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Von 25. Mai 2016 Mehr →

Der Zufalls-Friedhof der Sowjet-Helden: Die Kommunistenkurve im Seepark Lünen

Prominentester Kopf in der Kommunistenkurve im Seepark Lünen: Wladimir Iljitsch Lenin. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Prominentester Kopf in der Kommunistenkurve im Seepark Lünen: Wladimir Iljitsch Lenin. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Der Niedergang des Bergbaus und der Stahlindustrie hat auch in Lünen zu einem sichtbaren Wandel geführt. Und wie überall im Ruhrgebiet mühte sich die mit 85.000 Einwohnern größte Stadt im Kreis Unna, die riesigen Brachflächen sinnvoll zu nutzen. Für die Landesgartenschau im Jahre 1996 wurde daher das ehemalige Gelände der Zeche Preußen in ein 63 Hektar große Naherholungsgebiet umgewandelt – den Seepark Lünen.

Wer genau in der Kommunistenkurve im Seepark Lünen verbuddelt ist, darüber lässt sich nur spekulieren. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Wer genau in der Kommunistenkurve im Seepark Lünen verbuddelt ist, darüber lässt sich nur spekulieren. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Dabei besticht die Grüne Lunge der Stadt nicht nur durch seine Pflanzenvielfalt und liebevoll angelegten Rosen- und Staudengärten, sondern verfügt am Horstmarer Loch auch über einen 5.000 Quadratmeter großen Badesee mit Sandstrand, großzügigen Liegewiesen und einer Felsenbühne, auf der Theatervorführungen und Konzerte angeboten werden.

Eine Besonderheit im Seepark ist zudem der Discgolf-Park. Mit 24 Bahnen ist er der größte seiner Art in Deutschland. Während die Fangkörbe für die Frisbee-Scheiben mühelos in den Blick fallen, findet sich in der weitläufigen Grünanlage am Datteln-Hamm-Kanal eine versteckte und doch frei zugängliche Freiluftgalerie. Diese entpuppt sich bei näherem Hinsehen als ein ungewöhnlicher Friedhof für die Büsten und Skulpturen einiger ehemaliger Helden der Sowjetunion.

Zugegebenermaßen war Lünen kein Teil der UdSSR und doch findet sich das kleine Heer „verdienter Kommunisten“ heute mitten im Seepark wieder. Insgesamt neun mehr oder weniger Prominente Sowjet-Helden wurde in der so genannten Kommunistenkurve bis zum Hals eingebuddelt. Um wen es sich dabei genau handelt, vermag niemand mit Bestimmtheit zu sagen. Das Konterfei von Wladimir Iljitsch Lenin ist dabei. Über die anderen „Ausstellungsmitglieder“ lässt sich allenfalls spekulieren. Einige könnten Generäle gewesen sein, andere prominente Wortführer oder Vordenker.

Statt eingeschmolzen zu werden, fand die Büste in der Kommunistenkurve einen neuen Standort. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Statt eingeschmolzen zu werden, fand die Büste in der Kommunistenkurve einen neuen Standort. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Die Büsten wurde bewusst ohne Sockel in den Boden eingelassen – fast so, als würden sie darin versinken. Gleichzeitig soll dies symbolisieren, dass die Zeiten ihrer heldenhaften Verehrung vorbei sind. Einige Büsten sind bereits komplett überwuchert. Auch dies ist gewollt, um zu zeigen, dass diese Phase des Kommunismus die Zeit nicht überdauert hat. Daher führen die einstigen Sowjet-Größen im Seepark eher ein Schattendasein und werden von den Spaziergänger zumeist nur eher zufällig beim Gang über Seitenwege entdeckt.

Der Seepark ist so etwas wie der Friedhof der unbekannten Sowjet-Helden. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Der Seepark ist so etwas wie der Friedhof der unbekannten Sowjet-Helden. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Eines ist den Büsten gemeinsam: sie alle stammen aus der ehemaligen UdSSR. Sie alle wurden nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion im Jahre 1991 nach und nach demontiert. Die Skulpturen aus Metall sollten dann eingeschmolzen und so wiederverwertet werden. Ein Auftrag, der in Teilen nach Lünen vergeben wurde. Doch in den damaligen Hüttenwerke Kayser (heute Aurubis AG) wurden scheinbar nicht alle Büsten (sofort) eingeschmolzen, sondern erst einmal in einem Schuppen zwischengelagert, wo sie dann in Vergessenheit gerieten.

Im Vorfeld der Landesgartenschau 1996 besuchte die damalige Bürgermeisterin Christina Dörr-Schmidt die Hüttenwerke und wurde zufällig auf die Büsten aufmerksam. Schnell entstand die Idee, diesen als Kunstinstallation im geplanten Seepark neues Leben einzuhauchen.

Im Jahre 1994 hatten die Arbeiten am Horstmarer Loch begonnen. Ziel war es, dass frühere Zechengelände so umzubauen, dass es von seiner Form den Wandel Lünens als ehemalige Bergbaustadt widerspiegelte. Da schienen die Sowjet-Büsten die perfekte Ergänzung. Schließlich sind sie die verbliebenen stummen Zeugen eines riesigen Wandels in der einstigen Sowjetrepublik – noch dazu ein ungewöhnlicher Blickfang in der Kommunistenkurve.


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