Vanille, Lemuren, Legenden in Madagaskar

Madagaskar
Auf Madagaskar scheint vielfach die Zeit stehen geblieben zu sein. – Foto: Karsten-Thilo Raab

Im äußersten Nordosten von Madagaskar, begrenzt vom Tsaratanana-Massiv und dem Indischen Ozean, liegt Sava, die „grüne Enklave“ der Insel. Die unberührten Regenwälder des Marojejy-Nationalparks und der Vanille-Anbau prägen die Region. In den vier wichtigsten Städten – Andapa, Sambava, Antalaha und Vohémar – sind die schwarzen Vanilleschoten mit ihrem süßen Duft allgegenwärtig. Mehr als die Hälfte des weltweiten Ertrags stammt aus Sava. Aber auch Kokospalmen, Gewürznelken und Reis werden in der ländlichen Gegend angebaut. Touristisch wenig erschlossen, authentisch und verwunschen, bietet sie Abenteurern und Naturbegeisterten vielfältige Wander- und Bademöglichkeiten.

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Frauen in farbenfrohen Kleidern tragen ihre Einkäufe auf dem Kopf. – Foto: Karsten-Thilo Raab

Der Marojejy-Nationalpark, Teil des UNESCO-Weltnaturerbes, erstreckt sich über 55.000 Hektar und Höhen von 90 bis 2132 Metern. Seine ursprünglichen Regenwälder beherbergen einen außergewöhnlichen Reichtum an endemischen Tier- und Pflanzenarten: elf Lemuren-Arten, darunter der äußerst seltene und stark bedrohte Seiden-Sifaka, 148 Reptilien- und Amphibienarten sowie mehr als 50 Palm- und mehr als 300 Farnarten.

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Madagaskar ist berühmt für seine Artenvielfalt. – Foto: Karsten-Thilo Raab

Wanderlustige mit guter Kondition können den Park auf mehrtägigen Rundtouren entdecken. Drei größere Lagerplätze mit einfach ausgestatteten Bungalows bieten je 15 bis 30 Personen Platz. Von Camp zu Camp steigt man dabei immer weiter hinauf in die bergigen Höhen des Marojejy-Massivs.

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Tierische Begegnungen mit verschiedenen Lemuren-Arten sind quasi vorprogrammiert. – Foto: Karsten-Thilo Raab

Der Weg führt vorbei am beeindruckenden Humbert-Wasserfall und mit ein bisschen Glück trifft man auf den seltenen Helmvanga, einen Vogel mit leuchtend blau-schwarzem Schnabel, der, ebenso wie der Seiden-Sifaka, nur in diesem Gebiet zu finden ist. Das Camp Simpona, letzter Lagerplatz vor dem Gipfel, liegt bereits auf 1.250 Metern Höhe und bietet einen atemberaubenden Blick über die tiefgrünen, mit Wolkenfetzen geschmückten Kämme und Bergspitzen.

Die Menschen auf dem Land leben nicht selten in einfachen Hütten. – Foto: Karsten-Thilo Raab

Nur wenige Kilometer von der Kleinstadt Andapa entfernt, inmitten des Andapa-Talkessels mit seinen grünen Reisfeldern, liegt das Antanetiambo-Naturreservat. Nach der etwa zweistündigen Tour durch den Regenwald bietet sich dort ein besonderes Highlight für hungrige Wanderer: Sie können mit den dort lebenden Menschen aus dem Volk der Tsimihety gemeinsam eine traditionelle Mahlzeit einnehmen. Die Tsimihety sind für ihre besondere Herzlichkeit und Gastfreundschaft bekannt.

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Auch im Alltag schmücken sich die Madagassinnen gerne mit Gesichtsbemalungen. – Foto: Karsten-Thilo Raab

Entlang der „Vanille-Straße“ in Richtung Norden erstrecken sich die weißen Sandstrände von Sambava. Bade- und Tauchbegeisterte finden hier ein großes Angebot an Wassersportmöglichkeiten. Auf der Kokosplantage Soavoanio, direkt vor Sambava gelegen, erfährt man mehr über den Anbau der Kokospalmen und die Verarbeitung der Früchte.

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Ochsenkarren sind für viele noch immer ein wichtiges Transportmittel. – Foto: Karsten-Thilo Raab

Die ganz im Norden von Sava gelegene Stadt Vohémar hat ebenfalls direkten Zugang zum Indischen Ozean. Bei Schnorchel-Ausflügen und Bootstouren zu den kleinen vorgelagerten Inseln entfaltet sich die ganze Vielfalt des maritimen Lebens der Bucht. Einige Kilometer entfernt befindet sich der sagenumwobene „Grüne See“, in dem zahlreiche Krokodile leben.

Auch die Polizei muss sich oft mit einfacher Ausstattung begnügen. – Foto: Karsten-Thilo Raab

Laut einer lokalen Legende waren sie einst ehemalige Stadtbewohner, die von einem Fluch belegt wurden und nun in Tiergestalt weiterleben. Das Naturreservat Daraina nördlich von Vohémar beherbergt ebenfalls eine lebende Legende: Es ist das einzige Gebiet auf Madagaskar, in dem Goldkronen-Sifakas, eine sehr seltene Lemurenart, leben. Weitere Informationen über das ostafrikanische Madagaskar unter www.madagascar-tourisme.com.

Schon die Jüngsten müssen tatkräftig mitanpacken. – Foto: Karsten-Thilo Raab

Tipp: Die schönsten Impressionen aus Madagaskar hat Karsten-Thilo Raab unter dem Titel „Faszination Madagaskar“ übrigens auch in einem Wandkalender zusammengestellt. Erhältlich ist dieser in den Formaten A2 bis A5 ab 20,99 Euro im Buchhandel oder bei zahllosen Onlienhändlern wie Amazon.

Karsten-Thilo Raab

Karsten-Thilo Raab

berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten für eine Vielzahl von Zeitungen und Magazinen über Reiseziele weltweit. Zudem hat er sich einen Namen als Autor von mehr als 120 Reise-, Wander- und Radführern sowie Bildbänden gemacht.