern, die bis zum 31. August 2012 eine Email mit dem Betreff “GOP” an gewinnspiel(at) mortimer-reisemagazin.de schicken, verlosen wir einen Gutschein über zwei Eintrittskarten ins GOP. Es entscheidet das Los, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.