Von 7. November 2013 Mehr →

Sinnerlebnisse im Phänomania Erfahrungsfeld

Alles andere als kopflos sind die Erfahrungen, die sich mit allen Sinnen im Phänomenia Erfahrungsfeld sammeln lassen. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Alles andere als kopflos sind die Erfahrungen, die sich mit allen Sinnen im Phänomenia Erfahrungsfeld sammeln lassen. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Ob man alle Sinne beisammen hat, lässt sich im Erfahrungsfeld der Sinne in Essen Katernberg hervorragend austesten. Dort kann man lauschen, tasten, fühlen, wiegen, strudeln, tapsen, schnuppern, schwingen, summen, schalten, knipsen, drehen, kurbeln, staunen und auch lärmen.

Auf einem ehemaligen Zechengelände angesiedelt: Das Phänomania Erfahrungsfeld. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Auf einem ehemaligen Zechengelände angesiedelt: Das Phänomania Erfahrungsfeld. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Und dass das Mitmachen und Ausprobieren hier ausdrücklich gewünscht ist, spürt man gleich nach betreten des unteren Ausstellungsbereiches. Hier summt ein älterer Herr lauthals in einen Summstein, dort quietscht eine Gruppe Kinder auf dem Barfußpfad und von weit her erahnt man das beruhigende Surren einer Klangschale. Umso erstaunlicher, dass ein Stück weiter ein junger Mann versunken die Augen geschlossen hat und den Eindruck totaler Entspannung macht. Das kann nur an der sehr „erdenden“ Wirkung des dicken, sicher mehrere 100 Kilo schweren Felsbrockens liegen, auf dem er rittlings sitzt und über den Boden schwebt. Ja, Sie haben richtig gelesen: Er schwebt. Der Felsbrocken ist nämlich wie eine Tellerschaukel an der Decke aufgehangen. Wer auf ihm Platz nimmt fühlt sich, sozusagen als Gegensatz zu der Massivität der „Schaukel“ leicht und im wahrsten Sinne des Wortes beschwingt.

In der zweiten Etage erfährt der Besucher, wie sein Auge sieht, und wie leicht und gerne es sich täuschen lässt. Darüber hinaus gibt es was auf die Nase – oder besser gesagt vor die Nase. Am Riechbaum erschnüffeln die Besucher angenehme, ungewöhnliche und unerträgliche Gerüche. Und stellen oft verblüfft fest: Mein Nebenmann genießt den Schinkenspeckduft, während man ihn selbst keine zwei Sekunden ertragen mag.
An einer langen Reihe mit blauen Tontöpfen wird dann der Tastsinn gefordert. Während die meisten Besucher zunächst forsch in die Tiefen des ersten Keramikgefäßes greifen, werden sie meist beim nächsten etwas zögerlicher. Das Tempo verlangsamt sich – das Fühlen ohne zu Schauen braucht neben Zeit nämlich auch immer wieder etwas Mut.

Geruchserfahrungen reichen im Phänomania Erfahrungsfeld von angenehm bis fies. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Geruchserfahrungen reichen im Phänomania Erfahrungsfeld von angenehm bis fies. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Auf mehr als .500 Quadratmetern Ausstellungsfläche warten über 100 verschiedene Stationen darauf, von den Besuchern erforscht zu werden. Neben der sinnlichen Wahrnehmung geht es hier aber auch darum, die Gesetze der Natur ein wenig besser zu begreifen. Zu verdanken hat man diese Stätte Hugo Kükelhaus. Der gelernte Tischler, Pädagoge und Künstler entwickelte Mitte der 60er Jahre „Das Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne“ und zeigte es erstmals 1967 auf der Weltausstellung in Montreal. Bis in die 90er Jahre tingelte die Ausstellung durch die Welt um nach 60 Stationen im denkmalgeschützten Fördermaschinenhaus der Zeche Zollverein Schacht 3/7/10 ihr Zuhause zu finden.

Im Phänomania Erfahrungsfeld gibt es auch kräftig was auf die Ohren. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Im Phänomania Erfahrungsfeld gibt es auch kräftig was auf die Ohren. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Bei gutem Wetter lädt auch der auf der anderen Straßenseite gelegene kleine „Park der Sinne“ zum Entdecken ein. Der Förderturm kann bestiegen werden, zwei einander gegenüberliegende Schaukeln laden zum Partnerschaukeln ein, eine wankende und drehende Spielscheibe erteilt dem Gleichgewichtssinn eine Auffrischungs-Lektion und ein Biergarten lädt dazu ein, den Genusssinn ausgiebig zu befriedigen. Weitere Informationen unter www.erfahrungsfeld.de.

Buchtipps: Ulrike Katrin Peters, Karsten-Thilo Raab: 99 x Ruhrgebiet wie Sie es noch nicht kennen, Bruckmann Verlag, ISBN 978-3-7654-6538-3. Erhältlich ist der Titel für 12,99 Euro im Buchhandel oder direkt beimBruckmann Verlag

Ulrike Katrin Peters, Karsten-Thilo Raab: Ruhrgebiet für eine Hand voll Euro, Westflügel Verlag,  ISBN 978-3-939408-01-7. Erhältlich ist das Buch zum Preis von 13,90 Euro im Buchhandel oder direkt beim Verlag.