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Im Napoleon-Schloss: Eine Königin macht Dampf!

Ein Kleinod im Thurgau: das Napoleonmuseum Schloß Arenenberg. (Foto Helmuth Scham)

200 Jahre Bonapartes am Bodensee – dieses Jubiläum ist Anlass für die neue Sonderausstellung im Napoleonschloss auf dem Arenenberg. Hortense de Beauharnais, die Mutter des letzten Kaisers der Franzosen, steht dabei im Zentrum. Das Napoleonmuseum Thurgau macht sichtbar, wie die First Lady des französischen Kaiserreichs durch ihr Wirken die Region Konstanz/Thurgau vom Mittelalter in die Gegenwart katapultiert hat. Unter anderem finanzierte sie den Beginn der Dampfschifffahrt am Bodensee mit. Die Ausstellung „Eine Königin macht Dampf – Zeitenwende am Bodensee 1817-1837“ bis zum 22. Oktober 2017 im Napoleonmuseum Thurgau gezeigt. Die Ausstellungsräume liegen in Hortenses ehemaligem Domizil unweit von Konstanz, das heute als schönstes Schloss am Bodensee bekannt ist.

Hortense de Beauharnais in rotem Kleid. (Foto François Baron Gérard)

Im Schloss tauchen die Besucher ein in die Lebenswelt der Königin und ihrer Familie. Hortense empfing in ihren prachtvollen Salons Gäste wie Franz Liszt, François-René de Chateaubriand oder Juliette Récamier. Für Alexandre Dumas sang Hortense selbst komponierte Romanzen am Tafelklavier im Teesalon. Die Repliken von zwei Tageskleidern der Königin sowie ein originales Nachthemd zeigen ihren modischen Einfluss. Ausgesuchte Alltagsgegenstände wie Bilder, Briefe und Schmuck geben Einblicke in ihre Gedanken und zeigen ihren Geschmack. Das Dachgeschoss des Schlosses präsentiert als Schatzkästchen viele Exponate, die sonst nicht zu sehen sind. So zum Beispiel eine blaue Opalglas-Tasse, aus der Hortense ihren letzten Schluck Tee trank. Hortenses qualvollen Krebstod deutet die Ausstellung in ihrem Sterbezimmer an. Hier ist die «Betende Jungfrau» zu sehen, ein Gemälde der Konstanzer Malerin Maria Ellenrieder. Sie gehörte zum engsten Umfeld des Arenenbergs und steht für dessen künstlerischen Einfluss.

Forschungsergebnisse zeigen die Königin in neuem Licht

Hortenses Sterbebett. (Foto Helmuth Scham)

Hortense inszenierte sich selbst als «Femme Artiste», als Dienerin der schönen Künste und gab sich ansonsten harmlos. Lange ist die Forschung ihrer Selbstdarstellung gefolgt. Doch wer sich ihre Finanzen, ihre Beziehungen und ihre geschäftstüchtigen Investitionen anschaut, sieht hinter der Kulisse eine andere Frau. Hortense war eine Macherin, die vom Arenenberg aus nachhaltige Impulse gab für Industrie, Politik, Kultur, Landwirtschaft und natürlich den Gartenbau. 50 Personen beschäftigte sie auf ihrem Schloss, ließ unter ihrem Namen feinste Tuche produzieren, die sich schwunghaft verkauften. Sie regte den Tourismus an, beteiligte sich mit ihrem Kapital an Unternehmen und kaufte heruntergekommene Liegenschaften, die aufwendig saniert wurden.

Blick neben der Schlosskapelle auf die Insel Reichenau. (Foto Helmuth Scham)

Hortense setzte ihr Geld aber auch gezielt für soziale Projekte ein und unterstützte Bedürftige. Schnell fand sie Nachahmer; ihr Vorbild zog Freunde und Investoren aus aller Herren Länder an. Mit all ihren Investitionen brachte Hortense den Fortschritt an den Bodensee und legte so den Grundstein für den Wohlstand in der Region. Das von ihrem Sohn Louis Napoléon und von ihr selbst vertretene liberal-republikanische Gedankengut beeinflusste die Politiker rund um den Arenenberg. Auf allen gesellschaftlichen Ebenen fand ein Wissenstransfer statt.Auf großer Runde durch die Sonderausstellung

Botschaften aus Hortenses Feder. (Foto Helmuth Scham)

Die Ausstellung gliedert sich in mehrere Bereiche. Es ist die grösste, die je auf dem Arenenberg zu sehen war. Im Cinéma des Schlosses gibt die Königin den Ausstellungsbesuchern zur Begrüssung ein filmisches Interview. Wie Hortense aus Paris ins Exil auf den Arenenberg kam, erfahren die Besucher im Historischen Weinkeller des Schlosses. Von hier aus führt ein Rundweg über das Schloss in die Kapelle. Hier steht der Einfluss des Arenenbergs auf die Architektur der Region im Mittelpunkt.

Die blaue Opalglastasse, aus der Hortense ihren letzten Schluck Tee trank. (Foto Helmuth Scham)

Im Prinzenflügel des Schlosses, vor dem Bistro Louis Napoléon und in der Arenenberger Gartenwelt offenbaren sich den Flanierenden anhand von Themeninseln häppchenweise vertiefende Hintergrundinformationen. Ganz im Sinne der Verbindung Thurgau-Konstanz stehen die begleitenden Texte von Friedrich Pecht. Der Sohn einer Thurgauerin und eines Konstanzer Unternehmers kommentierte in seinen Lebenserinnerungen durchaus kritisch die «Zeitenwende» und deren Repräsentanten. So steuert er einen zusätzlichen Blickwinkel bei. Ausserdem wurde zu Ehren der Königin im Schlosspark ein neuer Hortensienweg angelegt, der in den Rundgang integriert ist. Weitere Informationen unter www.napoleonmuseum.ch.

Vollständig erhaltenes Bijouterie-Ensemble. (Foto Helmut Scham)

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