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Von 9. September 2019 Mehr →

Greenwich – Londons maritimes Gesicht

Greenwich

Der Teeklipper Cutty Sark ist eines der Wahrzeiche von Greenwich.

Die Zeiten, als Greenwich als Geheimtipp für London gehandelt wurde und der Stadtteil nur mit dem Ausflugsboot von Westminster oder mühevoll mit öffentlichen Verkehrsmitteln beziehungsweise mit einem Gang durch den Themsetunnel von der Isle of Dogs aus zu erreichen war, gehören lange der Vergangenheit an. Die Dockland Light Railway und die Anbindung an das U-Bahnnetz lassen den Vorort im Südosten der britischen Hauptstadt zu einem Mekka ganzer Touristenströme aus aller Herren Länder werden.

Kein geringerer als Meisterarchitekt Christopher Wren (1632-1723), der nach dem „Großen Brand von London“ im Jahre 1666 unter anderem die prunkvolle St. Paul’s Cathedral entwarf, drückte Greenwich in beeindruckender Manier seinen Stempel auf und entwarf am acht Meilen langen Ufer der Themse eine Vielzahl barocker Prunkstücke, die auf Schritt und Tritt an den Aufstieg des britischen Königreichs zur Seemacht und an dessen maritime Vergangenheit erinnern. Nicht von ungefähr wurde das einstige Fischerdorf mit seinen beeindruckenden Gebäudekomplexen von der UNESCO in die Liste des Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Auch der Straßenzug Crooms Hill aus dem 17. Jahrhundert und die Trafalger Tavern am Themseufer, die zu den elegantesten Baudenkmälern der Regency-Zeit gehört, sind hier zu recht gelistet.

Zwischen westlicher und östlicher Hemnisphäre

Die rote Metallkugel auf dem Dach des Old Royal Observatory zieht noch immer die Massen in ihren Bann.

Auf einem Hügel im großzügigen Greenwich Park, dem ältesten königlichen Park Londons, thront das 1675 nach Plänen von Sir Christopher Wren fertiggestellte Old Royal Observatory. Ab Ende des 19. Jahrhunderts wurde von hier verbindlich die Weltzeit berechnet. Vertreter von 25 Nationen hatten sich 1884 darauf geeinigt, dass der Nullmeridian, also der Längengrad Null, exakt durch das Gelände des Observatoriums verlaufen würde und sich an dieser mit einem Messingstab auf dem Boden markierten Linie, welche die Weltkugel in die östliche und westliche Hemisphäre teilt, alle Uhren auf der Erde zu orientieren haben. Als Folge wurden die bis dahin üblichen verschiedenen Ortszeiten weltweit abgeschafft und die heute noch gültigen Zeitzonen eingeführt.

Noch immer fällt tagtäglich um Punkt 13 Uhr von einem Schiffsmast über dem Ziegeldach eine rote Metallkugel in die Tiefe. Die Astronomen ihrer Majestät hatten das weithin sichtbare Signal 1833 eingeführt, damit die vorbeifahrenden Schiffe ihre Chronometer nachstellen konnten. Und bis zum heutigen ist dies das verbindliche Zeitzeichen der weltweit gültigen Greenwich Mean Time.

Wo die britischen Urmaße zu finden sind…

Blick vom Old Royal Observatory auf die Isle of Dogs.

Der nächtliche Himmel wird von der inzwischen verwaisten Sternwarte seit den 1950er Jahren allerdings nicht mehr beobachtet. Zumal der berüchtigte Londoner Nebel und die Spiegelungen des allabendlichen Lichtermeeres der Millionenstadt die Beobachtungen mehr und mehr erschwerten. Dafür weist das Old Royal Observatory noch einige weitere Besonderheiten auf: Neben einer Camera obscura, dem Vorläufer des Fotoapparats, sind hier die britischen Urmaße wie „Feet“, „Inch“ und „Yard“ an einer Wand angebracht.

Vom Observatorium bietet sich ein grandioser und ebenso kontrastreicher Blick. Zwischen dem königlichen Park und der Themse liegen das pittoreske Queen´s House, das kaum minder beeindruckende Royal Maritime Museum und das Royal Naval College, während sich auf der anderen Themseseite die funkelnden Glitzerfassaden der ultramodernen Docklands mit Canary Wharf, dem höchsten Gebäude Großbritanniens als zentralen Blickfang, gen Himmel strecken.

Kleinen königliche Residenz in Greenwich

Ein architektonische Schmuckstück ist das Queen’s House in Greenwich.

Das 1639 fertig gestellte Queen’s House, ein strahlend weißes Haus von schlichter Schönheit, das von Inigo Jones (1573-1652) entworfen wurde, gilt als das erste Renaissance-Bauwerk auf britischem Boden und schließt sich mit großzügigen Kolonnaden an das National Maritime Museum an. Heute überspannt eine Glaskuppel das Museum, in dem 16 Galerien den Aufstieg Großbritanniens zur Weltseemacht nachzeichnen. Zu sehen sind unter anderem eine Sammlung astronomischer Geräte, Porträts berühmter Seefahrer, Ausstellungen zu Lord Nelson und Captain Cook, einem begehbaren Radschleppdampfer und wertvolle Dokumente aus der Epoche des englischen Physikers und Mathematikers Isaac Newton.

Das benachbarte Old Royal Naval College verfügt über die schönsten palastartigen Gebäude des Landes. Zunächst wurden in dem prunkvollen Gemäuer kriegsversehrte Marineangehörige untergebracht, Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte die Umwandlung in eine Ausbildungsstätte für Marineoffiziere und heute sind hier mehrere Fakultäten der Universität von Greenwich angesiedelt. Nicht vergessen sollte man einen Blick auf die dreigeteilte Painted Hall mit den allegorischen Deckengemälden von James Thornhill, wunderschönen Wandmalereien und der von Wren entworfenen Kapelle mit ihren sehenswerten Stukkaturen.

Teeklipper von Weltruf

Der Millennium Dome, heute als The O2 bekannt, diente schon mehrfach als Filmkiulisse.

In einem Trockendock direkt am Themseufer liegt die „Cutty Sark“, der letzte noch existierende Teeklipper aus dem 18. Jahrhundert, der einst als das schnellste Segelschiff der Welt galt und 1871 in der damaligen Rekordzeit von 107 Tagen die Strecke von China nach England bewältigte. Nur einen Steinwurf entfernt liegt die „Gipsy Moth IV“, ein kleines Segelboot, mit dem Sir Francis Chichester als erster Mensch 1966/67 alleine die Welt umsegelte und dafür von der Queen mit dem Schwert des englischen Seehelden Sir Francis Drake zum Ritter geschlagen wurde.

Greenwichs Attraktionen beschränken sich aber keinesfalls allein auf das maritime Erbe der britischen Seefahrertradition. Auch der 758 Millionen Pfund teure Millennium Dome der im Mittelpunkt der englischen Millenniumsfeier zum Jahreswechsel 1999/2000 stand und als Kulisse für das James Bond Abenteuer „Die Welt ist nicht genug“ (1999) diente, gehört zu den begehrten Fotomotiven ganzer Heerscharen von. Heute trägt das Bauwerk den Namen The O2.

Das achte Weltwunder

Thamse Barriers (3), Copyright Karsten-Thilo Raab

Die Thamse Barriers gelten als technisches Wunderwerk. – Foto Karsten-Thilo Raab

Etwas flussabwärts rücken dann die 1984 eingeweihten Themse Barriers in den Blickpunkt – eine futuristische und hoch technisierte Anlage, die London vor Überschwemmungen schützen soll und gern als das 8. Weltwunder gepriesen wird. Im Besucherzentrum werden Erläuterungen zum Bau sowie zur Konstruktion und Funktion dieses einzigartigen Bauwerks angeboten. Und hier schließt sich auch der Kreis, der das beschauliche und quicklebendige Greenwich als maritime Seite der britischen Hauptstadt zeigt. Weitere Informationen unter www.visitgreenwich.org.uk.

Archiviert unter Topthema, Europa, England