Von 4. April 2013 Mehr →

Kuh vadis, Nepal? Muhsame Straßenreinigung

Kühe genießen auf Nepals Straßen Narrenfreiheit, gelten sie doch als heilig. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Kühe genießen auf Nepals Straßen Narrenfreiheit, gelten sie doch als heilig. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Kühe gehören schon lange zum Straßenbild in Kathmandu. Und sie genießen eine gewisse Narrenfreiheit. Sie lassen sich von Nichts und Niemandem aus der Ruhe bringen. Gemächlichen Schrittes stapfen sie durch die überfüllten Straßen der Millionenstadt, immer auf der Suche nach etwas Essbarem. Dabei haben die meisten Wiederkäuer in ihrer Kindheit wohl nicht so etwas wie eine Verkehrserziehung genossen. Wie sonst ließe sich erklären, dass sie weder auf Verkehrszeichen noch auf andere, vermeintliche stärkere Verkehrsteilnehmer wie Autos oder Motorräder achten?

Nepals heilige Kühe lassen sich durch Nichts und Niemanden stören. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Nepals heilige Kühe lassen sich durch Nichts und Niemanden stören. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Vielleicht ist den Rindviechern aber auch ihr besonderer Status bewusst. Denn – wie in Indien – so gelten die milchliefernden Paarhufer auch in Nepal als heilig. Die in dem Himalaya-Staat lebenden Hindus verehren die Kühe als Inkarnation der Fruchtbarkeitsgöttin Lakschmi. Und Gottheiten kann man ja nicht mit irdischen Geboten und Verboten kommen, geschweige denn sie vertreiben oder gar schlachten und aufessen.

Und so wird es den Tieren auch nicht verübelt, wenn sie mal den einen oder anderen Unfall provozieren, nur weil ein Fahrer hektisch das Lenkrad herumreißt, um nicht mit ihnen zusammenzustoßen. Ein Blechschaden ist da schon das kleinere Übel im Vergleich zum Überrollen einer „muhtastischen“ Gottheit. Ein heiliges Blechle eben. Obschon es nicht immer nur bei Blechschäden bleibt.

Gleichwohl setzen die Behörden des Landes zu einer besonders „muhsamen“ Art der Straßenreinigung an: Den Kühen wird vorgeworfen, Staus, Chaos und Verspätungen, aber auch Unfälle durch ihr rücksichtsloses Auftreten zu provozieren. Zudem kennen die Viecher weder Anstand noch Toiletten und lassen, wo sie gehen und stehen, einfach unter sich gehen. Das interessiert sie nämlich einen Dreck, während Letzterer vor allem die Fliegen interessiert.

Daher verwundert es wenig, dass die Kühe nun eingefangen und von den Straßen entfernt werden sollen. Denn ihr rücksichtsloses Verhalten geht wirklich auf keine Kuhhaut. Die spielen sich ja auf wie Götter persönlich. Die Ordnungsbehörden jedenfalls scheinen den Respekt vor den Heiligen mit den Fliegen am Hinterteil verloren zu haben und ziehen diese nun rigoros aus dem Verkehr.

Thekenbrust & ZackendruseÄhnlich wie bei abgeschleppten Autos können die Besitzer die Tiere an einem Sammelhof wieder abholen. Während bei ausgelösten Autos ein Strafgeld zu entrichten ist, dürften die umgerechnet 50 Euro, die für das Freikaufen der Paarhufer fällig werden, wohl eher als Opfergabe für die heiligen Kühe betrachtet werden. Auch wenn in diesem Falle der Opferstock das Staatssäckel ist.

Buchtipps: Karsten-Thilo Raab: Thekenbrust & Zackendruse, Westflügel Verlag, ISBN 978-3-939408-11-6, 12,50 Euro. Erhältlich ist das Buch im Buchhandel oder direkt beim Verlag.

Karsten-Thilo Raab: San Diego Waldfried,  (ISBN: 978-84-9015-620-9). Erhältlich ist der Kolumnenband im Buchhandel, direkt beim Verlag oder online zum Preis von 20,90 Euro.   

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