Von 26. März 2019 Mehr →

Elephant Valley – das etwas andere Stück Thailand

Im Elephant Valley im Norden von Thailand wird sich liebevoll um das Wohl der Dickhäuter gekümmert. - Foto Cornelia Lohs

Im Elephant Valley im Norden von Thailand wird sich liebevoll um das Wohl der Dickhäuter gekümmert. – Foto Cornelia Lohs

Es geht zu wie in einer Autowaschanlage. Nur dass hier keine Benzinkutschen, sondern dickhäutige Vierbeiner unter freiem Himmel gewaschen werden. Ein Mahout (Elefantenführer) steht auf drei gestapelten Autoreifen und spritzt den ersten Elefanten mit einem Schlauch ab, während die anderen auf und ab stampfen und darauf warten, auch endlich an die Reihe zu kommen. Das Wasser löst den braunen Schlamm, der die Dickhäuter tagsüber vor der Hitze und lästigen Insekten schützt. Wenn der neue Tag anbricht, wird wieder im Schlamm gesuhlt. Aber jetzt werden Claire, Jay, Ka Moon, Lou, Mo Dee und Thong Inn erst einmal fürs Abendessen fein gemacht.

Die sechs leben im 16 Hektar großen Elephant Valley nahe Chiang Rai im Nordwesten Thailands. Nach einem Leben in Gefangenschaft und dem Missbrauch als Show-Elefanten werden sie hier auf ein Leben in Freiheit in einem Nationalpark vorbereitet. Zusammen mit einem Guide und einem Sicherheitsabstand von zehn Metern dürfen Besucher den Tagesablauf der kleinen Elefantenherde innerhalb des Gatters beobachten. Genügend Abstand muss nicht nur deshalb eingehalten werden, weil viele gerne vergessen, dass Elefanten eigentlich Wildtiere sind, sondern weil ständiger Kontakt mit Menschen für die Dickhäuter Stress bedeutet.

Abendmahl für geduschte Elefanten

Geduldig warten die Elefanten auf eine wohltuende Dusche. - Foto Cornelia Lohs

Geduldig warten die Elefanten auf eine wohltuende Dusche. – Foto Cornelia Lohs

Außerhalb des Gatters dürfen die Tiere durch die breiten Holzstäbe gefüttert werden. Allerdings nur am frühen Abend und unter Aufsicht. Frisch „geduscht“ stehen vier Elefanten hinter der Umzäunung und warten geduldig auf ihr Abendmahl, während es die Besucher kaum abwarten können, ihnen endlich die Bananenblätter entgegen zu strecken. Die Tiere leben schon einige Zeit im Elephant Valley und sind an Besucher gewöhnt. Eine Fütterung in Anwesenheit von Besuchern findet allerdings nur solange statt, wie die Tiere von sich aus zur Fütterungsstelle kommen. Auch ohne Fütterung sind sie auf dem Gelände ausreichend mit Nahrung versorgt.

„Wenn ein neuer Elefant zu uns kommt, bewegt er sich nur, wenn man ihn dazu auffordert. Viele Tiere sind emotional gestört, was sich besonders durch ständiges Hin- und Herschwingen des Kopfes bemerkbar macht. Sie sind fast wie Autisten und müssen reprogrammiert werden“, sagt Camp-Leiter Jack Highwood. Die Reprogrammierung übernehmen „Lehrer“-Elefanten. Sie bringen ihren traumatisierten Artgenossen artgerechtes Verhalten bei, indem sie es ihnen vorleben. Die Tiere lernen wie es ist, einfach nur Elefant sein zu dürfen. Im Camp leben drei von einer Kooperative geleaste Lehrer-Elefanten, die zwei bis drei Jahre bleiben. Sobald die anderen Tiere gelernt haben, sich natürlich zu verhalten, was ein Jahr dauert, werden sie ausgewildert.

Fragwürdige Trekkingtouren

Durch das Gatter dürfen die Dickhäuter abends unter Aufsicht gefüttert werden. - Foto Cornelia Lohs

Durch das Gatter dürfen die Dickhäuter abends unter Aufsicht gefüttert werden. – Foto Cornelia Lohs

Elefanten sind eine der Hauptattraktionen der thailändischen Touristenindustrie. Besucher, die auf den Rücken der Dickhäuter Trekkingtouren unternehmen, mit ihnen im Wasser oder Schlamm baden oder sich tanzende Elefanten in einer Show anschauen, bringen Geld. Dass diese Aktivitäten allerdings mit einer nicht artgerechten Haltung und Misshandlung (Schläge sind an der Tagesordnung) der Tiere einhergeht, ist den wenigsten bewusst. Vorgeführt zu werden macht keinem Elefanten Spaß. Auf Kommando zu tanzen, mit einem Reifen jonglieren, mit Touristen baden und stundenlange Touren mit schweren Satteln und Menschen auf dem Rücken sind eine Tortur für die Tiere. Sie sind Wildtiere, keine Entertainer.

In Thailand entstehen immer mehr „Sanctuaries“ (Schutzzentren), die wie das Happy Valley versuchen, die Elefanten an ein normales Leben zu gewöhnen – ein Leben, das sie nie hatten.

Tal der glücklichen Elefanten

Das Huhn stört den mächtigen Elefanten nicht bei seiner Mahlzeit. - Foto Cornelia Lohs

Das Huhn stört den mächtigen Elefanten nicht bei seiner Mahlzeit. – Foto Cornelia Lohs

In der hügeligen Landschaft im 200 Kilometer entfernten Chiang Mai führt eine rote Schotterstraße hinauf zum Happy Elephant Valley. Auch hier leben sechs Elefanten, die schrittweise auf die Auswilderung vorbereitet werden. Im Gegensatz zu Chiang Rai sind die Tiere hier angekettet, aber immerhin sind die Ketten lang. Eig, der Leiter des Camps erklärt, dass die Elefanten, die bisher in Gefangenschaft lebten, beim freien Herumstreifen durchs Tal nicht nur die am Hang liegenden Reisfelder zerstören, sondern auch in die benachbarten Dörfer eindringen würden, ließe man sie frei herumlaufen. Um sie langsam an die Freiheit zu gewöhnen, werden sie anfangs zwei bis drei Stunden am Tag von der Kette gelassen und dürfen sich unter Aufsicht der Mahouts frei im Camp bewegen. Innerhalb eines Jahres sollen sie täglich bis zu 12 Stunden kettenfrei sein und so langsam auf ein Leben Freiheit vorbereitet werden.

Mehr Elefanten in Gefangenschaft als in Freiheit

In Thailand gibt es mehr Elefanten in gefangenschaft als in freiheit. - Foto Cornelia Lohs

In Thailand gibt es mehr Elefanten in gefangenschaft als in freiheit. – Foto Cornelia Lohs

Traurigerweise leben in Thailand mehr Elefanten in Gefangenschaft als in Freiheit. Bereits im Alter von einem Jahr werden die Jungtiere von der Mutter getrennt und in enge Holzkäfige gesperrt, die kaum Platz für Bewegung bieten. In ihrem engen Gefängnis angekettet, werden die Elefantenkinder solange geschlagen und gequält, bis sie keine Gegenwehr mehr zeigen. Ist der Wille der Tiere erst einmal gebrochen, lassen sie in ihrem restlichen Leben fast alles mit sich machen, nur um keine Qualen mehr erleiden zu müssen. Die Misshandlung hört später jedoch nicht auf. Spurt der Elefant nicht, schlägt der Mahout ihn mit seinem Elefantenhaken, einem Stock mit spitzem Metallhaken. Ist das Tier nicht gerade im „touristischen Einsatz“, steht es stundenlang an einer viel zu kurzen Kette angebunden. Immer wieder begehren die traumatisierten Tiere während des Elefantentrekkings oder des „Badespaßes“ auf, wobei Touristen oft schwer verletzt werden oder gar mit dem Leben bezahlen.

Zeichen gegen den Elefanten-Tourismus

Obschon die riesigen Säugetiere als gutmütig gelten, sollte stets ein Sicherheitsabstand gewahrt werden. - Foto Cornelia Loha

Obschon die riesigen Säugetiere als gutmütig gelten, sollte stets ein Sicherheitsabstand gewahrt werden. – Foto Cornelia Loha

Zahlreiche deutsche Reiseveranstalter haben in den letzten Jahren klare Zeichen gegen den Elefanten-Tourismus gesetzt und ihre Ausflugsprogramme in Thailand entsprechend geändert. TUI, der als weltweit erster Reisekonzern Elefantenreiten und den Besuch von Elefantenshows aus dem Programm genommen hat, ging sogar einen Schritt weiter. Die vom Touristik-Riesen 2016 mit dem Ziel Tourismus, Natur- und Tierschutz in Einklang zu bringen gegründete Tui Care Foundation unterstützt die beiden Camps in Chiang Rai und Chiang Mai mit Öffentlichkeitsarbeit und ihren Verbindungen zur Reiseveranstaltern.

2017 ist die Stiftung mit der World Animal Protection eine Partnerschaft eingegangen, um bis 2020 den Schutz von 650 in Gefangenschaft lebenden Elefanten in Thailand nachhaltig zu verbessern und Touristen für den Elefantenschutz zu sensibilisieren. Letzteres mittels der Camps, wo Besucher einiges über das Verhalten der Dickhäuter lernen. Die Stiftung und die Tierschutzorganisation arbeiten eng mit politischen Entscheidungsträgern und der Reisebranche zusammen, um Mindestanforderungen für den Tierschutz bei Elefantenattraktionen neu zu definieren.

Informationen zum Besuch im Elephant Valley

Das Elephant Valley ist bestens auf Besucher eingestellt - auch an Regentagen. - Foto Cornelia Lohs

Das Elephant Valley ist bestens auf Besucher eingestellt – auch an Regentagen. – Foto Cornelia Lohs

Das Elephant Valley bietet auf seinem Gelände einfache Unterkünfte an. Übernachtung, Halbtagesprogramm, drei leckere Mahlzeiten (auch vegan) sowie Transport ab Chaing Rai ins Camp pro Person 80 US Dollar.

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