Von 19. Februar 2016 Mehr →

Nauders – Stieralm, Sternenzelt und private Pisten

Ideale Bedingungen finden Wintersportler im Dreiländereck Österreich, Schweiz und Italien im schneesicheren Nauders. (Foto Ulrike Katrin Peters)

Ideale Bedingungen finden Wintersportler im Dreiländereck Österreich, Schweiz und Italien im schneesicheren Nauders. (Foto Ulrike Katrin Peters)

Wer Nauders bisher nur von der Durchreise gen Süden über den Reschenpass kennen gelernt hat, der wird überrascht sein. Denn das authentische 1.500-Seelen-Dorf hat seinen ursprünglichen Charme bewahrt und sticht positiv aus der Masse anderer Skiorte heraus. Die dörfliche Strukturen dominieren, beim abendlichen Spaziergang riecht es hier und dort auch schon mal nach Kuhstall und jeder grüsst jeden freundlich. Der Ortskern zeigt einen starken rätoromanischen Einfluss. Über allem thront in seiner dominante Erscheinung das prächtige Schoss Naudersberg, welches lange Zeit auch Gerichtssitz war und heute in Ferienwohnungen umgewandelt worden ist.

Alte Handelswege, wie die berühmte römische Kaiserstraße „Via Claudia Augusta“, führen an dem malerisch gelegenen Ort vorbei, und machten ihn schon früh zu einem gastfreundlichen und weltoffenem Platz. Nauders liegt eingebettet in einem Hochtal oberhalb des Inntals zwischen dem Finstermünzpass im Norden und dem Reschenpass im Süden. Am Dreiländereck treffen die Grenzen von Österreich, der Schweiz und Italien aufeinander.

Stolze 120 Pistenkilometer finden sich in Nauders. (Foto Ulrike Katrin Peters)

Stolze 120 Pistenkilometer finden sich in Nauders. (Foto Ulrike Katrin Peters)

Wintersportler profitieren von der besonderen geografischen Lage. Schnee von Süden und von Norden verbunden mit der Höhenlage und einer modernen Beschneiungsanlage sind Garant für eine besonders hohe Schneesicherheit. Dazu kommen günstige Skipässe für ein großzügiges, modernes Skigebiet. Aktuell hat der ADAC dem Skigebiet Bergkastel europaweit Platz vier für das hervorragende Preis-Leistungsverhältnis bescheinigt.

Boden verhaftet und authentisch wie die „Naudrrrr´“ sind, läuft am Sonntag in der Bergstation auch ganz selbstverständlich die Übertragung des Rundfunk-Gottesdienstes. Ein Wunder eigentlich, dass diese sympathische Skiregion am Reschenpass immer noch als Geheimtipp gehandelt wird. Denn schließlich kommen selbst die Schnee verwöhnten Tiroler hier zum Skifahren hin.

Die Pisten liegen allesamt zwischen 1.400 und 2.850 Metern über dem Meeresspiegel. (Foto Ulrike Katrin Peters)

Die Pisten liegen allesamt zwischen 1.400 und 2.850 Metern über dem Meeresspiegel. (Foto Ulrike Katrin Peters)

„Weil die Skihänge so gut präpariert sind und die breiten Pisten einem als Skifahrer fast allein gehören“, erklärt Manuel Baldauf, Tourismuschef des Dörfchens nicht ohne Stolz.

„Mir treibt es die Tränen in die Augen, wenn ich das als Geschäftsmann höre“, kontert Heinz Pfeifer, Chef der Bergbahnen Nauders humorvoll. Was den Geschäftsmann grämt, das freut den Skisportler: Besonders breite Pisten und sehr gute Liftkapazitäten stehen hier in einem super Verhältnis. Anstehen am Lift kommt so gut wie nie vor.

Die Natur hat es mit den Skigebiet Nauders recht gut gemeint. Von der zentralen Bergstation Bergkastel aus gibt es gleich vier Richtungen, in die man fahren kann – rechts runter, links runter, die Talabfahrt oder noch ein Stückchen höher mit dem Zirnbahn-Lift. So verteilt sich das Publikum rasch.

24 moderne Liftanlagen erschließen das Skigebiet am Reschenpass. (Foto Ulrike Katrin Peters)

24 moderne Liftanlagen erschließen das Skigebiet am Reschenpass. (Foto Ulrike Katrin Peters)

Ein weiteres Plus für die Region: Dank der Höhenlage von 1.400 Metern ist das Skigebiet schneesicher – inklusive der Talabfahrten. Man setzt nicht auf Partylöwen, sondern auf Familien und Alleinreisende, die das Skifahren und die Ruhe genießen wollen.

„Wer Platz auf der Piste sucht und keinen Remmidemmi, der ist in unserem mittelgroßen Skigebiet gut aufgehoben. Wir setzten auf Entschleunigung und Qualität“, fasst Manuel Baldauf den Ansatz der Tourismusorganisation hier zusammen.

So viel zur Theorie. Der Praxis-Check folgt am nächsten Morgen bei strahlendem Sonnenschein. Skilehrer Alois Prugg wartet bestens gelaunt auf seine Gruppe. Der charmante Tiroler, kurz „Luis“ genannt, verfügt über Skilehrercharme 2.0. „Holia-Hüütiii! Auffi, kommts`!“, bricht es fröhlich aus ihm heraus, bevor er sich den toppräparierten Hang hinunterstürzt.

„Über 1.500 Metern gibt es kein „Sie“ mehr“, erklärt Luis freundlich, aber bestimmt. Seine Tipps zur Verbesserung der Haltung am Hang sind ebenso einprägsam und werden stets mit einem charmanten Lächeln serviert: „Kiste zur Piste!“.

Gemütlich und urig sind die Hütten in Nauders. (Foto Ulrike Katrin Peters)

Gemütlich und urig sind die Hütten in Nauders. (Foto Ulrike Katrin Peters)

Verstehen das die etwas steifen Flachlandtirolerinnen nicht gleich auf Anhieb, dann führt Luis aus: „Die Damen neigen zum Skilehrer-Syndrom – sie schieben ihren Popo immer den Berg runter, Richtung Skilehrer. Besser, ihr lasst das Gesäß Richtung Berg.“

Auch architektonisch hat man in Nauders alles getan, damit sich die Gäste richtig wohl fühlen. Dabei trifft modern auf alt: Die zentrale Talstation der Bergkastel-Seilbahn wurde pünktlich zum Saisonbeginn 2015/16 fertig gestellt. Sie beherbergt alles, was es für den richtigen Ski-Komfort braucht: Bistro, Sportshop, tip-top-saubere Toiletten und ein Skidepot mit 3.000 Spinden. In diesen finden Skier, Helme, Handschuhe und Skischuhe von zwei Erwachsenen und einem Kind Platz. Der Clou dabei: Die Skiausrüstung wird beheizt, so dass man am nächsten Tag alles trocken und warm vorfindet. Lästiges Ski-Schleppen und transportieren entfällt.

Drangvolle Enge ist auf den Pisten von Nauders weitgehend unbekannt. (Foto Urlike Katrin Peters)

Drangvolle Enge ist auf den Pisten von Nauders weitgehend unbekannt. (Foto Urlike Katrin Peters)

Den historischen Gegenpol zur modernen Bergstation bildet die revitalisierte Stieralm, die man im Winter ausschließlich per Ski oder Schneeschuhen erreicht. Zum Einkehrschwung führt uns dann auch unser erfahrene Skilehrer Luis in die ehrwürdige Hütte. Wer seinen Einkehrschwung zu dieser ganz besonderen Gaststube macht, der riskiert leicht, der Piste länger als geplant fern zu bleiben. Zu gemütlich sitzt man draußen auf den coolen Sitzsäcken, auf der Terrasse mit Panoramablicken oder im stylisch-modernen Innenraum.

Diese derbe Holzhütte lag lange brach, als die Idee für den Umbau zu einem Bedienungsrestaurant entstand. Ursprünglich beherbergte sie auf der Bergkastel-Alm 40 Zuchtstiere, die hier sommers zwischen den Jahren 1930 und 1972 geweidet wurden. Als Ingenieur Karl Stecher mit den Auftrag betreut wurde, hier etwas Neues entstehen zu lassen, war ihm schnell klar, dass man den ursprünglichen Charme bewahren musste.

Herrliche An- und Aussichten rund um das schneesichere Nauders. (Foto Ulrike Katrin Peters)

Herrliche An- und Aussichten rund um das schneesichere Nauders. (Foto Ulrike Katrin Peters)

„Die Geschichte des Gebäudes sollte erkennbar bleiben, der Hüttencharakter verstärkt werden. Und zwar bis ins Detail. Das war auch der Grund dafür, sich für unbehandelte Tische aus alten Holzsorten zu entscheiden. So entstehen zwar Ringe, aber man bleibt sich treu“, berichtet der sympathische Tiroler begeistert.

Der Boden ist ebenfalls original, wenn auch aufwändig gereinigt. „Schließlich haben die Stiere hier 20 Jahre draufgebrunzt“, fährt der 45-jährige Baumeister lachend fort. Qualität hat ihren Preis und so liegt die Gesamtinvestition inklusive Pistenausbau hier bei vier Millionen Euro.

Skilehrer Alois Prugg hat zwischendruch immer Zeit für Späße. (Foto Ulrike Katrin Peters)

Skilehrer Alois Prugg hat zwischendruch immer Zeit für Späße. (Foto Ulrike Katrin Peters)

Die Regionalität spiegelt sich auch auf der Speisekarte wieder. Bei Sonnenschein sitzen die Gäste gern draußen – wahlweise in gemütlichen Sitzsäcken im Loungebereich oder auf Holzstühlen auf der Panoramaterrasse mit umwerfendem Blick. Dabei genießen sie regionale Spezialitäten wie das Stieralm-Spezial, das stilecht in einer gusseisernen Pfanne serviert wird: Moosberen-Schmarren mit Topfeneis (9,99 Euro).

„Das sieht suprr` aus, gut gemacht!“, lobt Luis später die Fortschritte in der Fahrtechnik seiner Schüler. „Jetzt müsst Ihr nur noch den „LA-turn“ erlernen!“. – Hört sich erstmal schwierig an, aber hinter dem coolen Namen steckt nichts anderes als ein weiterer Einkehrschwung – diesmal in die gemütliche Hütte der „Lärchenalm“, in der einmal wöchentlich „Der Berg groovt!“. Jeden Dienstag Abend werden hier Schlager, Schnee und Stunts mit Skiakrobaten gefeiert.

Auch die jüngeren Skihasln finden am reschenpass ideale Bedingungen für die ersten Erfahrungen auf den Brettern. (Foto Ulrike Katrin Peters)

Auch die jüngeren Skihasln finden am Reschenpass ideale Bedingungen für die ersten Erfahrungen auf den Brettern. (Foto Ulrike Katrin Peters)

Nach der Show mit Feuerwerk und einer zünftig-kulinarischen Party folgt eine gemeinsame Rodelpartie ins Tal. Mit acht Kilometern kann man hier übrigens die längste Rodelbahn Tirols hinuntersausen. An der Talstation stapeln sich die Holzschlitten mit der hübschen gebogenen Front, die an die traditionellen Hornschlitten erinnern zum Verleih und warten darauf, gleich wieder mit den Schneejüngern in die Gondel zu steigen.

„Wir hatten heute schöne Skitage!“, fasst Luis am späten Nachmittag zwinkernd den perfekten Skitag zusammen. „Und private Pisten noch dazu“, kontern wir und lassen die Gedanken zurückschweifen zu den breiten, perfekt präparierten Hängen, die uns ganz allein zu gehören schienen.

Selbst wenig Geübte können hier mühelos das Wetter voraus sagen. (Foto Ulrike Katrin Peters)

Selbst wenig Geübte können hier mühelos das Wetter voraus sagen. (Foto Ulrike Katrin Peters)

Wer am Abend noch Energie für ein 1.000-Sterne-Erlebnis hat, der steigt nach dem Duschen wieder in seine Winterstiefel und begibt sich zum Abendessen auf den Berggasthof Parditschhof. Vom Dorf aus sieht man hoch am Hang bereits das Kapellchen hellorange leuchten.

„Da müssen wir hoch!“ sagt Michael Stecher vom Tourismusverband Nauders und zeigt bergan. Still und dunkel ist es unterwegs. „Ungewohnt für Euch Städter, oder?“, fragt er behutsam und freut sich daran, wie sich das kleine Trupp am Sternenhimmel nicht satt sehen kann. Zu Tausenden glimmen die Sterne vom pechschwarzen Nachthimmel. Kein störendes Laternenlicht schwächt ihre Leuchtkraft ab.

Der Gasthof gibt sich ganz bodenständig. An der Garderobe riecht man den Kuhstall, die gemütliche Gaststube ist mit zahlreichen Jagdtrophäen geschmückt. Die nächtliche Wanderung hat alle hungrig und durstig gemacht, man sitzt noch lange bei Hauswurst und einem Schoppen Wein beieinander und lässt den sonnigen Skitag Revue passieren.

Hipp, modern und überaus einladend: die Stieralm. (Foto Ulrike Katrin Peters)

Hipp, modern und überaus einladend: die Stieralm. (Foto Ulrike Katrin Peters)

Informationen: Touristinfo Nauders, Dr. Tschiffrey-Straße 66, A-6543 Nauders, Telefon 0043-(0)50-22400, www.nauders.com

Einkehren: Stieralm, Telefon 0043-(0)5473-8742770, stieralm@reschenpass.net

Parditschhof, Berggasthof Parditsch, Parditsch 165, A-6543 Nauders, Telefon 0043-(0)5473-8733, www.parditsch.at.

Übernachten: 4-Sterne Alpen Comfort Hotel Central, Unterdorfstraße 196, A-6543 Nauders, Telefon 0043-5473-87221-0, www.hotel-central.at. Preise im Winter: ab 99 Euro pro Person und Tag inklusive Verwöhnpension (Frühstücksbuffet und 5-Gänge-Abendmenü sowie weitern Extras)


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