Bamberg – das mittelalterliche Bilderbuch

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Das prachtvolle Alte Rathaus in Bamberg liegt auf einer Insel in der Regnitz. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Nicht nur die Franken weisen immer wieder gerne darauf hin, dass Bamberg wie die italienische Hauptstadt Rom sei: auf sieben Hügeln erbaut, aber mit weniger Gladiatoren, mehr Bier und deutlich besserem Rauchfleisch. Wen es in die 77.000-Seelen-Gemeinde in Franken zieht, sei es per pedes, mit dem Drahtesel oder auf den Spuren der Bierdiplomatie, der taucht ein in eine Stadt, die mit jedem Schritt Geschichten zu erzählen weiß, mit jedem Schluck überrascht und mit jedem Sonnenstrahl ein eigenes Gesicht zeigt. Bamberg, dessen Altstadt seit dem Jahre 1993 zum Teil des UNESCO-Weltkulturerbes ist, erweist sich als ein städtebauliches Gesamtkunstwerk.

Altstadtflair und Kopfsteinpflasterromantik

Zwischen Fachwerkfassaden und Flussarmen mutet ein Gang durch den historischen Stadtkern fast an, als würde man durch eine Art mittelalterliches Bilderbuch spazieren oder als Statist in einem Historienfilm mitwirken. Hier trifft barocke Pracht auf studentisches Treiben, treffen gotische Türme auf gemütliche Biergärten, und wer glaubt, „Klein Venedig“ sei nur ein pfiffiger Marketing-Gag, wird beim Anblick der malerischen Fischerhäuschen am Ufer der Regnitz eines Besseren belehrt.

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Die Altstadt von Bamberg ist durch mittelalterliche Fachwerkhäuser geprägt. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Denn Bamberg wartet auf Schritt und Tritt mit Geschichten, Genüssen sowie einem ganz eigenen Taktgefühl auf und wirkt dabei wie riesiges Freilichtmuseum voller Highlights. Mittelalterliche Prachtbauten und pastellfarbene Fassaden, Kopfsteinpflaster und barocke Pracht prägen das famose Häuserensemble. Allen voran das Alte Rathaus aus dem 15. Jahrhundert, das sich grazil auf einer künstlichen Insel inmitten der Regnitz rekelt. Alles nur, weil der Bischof den Bürgern dereinst keinen Baugrund geben wollte. Also machte das Volk aus der Not eine Tugend und errichtete den prachtvollen Verwaltungssitz einfach auf Pfählen mitten im Fluss.

Von vielen Stellen in der Altstadt eröffnen sich Blicke auf das Alte Rathaus. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Außen herum tosen heute die Wellen des kleinen Flusses, während im Inneren die Sammlung Ludwig mit wertvollen Porzellan und Kunsthandwerk bestaunt werden kann. Die Fassade ist seit dem Jahre 1755 mit kunstvoller Malerei von Johann Anwander verziert. Wer genauer hinsieht, entdeckt das berühmte „Engelsbein“, das keck aus der Wand ragt – ein Detail, das symbolisch für den Widerstand der Bevölkerung gegen die Obrigkeit stehen soll.

Bamberg aufs Haupt geschaut

Mit seinen uralten Fischerhäusern versprüht Klein Venedig einen besonderen Charme. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Nur einen Katzensprung entfernt befindet sich Klein Venedig. Das einstige Fischerviertel erweist sich als pittoreske Ansammlung von – zum Teil völlig windschiefen – Fachwerkhäusern mit blumengeschmückten Balkonen und winzigen Gärten, die sich entlang des Flussufers ducken.

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Klein Venedig von seiner schönsten Seite. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Der vielleicht schönste Blick auf Bamberg eröffnet sich vom Michaelsberg mit dem gleichnamigen Kloster, dessen Deckenfresken einen botanischen Himmel auf Erden malen. Schließlich wurden hier über 500 Pflanzenarten bildlich verewigt. Derweil thront der Bamberger Dom mit seinen vier Türmen majestätisch über dem Domplatz und beherbergt den berühmten Bamberger Reiter – ein mittelalterliches Mysterium in Stein. Auch das Innenleben zeugt von künstlerischer und religiöser Detailverliebtheit. Neben kunstvollen Skulpturen und Altären beherbergt das Gotteshaus das Kaisergrab von Heinrich II.

Rosenpracht und Literaturlegende

Der Rosengarten an der Neuen Residenz fasziniert nicht nur Pflanzenliebhaber. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Gleich nebenan lockt die Neue Residenz als ehemaliger Sitz der Fürstbischöfe mit ihren mehr als 40 Prunkräumen. Ein besonderes Kuriosum ist der Innenhof des stolzen Gemäuers. Denn hier sind die Fenster allesamt nur aufgemalt. Der Innenhof geht in den prachtvollen Rosengarten über, von dem aus sich inmitten des Blumenmeeres ein postkartenreifer Panoramablick über Bamberg eröffnet.

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Imposant mutet die Neue Residenz in Bamberg an. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Als offener Geheimtipp für Literaturliebhaber gilt das E.T.A.-Hoffmann-Haus. Das einstige Wohnhaus des Dichters und Komponisten dient heute als liebevoll gestaltetes Museum mit Originalmöbeln und literarischen Exponaten. Zwischen Tintenfass und Spukgeschichten fühlt man sich fast selbst wie eine Figur aus den Erzählungen des großen Romantikers Ernst Theodor Amadeus (1776 – 1822), aus dessen Feder Klassiker wie „Der Sandmann“, „Nußknacker und Mäusekönig“ oder „Die Elixiere des Teufels“ stammen. Derweil zieht es Cineasten in die Judengasse 16, wo das Wohnhaus der Familie Taschenbier aus den beliebten Sams-Filmen zu finden ist.

Kulinarik mit Charakter

Klassiker der Bamberger Küche: Schäuferla mid Soß, Gloß und Graud. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Genussmenschen werden an Bamberg ebenfalls ihre helle Freude haben. Ganz oben auf der Speisekarte steht „Schäuferla mid Soß, Gloß und Graud“ – eine Schweineschulter am Knochen mit Kruste, Bratensoße, Kartoffelkloß und Sauerkraut. Nicht minder beliebt sind die „Blauen Zipfel“. Dahinter verbergen sich Bratwürste, die in einem Sud aus Essig, Zwiebeln und Weißwein schwimmen. Klingt fast schon schräg, ist aber durchaus eine Sünde wert. Ebenso wie die Bamberger Bierhaxe – außen knusprig, innen zart, mit Dunkelbier begossen und mit Kartoffelknödeln serviert. Wer es weniger opulent mag, greift zur „Fränggischen Brodsgedda“. Die „fränkische Bruschetta“ besteht aus Schwarzbrot mit Tomaten, Essiggurken, Zwiebel und geriebenem Meerrettich.

Bamberger Kultgetränk: das Rauchbier. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Nicht fehlen darf zu den deftigen Speisen das berühmte Rauchbier als einheimische Spezialität. Durch das Räuchern der Gerste über offenem Feuer erhält das Bier, auch als „Schlenkerla“ bekannt, seinen charakteristischen Geschmack. Dieser ist zugegebenermaßen nicht jedermanns Sache. Denn es riecht fast so, als hätte man das Rauchbier direkt aus einem erkalteten Kamin gezapft. Kein Wunder, dass die einen das Gesöff komplett verabscheuen und gerne als „flüssiges Lagerfeuer“ titulieren, die anderen am liebsten darin sogar baden würden.

Bamberg weiß mit seinem Fachwerkcharme zu begeistern. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Nicht von ungefähr erweist sich Bamberg als eine Stadt, in der Geschichte, Genuss und Gelassenheit Hand in Hand gehen – und in der selbst die Engel manchmal ein Bein aus der Wand strecken. Selbst ohne je am Rauchbier genascht zu haben. Weitere Informationen unter www.bamberg.info.

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Zu den markanten Gebäuden des Weltkulturerbes gehört auch das Dompfarrheim. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Karsten-Thilo Raab

berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten für eine Vielzahl von Zeitungen und Magazinen über Reiseziele weltweit. Zudem hat er sich einen Namen als Autor von mehr als 120 Reise-, Wander- und Radführern sowie Bildbänden gemacht.