Von 8. November 2016 Mehr →

Arizonas faszinierende „Schlösser“ der Indianer

Von wegen nir Tipis - in Arizona finden sich zahlreiches Zeugnisse indianischer Baukunst wie hier im Canyon de Chelly.

Von wegen nur Tipis – in Arizona finden sich zahlreiche Zeugnisse indianischer Baukunst wie hier im Canyon de Chelly.

Jedes Kind weiß: Indianer wohnen in Tipis. Die lederbehangenen Zelte gelten als typische Behausung der Ureinwohner Amerikas. Doch den meisten ist unbekannt, dass einige Stämme bereits vor vielen hundert Jahren auch spektakuläre Bauwerke aus Stein in Arizonas Canyons errichtet haben, die bis heute zu bestaunen sind. Eines der eindrucksvollsten Gebäude, das Montezuma Castle, erklärte Theodore Roosevelt vor 110 Jahren zum ersten National Monument des Wüstenstaates. Heute hat Arizona mit 18 National Monuments die größte Anzahl in den USA. Es ist also höchste Zeit, die interessantesten Bauwerke der Ureinwohner vorzustellen und sich auf eine Entdeckungsreise in die Vergangenheit zu begeben.

Montezuma – 800 Jahre altes „Schloss“ in der Wüste

Acht Jahrhunderte alte Faszination: das Montezuma's Castle National Monument.

Acht Jahrhunderte alte Faszination: das Montezuma’s Castle National Monument.

Am 6. Dezember 1906 erhielt das Montezuma Castle den Titel National Monument und gilt bis heute als eines der am besten erhaltenen historischen Gebäude Nordamerikas. Die Felsenbehausung wurde im 12. Jahrhundert von Sinagua-Indianern an dem Hang des Beaver Creeks zum Schutz vor feindlichen Stämmen gebaut. Dabei besteht der Gebäudekomplex nicht nur aus 20 Räumen, sondern erstreckt sich in der Felsnische auch über ganze fünf Etagen. Als die Spanier auf die Behausungen stießen, hielten sie es irrtümlich für ein Aztekenschloss, was den ungewöhnlichen Namen erklärt. Schätzungsweise 350.000 Menschen erkunden jedes Jahr die Umgebung, denn durch die günstige Lage zwischen Phoenix und Flagstaff ist das Monument einfach mit dem Auto zu erreichen.

Tuzigoot – Das Erbe der Sinagua-Indianer

An verschiedenen Stellen in Arizona zeigt sich, welch große Bauherren die Indianer waren.

An verschiedenen Stellen in Arizona zeigt sich, welch große Bauherren die Indianer waren.

Das Montezuma Castle ist nicht das einzige steinerne Erbe der Sinagua-Indianer. Um 1200 n. Chr. errichteten sie auch das eindrucksvolle Pueblo von Tuzigoot, welches 1939 ebenfalls als National Monument geschützt wurde. Das Bauwerk zieht sich über einen Grat aus Kalk- und Sandstein, etwa 35 Meter über dem Fluss. Ende des 14. Jahrhunderts umfasste das Pueblo sogar 110 Räume auf drei Stockwerken und wurde von über zweihundert Personen bewohnt.

Canyon de Chelly – das Herzstück der Najavo-Nation

Pracht im Fels: die White House Ruin im Canyon de Chelly.

Pracht im Fels: die White House Ruin im Canyon de Chelly.

Auch die Najavo-Indianer wussten den Schutz einer massiven Felswand zu schätzen. Vor etwa 1000 Jahren gründeten sie daher im Canyon de Chelly eine kleine Siedlung in einer Felsnische. Die Außenmauer des oberen Hauses besteht aus weißem Stein, weshalb es auch den Namen White House Ruin trägt. Doch der Canyon de Chelly hat noch einiges mehr zu bieten. Seit über 5000 Jahren hinterlassen Menschen hier ihre Spuren. Am besten lassen sich die Gäste diese Orte von Najavo-Guides zeigen, deren Stamm noch immer im Canyon zu Hause ist. 1931 wurde das gesamte Gebiet schließlich zum Canyon de Chelly National Monument erklärt, das mit weiteren berühmten Sehenswürdigkeiten lockt, wie dem Spider Rock und der Mummy Cave Ruin.

Casa Grande Ruins – Geschichte hautnah

Die Mummy Cave Ruinen im Canyon del Muerto.

Die Mummy Cave Ruinen im Canyon del Muerto.

Zwar befindet sich die ehemalige Siedlung des Volkes der Hohokam nicht in der Höhle eines Felsmassivs, doch das macht das Casa Grande Ruins National Monument nicht weniger spektakulär. Geschützt durch ein riesiges Dach steht mitten in der Wüste das „Große Haus“, eines der größten und mysteriösesten prähistorischen Gebäude, das jemals in Nordamerika erschaffen wurde. Es ging 1892 als erste kulturhistorische Stätte der Vereinigten Staaten in die Geschichte ein und wurde 1918 zum National Monument. Die architektonische Meisterleistung der Ureinwohner wird hier besonders erlebbar, denn weder Zäune noch meterhohe Felswände verhindern den unmittelbaren Zugang. Ein respektvoller Umgang mit dem Erbe wird vorausgesetzt.

Kinishba – Stammesgebiet der Apachen

Die andere Art der inidianischen Kultur ist in Arizona hautnahe erlebbar. (Fotos Arizona Tourist Board)

Die andere Art der indianischen Kultur ist in Arizona hautnahe erlebbar – wie hier an den Casa Grande Ruins. (Fotos Arizona Office of Tourism)

Geheimtipp: Knapp drei Stunden entfernt versprechen auch die Kinishba Ruinen im heutigen Stammesgebiet der White Mountain Apachen eine hautnahe Begegnung mit der Mogollon-Kultur. Der 600 Räume umfassende Komplex wurde zwischen 1200 und 1400 n. Chr. errichtet und lässt sich hervorragend zu Fuß entdecken. Zutrittspässe erhalten die Gäste im White Mountain Apache Culture Center and Museum, das außerdem eine große Sammlung an indianischen Reliquien ausstellt. Weitere Informationen unter www.visitarizona.com oder www.tourism.az.gov.

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