Von 19. Juni 2014 Mehr →

Sich betten im Bilderbuchschloss – Fürstlich übernachten in Großbritannien

Aldourie Castle in Schottland besticht  wie hier im so genannten Red Drawing Room durch ein stimmungsvolles Ambiente.

Aldourie Castle in Schottland besticht wie hier im so genannten Red Drawing Room durch ein stimmungsvolles Ambiente.

Wer träumt nicht davon, eine Nacht wie die Fürsten dieser Welt in einem Schloss oder einer altehrwürdigen Burg zu verbringen? Dies muss kein frommer Wunsch bleiben. Denn in Großbritannien gibt es eine Reihe von Bilderbuchschlössern, die in Hotels umgewandelt wurden und in denen sich für die eine oder andere Nacht ein Zimmer beziehen lässt – und dies teilweise auch für diejenigen, die nicht mit einem königlichen Salär gesegnet sind.

Das in den malerischen Cotswolds gelegene Thornbury Castle beherbergte in seiner langen, langen Geschichte viele gekrönte und gefönte Häupter. Vor einem halben Jahrtausend nächtigten König Heinrich VIII. (1491–1547) und die später hingerichtete Anne Boleyn, die zweite seiner sechs Ehefrauen, in der sogenannten Duke’s Bedchamber, die noch heute als Gästezimmer genutzt wird. Alternativ zu der historischen Schlafstätte rühmt sich das Castle über die großzügigsten Himmelbetten des Landes zu verfügen. Ab 175 Britischen Pfund (ca. 215 Euro) pro Nacht lässt sich hier königlich träumen und in den Walled Gardens lustwandeln.

Ein Stück französische Schlosskultur mitten in Wales: Chateau Rhianfa.

Ein Stück französische Schlosskultur mitten in Wales: Chateau Rhianfa.

Niemand Geringeres als Queen Elizabeth I. war von 1588 bis 1603 Herr über Amberley Castle in den South Downs. Ursprünglich war der majestätische Bau mit den bis zu 18 Metern hohen Außenwänden und dem markanten Fallgatter im 12. Jahrhundert als Jagdschloss für die Bischöfe von Chichester errichtet worden. Inmitten dieses mittelalterlichen Ambientes werden heute in 19 luxuriösen Zimmern mit Himmelbett und Whirlpool die Gäste ab 230 Britischen Pfund (ca. 280 Euro) pro Nacht verwöhnt.

Inmitten eines zehn Hektar großen Waldgebietes in Northumberland gelegen, blickt Langley Castle auf eine fast 800 Jahre alte Geschichte. Wenn die bis zu 2,1 Meter dicken Mauern reden könnten, würden sie sicher auf die Grafen von Derwentwater zu sprechen kommen. Die einstigen Besitzer des Anwesens waren an den jakobitischen Aufständen im Jahre 1715 beteiligt und wurden in den Tower of London hingerichtet. Derartiges müssen Übernachtungsgäste nicht fürchten, wenn sie sich hier ab 77.50 Britischen Pfund (etwa 95 Euro) pro Nacht einbuchen.

Ein Bollwerk mit meterdicken Mauern: Langley Castle. (Foto: Ken Brown)

Ein Bollwerk mit meterdicken Mauern: Langley Castle. (Foto: Ken Brown)

Noch heute lässt sich im Ruthin Castle im walisischen Denbighshire ein mittelalterliches Bankett genießen – ebenso wie es sein wohl berühmtester Eigentümer, König Heinrich VIII., in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts tat. Und dies zu einer Zeit, da die von Dafydd, dem Bruder von Prinz Llywelyn, errichtete Burg bereits gut 300 Jahre alt war. An die lange, zum Teil blutige Geschichte des Anwesens, dass sich heute als charmantes Hotel inmitten einer Parklandschaft vor den Toren der mittelalterlichen Kleinstadt Ruthin präsentiert, erinnert nicht nur der Kerker. Übernachtungen beginnen bei 65 Britischen Pfund (79 Euro) pro Nacht.

Eine völlig andere Welt eröffnet sich im walisischen Portmeirion, wo der exzentrische Visionär Clough William-Ellis (1883-1978) zwischen 1925 und 1972 seine eigene kleine Phantsaiestadt geschaffen hatte: einen verspielten Ort mit bonbonfarbenen Fassaden, Türmchen, Säulengängen, Kirchen, Kuppeln, Statuen und einem liebevoll angelegten Garten. Vieles ist echt, manches aber einfach nur schöner Schein. Über Portmeirion schwebt ein Hauch der Toskana mit einem Hang zum Disneyland. Zu den vielen Blickfängen gehört mit Castell Deudraeth ein viktorianisches Schloss, das 1850 vom Abgeordneten David Williams errichtet wurde und jetzt als Luxushotel und Nobelrestaurant dient. Elf stilvoll eingerichtete, ebenso moderne wie großzügige Zimmer und Suiten werden hier ab 299 Pfund (365 Euro) pro Nacht vorgehalten.

Modern und überaus luxuriuös eingerichtet: Castell Deudraeth in Portmeirion. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Modern und überaus luxuriuös eingerichtet: Castell Deudraeth in Portmeirion. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Bestens geeignet, um mit der kleinen Großfamilie von bis zu 44 Personen stilvoll zu übernachten, ist das mondäne Chateau Rhianfa im Nordwesten von Wales. Das auf der Insel Anglesey in der Irischen See gelegene Schloss mit seinen verträumten Türmen und Zinnen könnte auch im französischen Loire-Tal stehen. Denn genau dort holte sich Baron Bodelwyddan im Jahre 1849 die Inspiration für den Bau seines Traumhauses mit Blick auf die Menaistraße, jene Meerenge, die Anglesey vom walisischen Festland trennt. Für die komplette Nutzung des Fünf-Sterne-Luxus-Hauses müssen pro Nacht stolze 7000 Britische Pfund (8580 Euro) berappt werden. Dafür kann man aber gleich mehr als drei Dutzend Freunde mitbringen. Das Doppelzimmer gibt es unterdessen schon ab 299 Pfund (365 Euro) – inklusive Nutzung des Privatstrandes.

Ohne Frage avanciert Aldourie Castle mit seinen Türmen und Zinnen, mit seinen offenen Kaminen und uralten Familienporträts zu einem Paradebeispiel für ein mittelalterliches Musterschloss – auch wenn es sein heutiges Aussehen einer millionenschweren Restaurierung verdankt. Ein Anwesen, das zudem durch seine besondere Lage besticht. Denn Aldourie Castle, etwa acht Kilometer vor den Toren von Inverness, der „Hauptstadt“ der schottischen Highlands gelegen, ist die einzige bewohnbare Burganlage am Südufer des berühmten Loch Ness. Das im wahrsten Sinne des Wortes ausgezeichnete Fünf-Sterne-Haus mit dem überaus stilvollen Ambiente hält 15 Zimmer ab 300 Pfund (365 Euro) pro Nacht vor.

Auch bei Dunkelheit eine Pracht: Aldourie Castle in Schottland.

Auch bei Dunkelheit eine Pracht: Aldourie Castle in Schottland.

Gut 900 Jahre hat Tulloch Castle mittlerweile auf dem Buckel – was selbst für eine stattliche Burg ein stattliches Alter ist. Trotz aufwendiger Renovierung hat die Burg im schottischen Hochland vieles von ihrem ursprünglichen Charme in die Gegenwart retten können. Dazu zählt nicht nur die 250 Jahre alte Great Hall mit ihren Original-Holzvertäfelungen, sondern auch ein freundliches Gespenst, das in Tulloch sein Unwesen treiben soll. Die Probe aufs Exempel lässt sich schon für 65 Britischen Pfund (79 Euro) pro Nacht in einem der 20 Zimmer machen, obschon ein Spukgarantie in dem Preis nicht mit inbegriffen ist.

Buchtipps: Ulrike Katrin Peters, Karsten-Thilo Raab: Britannia Kuriosa, Westflügel Verlag, ISBN 978-3-939408-08-8, Preis 14,90 Euro. Erhältlich ist der Titel im Buchhandel oder direkt beim Verlag.

Ulrike Katrin Peters & Karsten-Thilo Raab: Oh, diese Briten, Conrad-Stein-Verlag, ISBN 978-3-86686-800-7. Das Buch ist im Buchhandel oder auch direkt beim Verlag erhältlich.