Von 1. Januar 2017 Mehr →

Australiens traumhafte Traumwelten

In Australien lässt sich vielerorts tief in die Kultur der Aborigines eintauchen. (Foto Karsten-Thilo Raab)

In Australien lässt sich vielerorts tief in die Kultur der Aborigines eintauchen. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Mit seiner gigantischen Fläche von 7.692.024 Quadratkilometern ist Australien fast 22 Mal so groß wie Deutschland. Neben der unendlichen Weite des Fünften Kontinents, der einzigartigen Flora und Fauna sowie den unterschiedlichsten Landschaften sind es die Aborigines, die mit ihrer offenen Art einen Großteil der Faszination Australiens ausmachen. Vor allem in Australiens Northern Territory wird dies auf Schritt und Tritt deutlich. Dort geben die Ureinwohner oft ganz persönliche Einblicke in ihre Lebensart und die ihrer Ahnen.

Dabei ist die Geschichte und Kultur der Aborigines gleichermaßen bewegend wie zum Teil überaus traurig. Nicht genug damit, dass die Kolonialherren und Besatzer die indigen Bewohner im Laufe der Jahrhunderte von ihrem Stammland vertrieben. Nein, sie versuchten immer auch, den Aborigines die modernen, westlich geprägten Lebensformen aufzuzwingen.

Eine der ältesten existierenden Kulturen der Welt

Das australische Outback ist die Heimat vieler Aborigines.

Das australische Outback ist die Heimat vieler Aborigines.

Die australischen Aborigines blicken heute als eine der ältesten existierenden Kulturen der Welt auf eine kontinuierliche Geschichte von mehr als 50.000 Jahren zurück. Ihre Überlieferungen sind die ältesten geschichtlichen Darstellungen der Erde und eröffnen somit einen unwiderruflichen Einblick in die Zeit der Schöpfung des australischen Kontinents, seiner uralten Landschaften, seiner Spiritualität und seines Zaubers.

Körperbemalung legen die Aborigines immer wieder zu traditionellen Zeremonien an.

Körperbemalung legen die Aborigines immer wieder zu traditionellen Zeremonien an.

Die Aborigines leben in einem weit verzweigten Netz aus Klans und Stämmen in exakt festgelegten Territorien. Mehr als 200 verschiedene Sprachen trennen die Aborigines. Traditionell lebten die Stämme als Nomaden innerhalb ihres Areals. Je nach Jagdsaison und Jahreszeit wechselten sie ihren Standort. Heute lebt das Gros der 460.000 Aborigines, die gerade einmal zweieinhalb Prozent der australischen Bevölkerung ausmachen, in festen Häusern und nimmt am Bildungssystem und gesellschaftlichen Leben teil.

Ulura – das Heiligtuim der Anangu

Gleichwohl haben es die Nachfahren der Ureinwohner bis heute verstanden, vieles von ihrer einzigartigen Kultur und Geschichte zu bewahren. Berühmtestes Heiligtum der Aborigines ist der Ayers Rock, der in der Sprache der Ureinwohner „Uluru“ heißt. Der 348 Meter hohe Steinblock wechselt wie ein Chamäleon im Laufe eines Tages je nach Sonnenstand mehrfach seine Farbe. Aufgrund seiner spirituellen Relevanz für die Traumzeit-Erzählungen gilt er den lokalen Aborigines, den Anangu, als Heiliger Berg. Gleichzeitig ist der markant rote Felsen im Outback des Northern Territory die wohl bekannteste Landmarke auf dem Fünften Kontinent.

Der Uluru ist der zweitgrößte Monolith der Welt. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Der Uluru ist der zweitgrößte Monolith der Welt. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Längst ist der zweitgrößte Monolith der Erde (größer ist lediglich der Mount Augustus in Westaustralien) zu einer der größten Touristenattraktionen des Landes geworden. Darin drückt sich gleichzeitig ein Dilemma aus: Denn einerseits wollen die Menschen aus aller Welt den Felsen sehen und oft auch erklimmen. Andererseits sollte der Uluru als Heiligtum der Anangu respektiert werden. Ein schwieriger Spagat, der immer wieder für Diskussionsstoff sorgt.

Auch wer auf den Aufstieg zum Gipfel des Ayers Rock verzichtet, kann rund um den faszinierenden Felsen tief in die Kultur der Aborigines eintauchen. SEIT Outback Australia beispielsweise bietet Tagestouren in das Stammland der Anangu unter Führung eines Stammesangehörigen an. Auf entlegenen Pfaden geht es in Sichtweite zum Ayers Rock durch den Uluru Kata Tjuta National Park.

Vielfach vermitteln die Ureinwohner auch den Umgang mit Jagdwaffen wie dem Boomerang. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Vielfach vermitteln die Ureinwohner auch den Umgang mit Jagdwaffen wie dem Bumerang. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Dabei richtet sich der Fokus gleichermaßen auf die Geschichte der Aborigines wie auf die frühere und heutige Lebensweise. So erfahren Interessierte, was die Natur alles Essbares hergibt, wie aus bestimmten Pflanzen Seife oder ein Sonnenschutz hergestellt werden kann und welche medizinische Wirkung haben. Und auch wie die Aborigines in längst vergangenen Tagen aus dem bis zu vier Meter großen Netz der Goldenen Seidenspinne Fischfangnetze gefertigt haben.

Doch auch anderswo im Northern Territory gibt es Aborigines-Kultur zum Anfassen. Alice Springs, das Herzstück des Red Centres und geographischer Mittelpunkt Australiens, etwa gilt als Kunstzentrum. Hier lassen sich Aborigine-Künstler bereitwillig bei der Arbeit über die Schulter schauen. Natürlich bieten sie ihre Kunstwerke häufig auch zum Verkauf an.

Oft Jahrtausende alt und überaus faszinierend: die Höhlenmalereien der Aborigines. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Oft Jahrtausende alt und überaus faszinierend: die Höhlenmalereien der Aborigines. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Vielerorts sind daneben Bumerangs sowie Didgeridoos, die berühmten Blasinstrumente, erhältlich. Längst sind die Ureinwohner aber auch dazu übergegangen, die Besuchern des Landes zu vermitteln, wie mit einem Bumerang gejagt und wie man mit dem Didgeridoo tatsächlich musiziert werden kann. Daneben vermitteln die Aborigines an vielen Orten, wie mit dem Woomera, einer traditionellen Speerschleuder, Fische gefangen werden können.

Derweil bieten RT Tours in Person von Bob Penunka Taylor kulinarische Buschtouren an den Flanken der Gebirgskette der McDonnell Ranges an. Der Aborigine und Koch gibt einen Einblick in die Kochkunst seiner Ahnen und bereitet echtes „Bush Food“ zu. Während einer kurzen Wanderung warten zudem einige natürliche Snacks entlang des Weges, „Bush Tucker“ genannt, darauf, probiert zu werden.

Viele Kunstwerke der Aborigines setzen sich aus tausenden einzelner Punkte zusammen.

Viele Kunstwerke der Aborigines setzen sich aus tausenden einzelner Punkte zusammen.

Überaus empfehlenswert ist zudem ein Abstecher zu den Tiwi-Islands, rund 90 Kilometer nördlich von Darwin. Diese bestehen aus den subtropischen Inseln Bathurst und Melville, auf denen zusammen etwa 2.500 Aborigines leben. Die Insulaner sprechen eine eigene Sprache, kultivieren eigene Tänze und sind künstlerisch überaus aktiv. Bekannt sind die farbenfrohen Bildern der Tiwis, aber auch deren beeindruckenden Skulpturen und Keramiken. Neben den Kunstzentren der Inseln wissen insbesondere die Begräbnisstätten der Aborigines mit ihren Pukamani Poles, einer Art Totempfahl, die Besucher in ihren Bann zu ziehen, während das Inselmuseum anschaulich einen Einblick in die Traumzeit-Geschichten der Tiwis vermittelt.

Im Arnhemland, das östlich an den Kakadu Nationalpark grenzt, zeigen Aborigines bei geführten Touren und Safaris auch einige ihrer heiligen Stätten sowie einige der faszinierenden Felsen- und Höhlenmalereien ihres Stammes. Unter zumeist mächtigen Felsen befinden sich jene Höhlen, in denen die Urahnen Schutz und Unterschlupf suchten, und in denen ganze Generationen das Licht der Welt erblickten. Die Wände sind verziert mit unzähligen Malereien. Sie alle sind mit Handabdrücken des jeweiligen Künstlers signiert.

Auch die beliebten Beuteltiere sind bei Touren auf den Spuren von Australiens Ureinwohnern immer wieder anzutreffen.

Auch die beliebten Beuteltiere sind bei Touren auf den Spuren von Australiens Ureinwohnern immer wieder anzutreffen.

Einige Motive zeigen Emus, Kängurus oder Stationen des Lebens. Andere erzählen von der Regenbogenschlange, der Rainbow Serpent oder Yirmbal. Die mythologische Figur bewohnt, so die Vorstellung der Aborigines, während der Trockenzeit die wenigen verbliebenen Wasserlöcher und kontrolliert das Wasser als den kostbarsten Rohstoff überhaupt. Als unberechenbarer Gegenspieler der Sonne bringt sie den erhofften Regen. Sie steht deshalb als Symbol für das beginnende Leben. Ein Leben, das die Aborigines trotz moderner Einflüsse in Teilen noch wie vor 50.000 Jahren kultivieren.

Allgemeines: Unter www.aboriginalartonline.com finden sich Informationen zur Lebensart, Sprache, Kultur und Kunst der Aborigines in englischer Sprache.