Nova Scotia – mit Welterbe reich gesegnet

Novia Scotia
Lunenburg gehört mit seinen farbenfrohen Häusern zu den Welterbestätten in Nova Scotia. – Foto Acorn Arts Photography/Tourism Nova Scotia

Jeder dürfte sicher schon einmal von der UNESCO, der „United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization“, gehört haben, die unter anderem Gebäude, Kulturstätten, Innenstädte, Wirtschaftsregionen oder Landschaften als besonders wertvoll für die gesamte Menschheit auszeichnet und sich für den Erhalt und Schutz dieser Weltschätze einsetzt. Die kanadische Provinz Nova Scotia verfügt über gleich sechs solcher UNSCO-Auszeichnungen: drei Welterbestätten, zwei Biosphärenreservate und einen Geopark. Das ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass es sich bei Nova Scotia um die zweitkleinste Provinz Kanadas handelt, die mit ihrer Fläche von 55.284 Qudratkilometern gerade einmal einem Dreiviertel des Bundelandes Bayern entspricht. Es gibt dort also jede Menge kostbare Kultur und Geschichte, die es wert ist, geschützt und mit der Welt geteilt zu werden.

Tolle Postkartenmotive garantiert der Hafen von Lunenburg. – Foto Tourism Nova Scotia

Die Altstadt von Lunenburg wurde 1995 zum ersten Weltkulturerbe in Nova Scotia ernannt – ihre bunten Häusern und alten, imposanten Villen, die früher den Kapitänen der kleinen Hafenstadt gehörten, machten die Entscheidung einfach. Oldtown Lunenburg ist eine von nur zwei städtischen Gebieten in ganz Nordamerika, die als „Weltkulturerbe“ ausgezeichnet wurden und gilt außerdem als am besten erhaltene geplante britische Kolonialstadt in Nordamerika.

Der Hafen von Lunenburg versetzt einen problemlos zurück in die alten Zeiten, in denen die Hammerschläge des Schmieds über die Promenade hallten, während die Seeleute zu unbekannten Abenteuern ausliefen. Von der maritimen Geschichte der Stadt zeugt auch die Bluenose II, eine 1963 gebaute Replik des legendären Schoners, der es auf die kanadische 10-Cent-Münze schaffte sowie das außergewöhnliche Fisheries Museum of the Atlantic. Aber auch im Bereich der Gegenwart weiß Lunenburgs Altstadt mit einzigartigen Geschäften, preisgekrönten Restaurants und gemütlichen Gasthäusern zu bezaubern, die sich nahtlos in das bunte, heitere und historische Stadtbild einfügen.

Nova Scotia
Die Joggins Fossil Cliffs laden zu einer faszinierenden Zeitreise ein. – Foto Patrick Rojo/Tourism Nova Scotia

Joggins Fossil Cliffs nimmt Besucher mit in die Vergangenheit – 300 Millionen Jahre, um genau zu sein. So alt sind nämlich die hunderten fossilen Pflanzen und Tiere, die verstreut entlang der Bay of Fundy-Küstenlinie gefunden werden können. Es gibt auch ein ausführlich informierendes Interpretationszentrum vor Ort, um noch tiefer in die fossile Geschichte Nova Scotias einzutauchen.

Die Landschaft von Grand-Pré ist ein außergewöhnliches Beispiel für die Anpassung der ersten europäischen Siedler an die Bedingungen der nordamerikanischen Atlantikküste. Die Landschaft ist geprägt von den sogenannten „Dykelands“ – Felder und Siedlungen auf Hügeln – die bereits 1680 von den dort heimischen Akadiern angelegt wurden, um das fruchtbare Marschgebiet der Region, das sich als hervorragend zum Anbau erwies, durch Deichbautechniken vor dem salzhaltigen Meerwasser zu schützen.

Besonders geschichtsträchtig gibt sich die Grand-Pré National Historic Site. – Foto James Ingram/Tourism Nova Scotia

Obwohl es auch eine Geschichte der Vertreibung von Akadiern in dieser Region gab, an welche die Grand-Pré National Historic Site erinnert, gilt der Ort mittlerweile als ein Symbol der Zusammenarbeit zwischen der akadischen Diaspora und den heutigen Gemeindemitgliedern. Eben diese Zusammenarbeit ermöglichte der Landschaft von Grand-Pré eine Aufnahme ins UNESCO Weltkulturerbe.

Neben Welterbestätten verfügt Nova Scotia des Weiteren über zwei Biosphärenreservate – Gebiete also, die nach Beurteilung der UNESCO nachhaltige Entwicklung und Wirtschaftsformen, sowie Naturschutz, Forschung und Bildung fördern.

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Das Biosphärenreservat Southwest Nova ist als Lichtschutzgebiet ausgewiesen. – Foto Bill Curry/Starlight Foundation

Das Biosphärenreservat Southwest Nova befindet sich im südwestlichen Teil der Provinz. Der größte Teil der terrestrischen Landfläche des Gebietes wurde als Biosphärenreservat-„Zone der Zusammenarbeit“ gekennzeichnet, die fünf Landkreise und eine Bevölkerung von etwa 100.000 Menschen umfasst. Das Reservat umfasst wichtige Landschaften der Provinz, die in einem nahezu unberührten Zustand mit intakten Ökosystemstrukturen, -prozessen und -funktionen existieren.

Und das mit dem Biosphärengebiet verbundene Acadian Skies & Mi’kmaq Lands war das erste Reiseziel in Nordamerika, das von der Starlight Foundation, einer von der UNESCO unterstützten Organisation, eine Starlight-Zertifizierung erhielt, also den Nachweis, dass es sich bei der Region um ein Lichtschutzgebiet handelt, das vor Lichtverschmutzung geschützt werden muss. Die Region beschreibt sich selbst als ein „lebendes Labor, um nachhaltige Entwicklung zu testen und zu demonstrieren“ und Besucher können mehr über diesen einzigartigen Landstrich in dem Southwest Nova Biosphere Interpretive Centre erfahren.

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Segeln und ein Sprung ins kühle Nass gehören zu den beleibetn Aktivitäten am Bras dOr Lake. – Foto Dean Casavechia/Tourism Nova Scotia

Das Bras d’Or Lake UNESCO Biosphere Reserve auf Cape Breton Island besteht aus einem Salzwasser-Mündungsgebiet – oder „Binnenmeer“ – mit drei Übergängen zum Atlantik. Die terrestrischen, marinen und küstennahen Lebensräume bieten ein Zuhause für menschliche Populationen, darunter auch Nachfahren der ersten europäischen Siedler und Mitglieder der indigenen First Nations Communities der Provinz wie den We’koqma’q, Eskasoni oder Mi’kmaw. Die Region besticht sowohl im Hinblick auf die Natur, in der unter anderem Weißkopfadler und Kegelrobben heimisch sind, als auch in Bezug auf die mannigfaltige Kultur, die vom Erleben eines Highland Village schottischer Siedler, bis hin zum Nachempfinden der First Communities-Geschichte reicht.

Nova Scotia erhielt seine sechste und damit neueste UNESCO-Ernennung im Jahr 2020 mit dem Cliffs of Fundy Geopark. Ein Geopark ist, nach Definition der UNESCO, ein Gebiet, das es ermöglicht, etwas über die Vergangenheit des Planeten Erde und die Bedingungen des Lebens zu lernen. Und im Falle der Cliffs of Fundy gibt es eine ganze Menge, das dies ermöglicht, nämlich 40 beeindruckende und bedeutende Geostätten auf einer Fahrstrecke von gerade einmal 165 Kilometern.

An und aussichtsreich präsentiert sich der Cliffs of Fundy Geopark. – Foto Acorn Art Photography/Tourism Nova Scotia

Geprägt wird das Gebiet vor allem durch die höchsten Gezeiten der Welt (mit einem Tidenhub zwischen 13 und 21,6 Metern), welche die Landschaft konsistent umformen. Die darüber liegenden Klippen, manche davon bis zu 91 Metern über dem Meeresspiegel, laden ebenso zum Wandern und Verweilen ein, wie der Meeresboden bei Ebbe. Im Five Islands Provincial Park sowie im Cape Chignecto Provincial Park finden Besucher Wanderwege, Inselansichten, Kalksteinsäulen und einzigartige Felsformationen, die allesamt großartige Kulissen für Picknicks und Fotos bieten. Weitere Informationen  unter www.novascotia.com/de.

Karsten-Thilo Raab

berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten für eine Vielzahl von Zeitungen und Magazinen über Reiseziele weltweit. Zudem hat er sich einen Namen als Autor von mehr als 120 Reise-, Wander- und Radführern sowie Bildbänden gemacht.