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Schottlands Castle Trail: Faszination zwischen Märchenschloss und Burgruine

Einer der spektakulärsten Ruinen entlang des Castle Trails ist Dunnattor Castle in Stonehaven. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Irgendwie ist in Schottland vieles anders. Die Autos fahren auf der falschen Straßenseite, Männer tragen bei der einen oder anderen Gelegenheit Röcke und Mars-Riegel werden zum Nachtisch frittiert. Da passt es ins Bild, das Gäste nur rein dürfen, wenn niemand zuhause ist. Die Rede ist nicht von ungebetenen Besuchern, sondern von allen, die einmal einen Blick darauf werfen wollen, wie die gekrönten und gefönten Häupter dieser Welt residieren.

Das weitläufige Areal von Balmoral Castle etwa, der Sommersitz der Queen, ist nur zugänglich, wenn Elizabeth II. samt Gefolge dort nicht verweilt. In der Regel verbringt die britische Königin den August und Teile des Septembers in ihrem schottischen Schloss.

Balmoral Castle – seit 1852 königliche Sommerresidenz

Dunkle Wolken über Balmoral Castle. (Foto Karsten-Thilo Raab)

„Prinz Albert hat das Anwesen 1852 für Queen Victoria erworben. Seither dient es der Königsfamilie als Sommerresidenz“, weiß George Stewart, der als waschechter Schotte einen Kilt trägt. Gleichzeitig bremst der sympathische Guide aus Glasgow die Erwartungshaltung: „Auch wenn die Queen nicht in Balmoral verweilt, ist neben dem Museum in den ehemaligen Stallungen nur der Ballsaal des Schlosses für die Öffentlichkeit zugänglich.“

Blick von den königlichen Gärten auf Balmoral Castle. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Dafür lässt sich die herrliche Parklandschaft in Royal Deeside erkunden – inklusive der königlichen Gärten. Und diese weisen eine Besonderheit auf: Denn die Gärtner haben (fast) alle Pflanzen so gezüchtet, das sie blühen oder deren Früchte geerntet werden können, wenn die Queen im Sommer in Balmoral verweilt.

300 Burgen und Schlösser in Aberdeenshire

Ein königliches Gewächshaus auf dem Areal von Balmoral Castle. (Foto Karsten-Thilo Raab)

In anderen herrschaftlichen Anwesen ist der Zugang nicht so strikt geregelt. Insgesamt gibt es allein in der Grafschaft Aberdeenshire gut 300 Burgen, Schlösser und Herrensitze, von denen einige zugegebenermaßen nur noch ein Dasein als Ruinen fristen. Doch auch dies ist nicht ohne Reiz. Entlang des so genannten Castle Trails, der auf einer Strecke von 400 Kilometer insgesamt 19 Burgen und Schlösser im grünen Nordosten Schottlands miteinander verbindet, finden sich so spektakuläre Orte wie Dunnottar Castle. Die Ruine erhebt sich spektakulär auf einem 50 Meter hohen Felsen am Rande der Nordsee.

Dunnattor Castle in Stonehaven wirkt nicht nur im Gegenlicht dramatisch. (Foto Karsten-Thilo Raab)

„Hier wurden während der Englischen Bürgerkriege Mitte des 17. Jahrhunderts die schottischen Kronjuwelen vor den Truppen von Oliver Cromwell versteckt“, verweist George mit erkennbarem Stolz auf die Wehrhaftigkeit seiner Urahnen darauf, dass das Gros der ehemaligen Gebäude zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert errichtet wurde. Filmisch in Szene gesetzt wurde die Burgruine übrigens 1991 für Franco Zeffirellis Leinwandepos „Hamlet“ mit Mel Gibson in der Hauptrolle.

Eine lachsfarbene Turmburg

Nur wenige Teile von Dunnattor Castle sind noch komplett erhalten. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Ungleich kleiner, dafür komplett erhalten ist Craigievar Castle. Das ganz in Lachsfarben getünchte Anwesen aus dem 17. Jahrhundert könnte problemlos als Kulisse für einen Märchenfilm herhalten. Die Turmburg wurde L-förmige auf drei Etagen angelegt. Lediglich der Hauptturm besitzt eine vierte Etage. Noch heute sind neben einer Reihe von Porträts so bekannter Maler wie Sir Henry Raeburn oder George Jamesone die Originalmöbel so wie die reichlich verzierten Decken zu sehen.

Craigievar Castle könnte nicht nur aufgrund seiner Farbe prima als Märchenkulisse dienen. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Auch Fyvie Castle in der Nähe von Turriff darf fraglos als Bilderbuchschloss tituliert werden. Das ehemalige Jagdschloss der schottischen Könige, dessen Geschichte bis in das 13. Jahrhundert zurückreicht, ist voll gestopft mit Möbeln, Porzellan, Wandteppichen, historischen Waffen und Rüstungen. Zudem beheimatet Fyvie in seinen insgesamt 110 Räumen eine beeindruckende Portraitsammlung mit Werken von Batoni, Omney, Gainsborough, Opie, Lawrence und Hoppner sowie die weltweit größte Sammlung von Schottands berühmtesten Portraitmaler Sir Henry Raeburn (1756-1823).

Fyvie Castle – Spukgespenst und Fluch

Fyvie Castle wird angeblich seit 600 Jahren von einem Gespenst in Form einer „grünen Dame“ heimgesucht. (Foto Karsten-Thilo Raab)

„Seit 600 Jahren ist Fyvie übrigens mit einem Fluch belegt“, versichert George. Schuld sei ein gewisser Thomas tue Rhymer, der damals als Wahrsager durchs Land zog und dem in einer stürmischen Nacht der Einlass in das Schloss verwehrt wurde. In seiner Wut soll er einen Fluch ausgesprochen haben. Als Folge dessen soll seit 1432 kein männlicher Erbe, der im Schloss geboren wurde, seinen Vater überlebt haben. Erst wenn drei ominöse Steine gefunden seien, die im Schloss verbaut sind, würde der Legende nach der Fluch enden.

Alte Rüstungen, ausgestopfte Tiere, Originalmöbel und viele Ölschinken finden sich in Fyvie Castle. (Foto Karsten-Thilo Raab)

„Bis heute wurde nur einer der verfluchten Steine im „Damenzimmer“ des Schlosses gefunden“, ergänzt George. Der verfluchte Stein wird in einer Holzschale unter einer Glasummantelung aufbewahrt und ausgestellt. Mal soll er staubtrocken sein, dann wiederum so viel Wasser „ausschwitzen“, dass er damit die Schale füllt. Um den Fluch zu umgehen, erblicken die Erben übrigens seit geraumer Zeit außerhalb der Schlossmauern das Licht der Welt.

Die „grüne Dame“ huischt nachts über die Flure

Im Tower von Fyvie Castle kann sogar in einer Wohnung für bis zu 16 Personen übernachtet werden – Spukgespenst innegriffen. (Foto Karsten-Thilo Raab)

„Fyvie ist aber nicht nur mit einem Fluch belegt, sondern auch noch als Spukschloss bekannt“, räumt George Stewart mit dem Brustton der Überzeugung ein, dass hier die sogenannte „Green Lady“ (Grüne Dame) seit dem 17. Jahrhundert ihr Unwesen treiben würde. Bei dem Geist handelt es sich um Lilias Drummond, die Gattin des einstigen Schlossherrn Alexander Seton, dem sie fünf Töchter gebar. Da Seton unbedingt einen Sohn wollte, sperrte er Lilas in einer Zimmer des Schlosses ein und suchte sich eine jüngere Geliebte.

Viele der 110 Räume in Fyvie Castle sind noch immer original eingerichtet. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Lilias soll 1601 an gebrochenem Herzen gestorben sein und spukt seither aus Rache durch das Castle. Als Beweis für die Existenz des in Grün gehüllten Geistes gelten ein Blutfleck und eine Inschrift mit dem Namen von Lilias Drummond, der wie von Geisterhand von Außen auf den Fenstersims von Setons Schlafzimmer geritzt wurde und noch immer deutlich zu sehen ist. Was nur eine der vielen, vielen spannenden Anekdoten und Geschichten ist, die einen bei einer Zeitreise entlang des Castle Trails unweigerlich in ihren Bann ziehen. Sind die Burgen und Schlösser doch mehr als nur prachtvolle Gemäuer.

Wissenswertes zum Castle Trail

George Stewart – hier am Dunnattor Castle – ist ein exzellenter Kenner seiner Heimat. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Weitere Informationen zum Castle Trail unter www.visitscotland.com/castletrail, allgemeine Informationen zu Schottland unter www.visitscotland.com,

Anreise: Lufthansa bietet ab 99 Euro Direktflüge von Frankfurt nach Aberdeen an. Alternativ bietet sich von nahezu allen deutschen Flughäfen die Anreise mit KLM oder Air France via Amsterdam beziehungsweise Paris an. Auch hier beginnen die Preise bei rund 100 Euro.

Währung: Zahlungsmittel ist das Britische Pfund (£). Ein Pfund entspricht 1,11 Euro, ein Euro entspricht 0,89 Pfund.

Gute essen und trinken in Aberdeenshire

Eine großartige Kombination: Jakonsmuscheln mit Haggis-Bällchen. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Essen & Trinken: No. 10, 10 Queens Terrace, Aberdeen, AB10 1XL, Telefon 0044-1224-631928, www.no10aberdeen.co.uk. Im wahrsten Sinne des Wortes ausgezeichnetes Restaurant mit hipper Bar in Aberdeens West End mit moderaten Preisen. Hauptgänge beginnen bei 13 Britischen Pfund. Angeboten werden britische Speisen mit internationaler Note.

Haggis, ein mit Innereien gefüllter Schafsmagen, gehört zu den schottischen Spezialitäten. (Foto Karsten-Thilo Raab)

The Cat in the Window Café, 14 Netherkirkgate, Aberdeen, AB10 1AU, Telefon 0044-1224 467557, www.thecatinthewindowcafe.com. Acht Katzen schleichen und schnurren durch das ungewöhnliche Café, das Gebäck, kleine Speisen und Getränke anbietet. Aufgrund der maximal zulässigen Zahl von 20 Gästen ist eine vorherige Tischreservierung dringend empfohlen.

Ganz herrschaftlich übernachten

Top-Adresse in Aberdenn: Das Ardoe House Hotel and Spa. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Übernachten: Ardoe House Hotel & Spa, South Deeside Road, Blairs, Aberdeen AB125YP, Schottland, Telefon 0044-1224-398801. Das schlossähnliche Vier-Sterne-Haus mit 120 stilvollen Zimmern, Schwimmbad und Fitnessstudio liegt rund vier Kilometer außerhalb des Stadtzentrums inmitten eines zwölf Hektar großen Parks. Doppelzimmer mit Frühstück werden ab 120 Euro angeboten.

Überaus stilvoll und inmitten einer weitläufigen Parkanlage gegelen: Das Macdonald Pittodrie House. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Macdonald Pittodrie House, Chapel of Garioch, Inverurie AB51 5HS, Telefon 0044-1467-622437. Das malerisch gelegenen Vier-Sterne-Hotel in einem Schloss aus dem Jahre 1480 hält 23 großzügige Zimmer vor. Doppelzimmer mit Frühstück werden ab 135 Euro angeboten.

In Fyvie Castle lässt sich auf Wunsch sogar übernachten. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Tipp: Auch im Tower House des Fyvie Castle lässt sich übernachten. Bis zu 16 Personen finden hier Platz. Eine Nacht schlägt mit 500 Britischen Pfund zu Buche – mögliche Besucher der „Grünen Lady“ inbegriffen.

Archiviert unter Topthema, Europa, Schottland
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