Biikebrennen – die brandheiße friesische Tradition

Am friesischen "Nationalfeiertag" brennen wieder vielerorts - wie hier in Husum - die Biikefeuer. (Foto Oliver Franke)
Am friesischen „Nationalfeiertag“ brennen wieder vielerorts – wie hier in Husum – die Biikefeuer. (Foto Oliver Franke)

Wenn am 21. Februar im Lande der Nordfriesen, hoch oben an der Nordseeküste von Schleswig-Holstein alljährlich an Land, auf den Inseln und Halligen die Feuer lodern, dann ist das Ende des Winters nicht mehr fern. Zumindest wünschen sich das die Friesen, denn sie versuchen alljährlich den Winter mit diesen Feuern auszutreiben. Diese Tradition ist inzwischen so ein mit Leidenschaft gelebtes Kulturerbe, das auch die Kulturministerkonferenz im Dezember 2014 beschloss, dass das Biikebrennen in das nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wird.

Die Biike (Sylter Friesisch das „Feuerzeichen“) geht bis auf heidnische Zeiten zurück. Schon vor 2000 Jahren sollte der Opferbrand den Gott Wotan gnädig stimmen und ihn dazu bewegen, die ungeliebte eisige Jahreszeit zu beenden. Von diesem Ursprung hat sich bis heute hier und da der Brauch erhalten, eine Strohpuppe mit zu verbrennen. Aber die Feuer leuchteten auch nach der Christianisierung weiter über die See: Der 22. Februar wurde zu Ehren des Schutzpatrons der Fischer zum Petritag. Seit dem 17. Jahrhundert war die Biike für die nach langem Winter wieder auslaufenden nordfriesischen Walfänger der Abschiedsgruß von der Heimat. Und weil man vor der lebensgefährlichen Fangsaison alle Rechtsfragen geordnet haben wollte, wurde gleich noch Gerichtstag gehalten.

Beim Biikebrennen, dem ältesten nordfriesischen Brauch, sind die Einheimischen bis heute mit Begeisterung dabei. Mancherorts sammeln die Konfirmanden schon Wochen vorher Holz und Reisig, aber auch in den friesischen Vereinen und in den Küchen geht es rund. Und wenn der riesige Holzstoß dann heruntergebrannt ist, treffen sich die Nordfriesen und ihre Gäste zum deftigen Grünkohlessen mit Kasseler und Schweinebacke, Teepunsch und Grog.

Das „Nationalfest“ der Friesen wird beispielsweise im Husumer Stadtteil Schobüll um 18 Uhr begangen. Ab 18.30 Uhr brennt auch an der Erlebnispromenade in St. Peter-Ording die Biike. Auf der Insel Föhr sind Einheimische und Gäste eingeladen, z.B. am Fackelumzug zum Wyker Biikefeuer teilzunehmen. Am Abend treffen sich ab 18:30 Uhr Groß und Klein an den Biikehaufen und entfachen gemeinsam die Feuer.

Pellworm feiert die „Pellwormer Biiketage“. Vom 19.02. bis 22.02.2015 steht die Insel im Zeichen der Traditionsveranstaltung. Neben Grünkohlessen erwarten Gäste hier spannende Inselgeschichten, Feuerspektakel, „Lämmer gucken“ sowie die Feuerrede. Und auch auf den Halligen wird gefeiert – zum Beispiel auf der Hallig Langeneß: Um 19.00 Uhr wird zwischen Ketelswarft und Kirchwarft die Biike entfacht. Dazu wird Akkordeon gespielt und kräftig gesungen. Beim Grünkohlschmaus im Gasthaus Hilligenley lassen die Halligbewohner und ihre Gäste den Abend ausklingen.

Mehr Informationen unter www.nordseetourismus.de. Eine Übersicht über Biike-Veranstaltungen an der Nordsee findet sich hier.

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Mortimer

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