Von 11. Januar 2012 Mehr →

The Deep: Mit dem Fahrstuhl durchs Aquarium

Das Beste kommt zum Schluss: Langsam – und doch irgendwie viel zu schnell – gleitet der Fahrstuhl durch das zehn Meter hohe Aquarium. Unzählige Fische scheinen zum Greifen nahe und sind doch so fern. Ganz dicht an der Scheibe schwimmt ein Riffhai vorbei. Ein wenig wirkt es so, als würde er verschmitzt grinsen und zum Abschied noch einmal mit der Schwanzflosse winken, während der heimliche Star im Becken, ein grünlich glänzender Sägefisch, fast schon teilnahmslos auf dem Boden des Beckens ein Nickerchen zu machen scheint. Keine Frage, der Besuch von The Deep, einem der größten und wohl spektakulärsten Aquarien der Welt im ostenglischen Hull, versetzt die Besucher nicht nur wegen der Fahrstuhlfahrt durch das 2,5 Millionen Liter Wasser fassende Hauptaquarium in einen Meeresrausch.

Das bunte Kaleidoskop mit farbenfrohen Korallenriffen, ungewöhnlichen Pflanzen sowie mehr als 3.500 Fischen und 300 Fischarten löst unweigerlich eine Faszination für die in weiten Teilen noch immer geheimnisvolle Unterwasserwelt aus. Da tummeln sich neben sieben verschiedenen Haiarten auch finster rein blickende Muränen, silbrig glänzende Thunfische, majestätische Rochen und riesige Tintenfische, aber auch Napoleon-Lippfische mit ihrem ungewöhnlichen Hautbild, das an die Malereien der Maoris in Neuseeland erinnert.

Zu den Besonderheiten gehören neben den Sägefischen, die europaweit nur in The Deep zu sehen sind, die kuriosen Zebrahaie. Die Raubfische werden mit Streifen geboren, die sich im Laufe des Lebens interessanterweise in Punkte wandeln. Natürlich sind auch die Zwillingsbrüder von Kinoliebling „Nemo“ hier zu finden. Die orange-weißen Clownfische stehen insbesondere bei kleinen Besuchern hoch in der Gunst. Einen ungewöhnlichen Blickfang bildet daneben der Kuhfisch unter dessen Schuppen ein für Angreifer giftiger Schleim lauert. Mit seinen Flecken und Fühlern sieht er aus wie ein Fisch, der mit einer Schnecke und einer Kuh gekreuzt wurde.

„Wir erzählen die Geschichte der Ozeane dieser Welt, werfen aber auch einen Blick auf Flusslandschaften rund um den Globus – und dies interaktiv“, erläutert Linda Martin, die Sprecherin von The Deep, das Eigenverständnis des grandiosen Aquariums am Sammy’s Point in Hull. Optisch gemahnt der moderne Komplex mit seiner zum Wasser gewandten Spitze ein wenig an eine umgekippte Pyramide. Mit der gläsernen Kuppel hoch über dem Wasser ist The Deep fraglos einer der größten Blickfänge an der englischen Ostküste. Von der Aussichtsterrasse in der vierten Etage des mehr 62 Millionen Euro teuren Komplexes bietet sich ein herrlicher Blick auf den River Hull und den River Humber sowie auf die nahe Innenstadt mit dem weithin sichtbaren Turm der Holy Trinity Church. Auch die Humber Bridge, die mit einer Länge von 1.410 Metern bis 1997 die längste Hängebrücke der Welt war, ist zu sehen. Gleichwohl kommen seit der Eröffnung im Jahre 2002 nur die wenigsten Besucher, um sich von der umliegenden Landschaft oder der Architektur des Gebäudes in den Bann ziehen zu lassen.

„Die Fische ganz nahe zu beobachten, ist eine Sache. Entscheidender aber ist, dass wir hier viel Wissenswertes und Interessantes über die Weltmeere und die Flusslandschaften anschaulich und interaktiv aufbereitet haben“, so Linda Martin mit Blick auf den pädagogischen Anspruch von The Deep. So werden während des Rundgangs durch die Aquarienlandschaft erstaunliche Fakten vermittelt. Etwa, dass ein einzelner Wassertropfen aus dem Meer 5.000 Jahre benötigen würde, um einmal durch alle Ozeane der Welt zu reisen. Daneben können die verschieden Lebensräume der Fische, Korallen und Wasserpflanzen in verschiedenen Bereichen der Erde – von tropischen Riffs bis hin zum Eismeer und zu Mangrovengebieten – kennen gelernt werden. Und in enger Kooperation mit dem renommierten Natural History Museum in London werden Wechselausstellungen zu maritimen Themen gezeigt. Zudem wird daran erinnert, dass Hull in längst vergangenen Jahren ein geschäftiges Walfangzentrum war, und auch daran, dass die Kabeljau-Fischer vor der englischen Ostküste über Jahrzehnte eine einträgiges Geschäftsfeld fanden.

Doch all dies gerät schnell in Hintergrund. Zwölf Taucher sind regelmäßig damit beschäftigt, die Scheiben der Aquarien zu reinigen, um sicher zu stellen, dass die rund 300.000 Besucher jährlich einen optimalen Blick auf die Unterwasserwelt genießen können. Obwohl nicht wenige am liebsten nur Fahrstuhl fahren würden.

Allgemeine Informationen: www.visitengland.de und www.yorkshire.com

Informationen: The Deep, Tower Street, Hull HU1 4DP, Telefon 0044-(0)1482-381000, www.thedeep.co.uk. Geöffnet ist The Deep täglich von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt beträgt 9,95 Britische Pfund für Erwachsene, 7,95 Britische Pfund für Kinder beziehungsweise 8,75 Britische Pfund ermäßigt.

Anreise: Mit der Nachtfähre ab 69 Euro pro Person von Rotterdam nach Hull. Die Fähre legt um 21 Uhr ab und erreicht morgens um 8 Uhr England. Weitere Informationen unter www.poferries.de. Alternativ besteht die Möglichkeit, ab 69 Euro Jet2.com von Düsseldorf nach Leeds-Bradford zu fliegen. Informationen unter www.jet2.com. Auch Manchester wird von Deutschland aus von einer Reihe von Flughäfen direkt angeflogen.

 

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