Osteroder Verführungen – abwechslungsreiche Reise in die alte Fachwerkstadt am Harz

Natur vor der Haustür: Unzählige schön gelegene Teiche der Oberharzer Wasserwirtschaft und viele Talsperren, zum Beispiel die Sösetalsperre, prägen den Harz. (Foto: djd)
Natur vor der Haustür: Unzählige schön gelegene Teiche der Oberharzer Wasserwirtschaft und viele Talsperren, zum Beispiel die Sösetalsperre, prägen den Harz. (Foto: djd)

Osterode am Harz sollte man sich für seinen Deutschlandurlaub vormerken. Auf seiner Harzreise schlief schon Heinrich Heine hier „wie ein Gott“. In seinen Reisebildern beschrieb der berühmte deutsche Dichter das Städtchen als einen Ort, der „mit seinen roten Dächern aus den grünen Tannenwäldern hervorguckte wie eine Moosrose“. Von diesem anmutigen Image kann die Fachwerkstadt Osterode am Harz bis heute zehren. Aber die niedersächsische Gemeinde mit rund 24.000 Einwohnern ruht sich schon lange nicht mehr auf ihrer stattlichen Vergangenheit aus. Osterode ist gemütlich und modern zugleich, ein guter Ort für abwechslungsreiche Ferien.

Der Dienstag und Samstagvormittag stattfindende Wochenmarkt mit regionalen Produkten ist ein besonderes Highlight in der Innenstadt.( Foto: djd)
Der Dienstag und Samstagvormittag stattfindende Wochenmarkt mit regionalen Produkten ist ein besonderes Highlight in der Innenstadt.( Foto: djd)

Natürlich kann man die Stadt zu Fuß erbummeln, sich von Bäckerei zur nächsten Konditorei vorkosten, von Gasthöfen zu Restaurants vorschmecken, ein einziger Urlaub genügt dafür ohnehin nicht. Etwas schneller und vor allen Dingen amüsanter ist man mit einem Segway unterwegs. Die Nutzung der neuartigen, zweirädrigen Gefährte mit Lenkstange und Motor ist erst seit 2009 in Deutschland erlaubt. In Osterode kann man mit ihnen eine 14 Kilometer lange Sightseeingtour unternehmen, eine Stadterkundung, die den Besuchern ein völlig neues Fahrgefühl vermittelt und den Wissensdurst stillt. Apropos Wissensdurst: Gruppen können jederzeit eine Führung durch die historische Sammlung im Museum im Ritterhaus buchen oder an diversen Themenführungen teilnehmen, etwa zum Kornspeicher der Bergleute, zur Organisation bürgerlicher Selbstverteidigung im Mittelalter, zur Einführung der Reformation in Osterode oder zum einstigen jüdischen Leben.

Von Führungen ist es nicht weit zu den „Verführungen“ der Stadt, einer ungewöhnlichen Stadtführung mit neun Stationen. Im Vordergrund stehen keine historischen Details, sondern die kleinen Besonderheiten des Osteroder Einzelhandels. Beispielsweise nimmt man im schönen Biergarten des Wirtshauses „Oberbayern“ nicht auf einer klassischen Bierbank Platz, sondern in einem Originalflitzer von Mika Häkkinen, Michael Schumacher oder Fernando Alonso, setzt sich orientalischen Wasserpfeifen-Versuchungen im „Tabakhaus“ aus, verkostet die scharfen oder süßen, herben oder nussigen Geheimnisse des Senfs im Osteroder Weinkontor oder lässt sich von der Harry-Potter-Atmosphäre im Antiquariat verzaubern. Täglich werden von hier aus uralte Bücher und Schellackplatten in alle Welt versandt. Bei den Osteroder Verführungen kommt man unter Umständen zu ganz besonderen Souvenirs: maß- und handgefertigte Schuhe oder ein auf den Leib geschneidertes Modell aus dem Modeatelier „Fadenschein“.

Die schönen Seiten von Osterode am Harz lassen sich bequem auch mit dem Drahtesel erkunden. (Foto djd)
Die schönen Seiten von Osterode am Harz lassen sich bequem auch mit dem Drahtesel erkunden. (Foto djd)

Weil man Osterode schnell ins Herz geschlossen hat, verlässt man es frohgemut zu Wander- oder Mountainbike-Touren, von denen man immer gerne wieder ins gemütliche Städtchen zurückkehrt. Das Mittelgebirge Harz vor der Haustür und die Bergwildnis des Nationalparks Harz locken mit gut gepflegten Wanderwegen, Fahrradtouren, gemächlichen Eselwanderungen und anspruchsvollen Mountainbike-Trips. 2.200 Kilometer ausgeschilderter Strecken bieten für jedes Können, jedes Temperament und jede Fitness genügend Auswahl. Aber auch Wanderer kommen gleich mehrfach auf ihre Kosten.

Einerseits bietet Osterode als „Tor zum Harz“ Zugang zu vier der schönsten Fernwanderwege Deutschlands: den Karstwanderweg, den Försterstieg, den Baudensteig und den Harzer-Hexen-Stieg. Andererseits profiliert sich die Kreisstadt zunehmend als idealer Standort für laufsportliche Veranstaltungen vom „Altstadtlauf“ für jedermann bis hin zu extremen ausdauersportlichen Herausforderungen wie dem „Hexenstieg Ultra“ von Osterode nach Thale und zurück. Mit einer Streckenlänge von 216 Kilometern mit über 4.500 Höhenmetern gehört er zu den härtesten Ultraläufen in Deutschland. Ein gut beschildertes Wanderwegenetz von über 8.000 Kilometern macht den Harz aber auch sonst zu einem Wanderparadies.

Charmantes Kleinod: Der Osteroder Kornmarkt.
Charmantes Kleinod: Der Osteroder Kornmarkt.

Wer es eher geruhsam und behaglich mag, der ist in Osterode ebenfalls am rechten Ort. Das Erlebnis-, Sport- und Freibad „Aloha-Aqualand“ bietet mit Wildwasserkanal, Rutsche, Sprungturm, Baby-Wassergarten, einem beheizten Außenbecken und einer großzügigen Saunalandschaft sowie einem großen Freibad mit Sonnenterrasse und Cocktailbar Freizeitspaß und Erholung für Groß und Klein. Ein weiteres entspannendes Freizeitvergnügen ist die örtliche Crazy-Golf-Anlage. Besondere Hindernisse verhelfen zu Spielen, wie man sie aus dem Minigolf sonst nicht kennt.

Wo immer man rund um Osterode am Harz unterwegs ist, sollte man nach der Regionalmarke „Typisch Harz“ Ausschau halten, mit der original Harzer Produkte ausgezeichnet werden. Möchte man wandernd regionale Spezialitäten entdecken, werden Naturvergnügen und Gaumengenuss beinahe deckungsgleich, etwa auf dem Harzer Baudensteig. Er verbindet unterschiedliche, über den Harz verteilte Bauden miteinander. Unabhängig von dieser Tour kann man diese und andere Bauden und Waldgaststätten aber auch auf einer eigens zusammengestellten Wandertour entdecken. Informationen gibt es unter www.osterode.de. (djd/pt).

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Karsten-Thilo Raab

Karsten-Thilo Raab

berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten für eine Vielzahl von Zeitungen und Magazinen über Reiseziele weltweit. Zudem hat er sich einen Namen als Autor von mehr als 120 Reise-, Wander- und Radführern sowie Bildbänden gemacht.