Von 7. Dezember 2017 Mehr →

Irish Coffee – heißer Drink für kalte Tage

Irish Coffee, Copyright Karsten-Thilo Raab

Irish Coffee wurde eher zufällig am Flughafen Foynes „erfunden“. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Mit Ausnahme des Whiskeys scheint den irischen Nationalgetränken zweierlei gemeinsam: Sie sind dunkel, fast tief schwarz, und zeichnen sich durch einen wohlschmeckenden weißen Schaumkragen aus. Sowohl Stout-Biere wie Guinness, Beamish oder Murphy’s als auch Irish Coffee sind längst zu einem Symbol irischer Lebensart und Gemütlichkeit geworden. Dabei ist vor allem das whiskeyhaltige Kaffeegetränk eher ein Zufallsprodukt, dessen Geburtsort 1942 in Foynes im Westen der Grünen Insel lag.

Vom dortigen Flughafen am Ufer des Shannon starteten die ersten Atlantikflüge mit Wasserflugzeugen nach Nordamerika. Um insbesondere in der kalten Jahreszeit den fröstelnden Passagieren die Wartezeit zu verkürzen und sie etwas aufzuwärmen, kam Flughafenchef Joe Sheridan auf die Idee, einen Kaffee mit einem Schlückchen irischem Whiskey, etwas Zucker und Sahne zu servieren.

Irish Coffee - Copyright Karsten-Thilo Raab (6)

Neben Whiskey und Kaffee sind Zucker und Sahne die wichtigsten Bestandteile bei der Zubereitung eines Irish Coffees, (Foto Karsten-Thilo Raab)

Nach dem ersten Schluck von dieser überraschend wohlschmeckenden Tinktur soll ein Amerikaner begeistert nachgefragt haben: „Is this Brazilian coffee?“ – ob dies brasilianischer Kaffee sei? „Nein„, antwortete Sheridan, „that´s Irish Coffee„. Ein Kultgetränk und dessen Name waren geboren. Blaublütige, Präsidenten, Politiker, Stars und Sternchen kamen fortan in Foynes in den Genuss des irischsten aller Willkommensgetränke.

Und obschon der kleine Flughafen in den 1950er Jahren weitgehend ausgedient hatte, war der Irish Coffee längst zu einem Siegeszug durch die winterlichen Stuben in aller Welt aufgebrochen. Wohl auch, weil Joe Sheridan aus den Zutaten seiner Erfindung nie ein Geheimnis machte und weil der warme Drink für kalte Tage relativ schnell und einfach mit wenigen Handgriffen selber herzustellen ist.

Zum Servieren des leckeren Heißgetränks gehört natürlich ein fröhliches Grinsen. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Zum Servieren des leckeren Heißgetränks gehört natürlich ein fröhliches Grinsen. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Dazu werden zunächst vier Zentiliter Whiskey in ein vorgewärmtes Glas geschüttet und drei Stücke Würfelzucker hinzu gegeben. Das Ganze wird dann mit frischem, starkem Kaffee aufgegossen und umgerührt. Komplettiert wird die Mischung durch eine Sahnehaube, wobei die Sahne nur leicht geschlagen sein sollte. Sie muss auf der Flüssigkeit schwimmen. Nun darf auf keinen Fall mehr umgerührt werden. Denn der wahre Geschmack eines Irish Coffees entfaltet sich nur dann, wenn das Kaffee-Whiskey-Gemisch beim Trinken durch die Sahne fließt.

So einfach das Rezept anmutet, so unterschiedlich kann das Resultat sein. Die Kaffeemischung beeinflusst das Ergebnis ebenso wie der Fettgehalt und die Konsistenz der Sahne und der Whiskey, der natürlich irischer Herkunft sein sollte (zu erkennen an dem „e“ in Whiskey). Echte Kenner schwören daher auf das wie er beispielsweise am Flughafen in Foynes, wo heute ein sehenswertes Flugbootmuseum beheimatet ist, oder im Town Hall Restaurant in Ennis serviert wird.

Das Geheimnis des Geschmacks liegt natürlich immer auch im Mischungsverhältnis von Kaffee, Whiskey, Zucker und Sahne. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Das Geheimnis des Geschmacks liegt natürlich immer auch im Mischungsverhältnis von Kaffee, Whiskey, Zucker und Sahne. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Längst ist aber nicht nur das Getränk als solches Kult, sondern auch dessen Herstellung. Und so wurden ab 1992 jahrelang im Rahmen der Irish Coffee Making Championships in Foynes der Weltmeister im Zubereiten der Whiskey-Kaffee-Sahne-Mixtur ermittelt. Ein bierernster Wettbewerb, bei dem sich  im Schnitt mehr als 60 Teilnehmer aus aller Herren Länder gemessen haben.

Eine Weltmeisterschaft, bei der die besten der Besten versuchten, die wohlschmeckende Tinktur noch mehr zu verfeinern, noch mehr zu perfektionieren. Doch auch wer mit den gekrönten Champions nicht mithalten kann, dürfte mit etwas Geduld und Geschmack schon nach wenigen Versuchen, seine ganz persönliche Irish Coffee Variante herstellen können, die es einem vor allem an kalten Tagen schnell warm ums Herz werden lässt.

Und wenn dies alles nicht funktioniert, lassen sich Kaffee und Whiskey ja immer noch getrennt von einander genießen.

Buchtipps: Ulrike Katrin Peters, Karsten-Thilo Raab: Oh, diese Iren, Conrad Stein Verlag, ISBN 978-3-86686-804-5. Das Buch ist im Buchhandel oder direkt beim Conrad Stein Verlag erhältlich.

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