Von 22. Juni 2020 Mehr →

Steinegg: Einmal zum Mond und zurück in Südtirol

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Im Südtiroler Eggental gibt’s eine Abkürzung zum Mond und eine Übernachtung in der Mondlandefähre „Eagle“ dazu! – Foto Cornelia Lohs

Am Bordcomputer blinken Kontrollleuchten auf. Es knistert und rauscht, verzerrte Stimmen dringen in den Raum. Krrrrssss zssssss – es klingt wie das Chaos zwischen zwei Sendestationen im Radio. Es ist das Kontrollzentrum in Houston. Plötzlich ruckelt, zuckelt und zischt es. Weißer Rauch zieht über der Einstiegsluke auf. „Commencing countdown, engines on – five, four, three“. Houston, ich habe ein Problem! Es sollte doch nur das Sternenlicht ausgeschaltet und nicht die Raumkapsel in Gang gesetzt werden! „Do you hear me, Mission Control? Over!“

„The Eagle has landed“, verkündete Neil Armstrong, als die Mondlandefähre am 21. Juli 1969 auf dem Erdtrabanten aufsetzte. Fünfzig Jahre später ist der Adler noch mal gelandet, allerdings nicht auf dem Mond, sondern in Steinegg, dem ersten Sternendorf Europas, nahe Bozen. Landeplatz war das Hotel Oberwirt. Inhaber Roland Schroffenegger träumte von etwas Verrücktem für sein Hotel, etwas, dass zur Thematik des Sternendorfes passte.

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Der Nachbau des Bordcomputers lässt die (Schlaf-) Reise zum Mond noch realistischer wirken. – Foto Cornelia Lohs

Und weil das Jubiläum der Mondlandung bevorstand, kam er auf die Idee, die Apollo 11-Mondlandefähre Eagle im Maßstab 1:1 originalgetreu nachzubauen. Gedacht, gesagt, getan. Nachdem er sich in der Raumfahrtausstellung „Apollo and Beyond“ im Technik Museum Speyer in Rheinland-Pfalz einen Nachbau der Landefähre angeschaut hatte, machte er sich mithilfe eines 1:100 Modells, Daten aus dem Internet und Steinegger Handwerkern vor Ort an die Arbeit.

Fünf Monate lang wurde mit viel Spaß gehämmert, gezimmert und verkleidet, bis die sieben Meter hohe Mondlandefähre Eagle mit ihrem stämmigen Körper, den dürren Spinnenbeinen und der zerknitterten Goldhaut stand. Und zwar in einem siebeneinhalb Meter hohen Raum, der sich über knapp drei Stockwerke erstreckt. Wände und Decke erhielten einen schwarzen Anstrich, um die Unendlichkeit des Weltraums darzustellen. Fenster gibt es keine. An der Decke im endlos scheinenden Raum wurden Sterne samt Sternbildern angebracht, an der Wand vor der Landefähre eine Scheibe mit der blau leuchtenden Welt. Der Boden wurde mit Zement übergossen, mit Kratern, Steinbrocken und Abdrücken der Astronautenschuhe versehen und mit Schutzharz bedeckt, so dass er der Mondoberfläche gleicht.

Ein fast schon galaktisches Schlaferlebnis ist an Bord der Eagle garantiert. – Foto Cornelia Lohs

Inmitten des Dunkels steht die Mondlandefähre der Apollo 11. Sie besteht aus zwei Komponenten. In der unteren Hälfte, wo im Original neben diversen Tanks Equipment verstaut war, befindet sich ein Doppelzimmer. In der oberen Hälfte, der Basis und Schlafstätte der Astronauten, ebenfalls mit einem Doppelbett versehen, steht der Bordcomputer zwischen zwei Dreieckfenstern. Ein Originalnachbau aus den USA mit 300 Knöpfen und Schaltern, von denen etwa 20 funktionsfähig sind. Zur Zeit der Mondlandung war der Bordcomputer der Eagle der kleinste und mit 85.000 Rechenoperationen pro Sekunde schnellste Computer der Welt. Aus heutiger Sicht wenig.

Eine treppenartige Leiter hinauf zum Einstieg in den türkisfarbenen Raum. Die Öffnung ist einen Meter breit, wie in der Original-Eagle. In ihren dicken Raumanzügen mussten sich die Astronauten damals durch die Öffnung zwängen. Durch die Luke über dem Bett strahlen Sterne, durch das kleine Fenster unter dem Bordcomputer leuchtet die blaue Erde. Schlafen unter dem Sternenzelt des Universums auf dem Mond – traumhaft!

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Im Eggental können sich Gäste wie Raumfahrer fühlen. – Foto Cornelia Lohs

Direkt über dem Bett steht die Spica, der hellste Stern im Sternbild Jungfrau. Zum Einschlafen aber viel zu hell. Auf dem Nachttisch liegt ein iPad, mit dem man die Beleuchtung regulieren kann. Aber welche Taste ist welcher Stern? Nach mehrmaligem Klicken verschwinden Himmelskörper, Sternbilder erscheinen, und endlich leuchtet die störende Spica über dem Bett nicht mehr. Dafür blinken nun Lichter am Bordcomputer und die Kapsel fängt an, zu vibrieren. Hebt sie nun gleich ab? Houston, ich habe ein Problem! Die Nacht verspricht Aufregung!

Das Erlebniszimmer „Apollo 11-Suite“ wurde an Ostern 2019, kurz vor dem 50. Jahrestag der Mondlandung eröffnet. Es ist weltweit das erst Zimmer dieser Art – und wohl der erste begehbare Originalnachbau der Mondlandefähre Eagle mit komplettem Cockpit. Ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein großer Schritt fürs Eggental!

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Die Astronauten-Hausschuhe wirken in der Tat wie vom anderen Stern. – Foto Cornelia Lohs

Informationen: Hotel Oberwirt, Peter-Anich-Weg 5, I-39053 Steinegg, www.gasthofoberwirt.com. Die Mondlandefähre bietet Platz für die ganze Familie. Ein geräumiges Badezimmer befindet sich außerhalb der Kapsel, aber im selben Raum.  DZ für zwei Erwachsene 500 €, Familie mit zwei Kindern ab 530 €, je nach Größe der Kinder bis maximal 700 €.

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