Hirsche, Heide und Kunstgenuss – unterwegs im De Hoge Veluwe Nationalpark

Überall im De Hoge Veluwe Nationalpark finden sich Standorte, an denen Vincent van Gogh die herrliche Landschaft auf die Leinwand bannte. (Foto Karsten-Thilo Raab)
Überall im De Hoge Veluwe Nationalpark finden sich Standorte, an denen Vincent van Gogh die herrliche Landschaft auf die Leinwand bannte. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Es gibt Orte, von denen haben die meisten wohl noch nie gehört. Einer dieser Flecken Erde ist fraglos das niederländische Hoenderloo. Ein lang gezogenes Dorf vor den Toren von Apeldoorn mit gerade einmal 1.700 Einwohnern und viel Gegend drum herum. Im Land der Meisjes wird das eher unscheinbare Nest liebevoll „Oranjeloo“ genannt, nachdem die niederländische Fußball-Nationalmannschaft hier dreimal vor Welt- und Europameisterschaften ein Trainingslager bezog – zuletzt 2010.

Ansonsten gibt es in Hoenderloo neben der Heldringkerk, der örtlichen Kirche, nicht viel zu sehen, sieht man einmal vom kleinen niederländischen Elektrizitätsmuseum ab. Dieses wirkt von außen und innen eher wie ein kunterbuntes Sammelsurium aus elektronischen Apparaturen. Ein roter Faden durch die Ausstellung ist hier kaum zu erkennen. Eher wirkt es so, als seien all die Teile, die irgendwie mit Stromgewinnung und -verbrauch zu tun haben, nur nach einem Kriterium angeordnet worden: eben dort, wo gerade etwas Platz ist.

Ein Kuriosum in Hoenderloo: das Niederländische Elektrizitätsmuseum. (Foto Karsten-Thilo Raab)
Ein Kuriosum in Hoenderloo: das Niederländische Elektrizitätsmuseum. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Gleichwohl lohnt der Besuch von Hoenderloo. Und dies nicht nur, weil sich hier mit „Ijs van Co!“ die vermeintlich beste Eisdiele in der Provinz Gelderland befindet. Vielmehr ist Hoenderloo das Eingangsportal zum faszinierenden De Hoge Veluwe Nationalpark und damit idealer Ausgangspunkt, um den mit einer Fläche von 54,5 Quadratkilometern größten Nationalpark der Niederlande zu erkunden.

Dass dieses riesige Heide- und Waldgebiet mit seinen herrlichen Moor-Seen und Sandverwehungen heute überhaupt existiert, verdanken die Holländer den Visionen, dem Reichtum und vor allem dann, den schnell zur Neige gehenden Geldmitteln des Kaufmanns Anton Kröller und seiner Gattin Helene Kröller-Müller.

Ein ungewöhnlicher Blickfang findet sich in Hoenderloo, der ein wenig wie ein "Trojanisches Ochensgespann" anmutet. (Foto Karsten-Thilo Raab)
Ein ungewöhnlicher Blickfang findet sich in Hoenderloo, der ein wenig wie ein „Trojanisches Ochensgespann“ anmutet. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Das überaus betuchte Ehepaar erwarb weite Teile des Areals ab dem Jahre 1909, um dieses in ein privates Jagdrevier umzuwandeln. Um den Erfolg bei der Pirsch zu erhöhen, ließen die Kröller-Müllers das Gebiet einzäunen sowie Hirsche und Mufflons dort aussetzen. Als Landsitz ließen sie das schlossähnliche Jagdhaus St. Hubertus bauen, dessen Grundriss aus der Vogelperspektive wie ein Hirschgeweih anmutet.

Neben der Jagd besaßen die Kröller-Mülers noch eine große Passion, die Liebe zur zeitgenössischen Kunst. So trugen sie die mit 90 Gemälden und 180 Zeichnungen zweitgrößte Vincent van Gogh Sammlung der Welt zusammen und erstanden Kunstwerke von Pablo Picasso, Claude Monet, Piet Mondrian und anderen namhaften Künstlern.

An verschiedenen Stellen nim De Hoge Veluwe Nationalpark lässt sich Rotwild aus nächster Nähe beobachten. (Foto B. Schoenmakers)
An verschiedenen Stellen nim De Hoge Veluwe Nationalpark lässt sich Rotwild aus nächster Nähe beobachten. (Foto B. Schoenmakers)

In den 1920er Jahre war es angesichts der Wirtschaftskrise mit der Herrlichkeit im Hause Kröller-Müller vorbei. Aus der Not eine Tugend machend, wurde das Jagdrevier im Jahre 1935 in eine nationale Stiftung überführt. Damit wurde der De Hoge Veluwe Nationalpark nun auch erstmals für die breite Öffentlichkeit zugänglich.

Zahlreiche Blickfänge sind im Skulpturenpark des Kröller-Müller-Museums zu finden. (Foto Karsten-Thilo Raab)
Zahlreiche Blickfänge sind im Skulpturenpark des Kröller-Müller-Museums zu finden. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Die Kunstsammlung wurde vom niederländischen Staat übernommen, der inmitten des Parks das Kröller-Müller-Museum errichten ließ, in dem die Kunstwerke seither einer interessierten Öffentlichkeit präsentiert werden. Angrenzend an das Museum findet sich zudem ein 25 Hektar großer Skulpturengarten mit Werken von Auguste Rodin, Henry Moore, Jean Dubuffet und anderen namhaften Bildhauern aus der Zeit nach dem Jahr 1900.

Unabhängig vom Kunstgenuss weiß der De Hoge Veluwe Nationalpark mit seinem über 40 Kilometer langen Wegenetz vor allem Naturfreunde, Wanderer und Radfahrer in seinen Bann zu ziehen. An den drei Eingängen in Hoenderloo, Otterlo und Schaarsbergen stehen insgesamt 1.800 weiße Fahrräder den Besuchern kostenfrei zur Verfügung und ermöglichen im wahrsten Sinne des Wortes, die Weite und Pracht des Parks erfahren zu können.

Wer allerdings glaubt, dieser Teil der Niederlande sei flach wie eine Flunder, wird schnell eines Besseren belehrt. Hügelig ist es in und um den De Hoge Veluwe Nationalpark. Und so gilt es immer mal wieder, kurze Steigungen zu meistern, die allerdings geübte Radfahrer kaum ins Schwitzen bringen dürften.

Ungewöhnlicher Klotz inmitten des Kootwijkerzaands: die Sendestation von Radio Kootwijk. (Foto Karsten-Thilo Raab)
Ungewöhnlicher Klotz inmitten des Kootwijkerzaands: die Sendestation von Radio Kootwijk. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Weite Teile des Waldbodens sind förmlich mit Blaubeersträuchern überzogen. Eine Menge, die ausreichen würde, um eine ganze Kleinstadt abzuspeisen. Zwischen den Heidegebieten und dem dichten Wald finden sich auch ausgewiesene Rückzuggebiete für das Rotwild, die Besuchern nicht zugänglich sind. Gleichwohl lassen sich die mächtigen Hirsche vor allem in der Dämmerung gerne auch auf den Lichtungen blicken.

Nur 15 Meter hoch und doch der Größte in den Niederlanden: der Loenense Wasserfall. (Foto Karsten-Thilo Raab)
Nur 15 Meter hoch und doch der Größte in den Niederlanden: der Loenense Wasserfall. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Auch außerhalb des Nationalparks findet sich eine überraschend hügelige und zum Teil dicht bewaldete Heidelandschaft mit zahlreichen Sandhügeln und zahllosen Eichenstrubben. Dahinter verbergen sich Wälder mit bizarr geformten, gebeugten und verwachsenen Eichenstämmen. Im Herzen des umliegenden Naturschutzgebiets Veluwe weichen die Bäume auf einmal wieder einer ausgedehnten Heidenlandschaft und jeder Menge Sand: der Kootwijkerzand ist mit einer Fläche von 700 Hektar die größte Binnendünenlandschaft in Westeuropa.

Sanft schieben sich hier weiße Sandhügel auf. Wären nicht die milden Temperaturen, würde man sich wie inmitten einer Wüste fühlen. Vereinzelt finden sich so genannte Flugkiefern, die im Sand ihre Wurzeln ausgebildet und ein merkwürdiges Wachstum an den Tag gelegt haben. Deutlich sichtbare Spuren verraten, dass hier vor allem in der Dämmerung Rothirsche, Rehe und Wildschweine unterwegs sind.

Inmitten der Weite des Kootwijkerzand erhebt sich auch ein merkwürdig anmutendes Gebäude. Die Mischung aus Tempel und Sphinx war die Sendestation von Radio Kootwijk, das von hier in 1920er Jahren den radiotelegrafischen Kontakt mit der einstigen niederländischen Kolonie Indonesien hielt.

Wirkt auf den ersten Blick ein wenig wie eine weite Grasebene in Afrika: der De Hoge Veluwe Nationalpark. (Foto Karsten-Thilo Raab)
Wirkt auf den ersten Blick ein wenig wie eine weite Grasebene in Afrika: der De Hoge Veluwe Nationalpark. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Ein Kuriosum ist der rund zehn Kilometer von Hoenderloo entfernt liegende Loenense Wasserfall, der gerne auch, wenn auch eher schmunzelnd, als niederländische Niagara-Fälle bezeichnet wird. Und dies, obwohl sich die Wassermassen hier nicht gerade mit donnerndem Getöse zu Tal stürzen. Was auch daran liegt, dass das Wasser aus der Vrijenberger Quelle hier lediglich einen Höhenunterschied von 15 Meter zu bewältigen hat – und dies in drei mehr oder weniger gleich großen Abschnitten. Der künstliche Wasserlauf wurde im Jahre 1869 angelegt, um sicher zu stellen, dass der kurz zuvor eröffnete Apeldoorn-Kanal mit ausreichend Wasser versorgt wird.

Ein ganz anderer Blick auf den Nationalpark eröffnet sich von den Schienen aus. Denn nicht nur für Eisenbahn-Nostalgiker bietet sich eine Fahrt mit den Zügen der Veluwe Stoomtrein Maatschappij an. Auf 32 Kilometern bedient die Bahnlinie in nostalgischen Wagen, die teilweise von einer Dampflok gezogen werden, die Strecke zwischen Apeldoorn und Dieren und präsentiert so im Vorbeifahren die ganze Pracht des Hoge Veluwe Nationalparks.

Verfügt über drei Eingänge: der De Hoge Veluwe Nationalpark. (Foto Karsten-Thilo Raab)
Verfügt über drei Eingänge: der De Hoge Veluwe Nationalpark. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Informationen: www.hoenderloo.nl

Sehenswürdigkeiten: De Hoge Veluwe Nationalpark, Houtkampweg 13, 7352 TC Hoenderloo, www.hogeveluwe.nl/de. Der Nationalpark, das Parkzentrum und das Museoander sind täglich geöffnet; das Kröller-Müller-Museum ist montags geschlossen. Der Eintritt in den Nationalpark kostet für Erwachsene 8,80, für Kinder von sechs bis zwölf Jahren 4,40 Euro. Für ein Kombiticket mit Besuch des Kröller-Müller-Museums zahlen Erwachsene 17,60 Euro und Kinder von sechs bis zwölf Jahren 8,80 Euro.

Das Werk von Vincent van Gogh nimmt im Kröller-Müller-Museum großen Raum ein. (Foto Karsten-Thilo Raab)
Das Werk von Vincent van Gogh nimmt im Kröller-Müller-Museum großen Raum ein. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Loenense Wasserfall, Beekbergenweg, 7371 EW Loenen. Die Wasserfälle liegen in einem Waldstück und sind frei zugänglich.

Kootwijkerzand, Radioweg 1, 7348 BG Radio Kootwijk. Etwa 15 Kilometer von Hoenderloo entfernt, ist das Areal frei zugänglich.

Niederländisches Elektrizitätsmuseum, Krimweg 21, 7351 AS Hoenderloo, www.elektriciteitsmuseum.nl. Das Museum ist von März bis Oktober mittwochs bis sonntags von 12 bis 17 Uhr geöffnet.

Veluwe Stoomtrein Maatschappij, Rijnstraat 68, 7332 AX Apeldoorn, Telefon 055-5061989, www.stoomtrein.org. Die Bahn verkehrt sonn- und feiertags. Der nächst gelegene Haltepunkt von Hoenderloo aus liegt in etwa zehn Kilometern Entfernung an der Dorpstraat 140 in Beekbergen.

Tipps: Im De Hoge Veluwe Nationalpark liegt mit dem Museonder das erste unterirdische Museum der Welt. Dieses öffnet ein Blick unter die Erdoberfläche und das dortige Leben – bis hin zum Erdmittelpunkt. Auf dem Weg dorthin lässt sich auch das komplette Wurzelsystem eines 135 Jahre alten Baumes in Augenschein nehmen. Der Eintritt ist im Eintritt für den Nationalpark enthalten.

Rund 40 Kilometer ausgebaute Wege stehen Radfahrern im De Hoge Veluwe Nationalpark zur Verfügung. (Foto Karsten-Thilo Raab)
Rund 40 Kilometer ausgebaute Wege stehen Radfahrern im De Hoge Veluwe Nationalpark zur Verfügung. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Im knapp zehn Kilometer entfernten Apeldoorn verspricht der Affenpark Apenheul ein tierisches Spektakel. Hier tummeln sich Gorillas, Makis, Bonobos, Klammeraffen, Orang-Utans und andere Affenarten. Wobei die Totenkopfaffen gerne sogar persönlichen Kontakt zu den Besuchern aufnehmen und es sich schon mal auf deren Schultern bequem machen. Informationen: Affenpark Apenheul, J.C. Wilslaan 21, 7313 HK Apeldoorn. www.appenheul.nl

Die Krondomäne Het Loo, ebenfalls etwa 15 Kilometer von Hoenderloo, gehörte einst zum königlichen Landgut. Der im 17. Jahrhundert errichtete Palast wird von einem prächtigen Garten umgeben. Informationen: Paleis Het Loo, Koninklijk Park 1, 7315 JA Apeldoorn, www.paleishetloo.nl

Der einstige Landsitz der Kröller-Mülles: Jagdschloss St. Hubertus. (Foto Karsten-Thilo Raab)
Der einstige Landsitz der Kröller-Mülles: Jagdschloss St. Hubertus. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Essen & Trinken: IJs van Co, Krimweg 33d, 7351 AT Hoenderloo, Telefon 055-3781502, www.ijsvanco.nl. Vor der vermeintlich besten Eisdiele der Provinz Gelderland bilden sich oft riesige Schlangen. Aber das lange Anstellen lohnt sich.

Pannekoekenhuis, Krimweg 93, 7351 AV Hoenderloo, Telefon 055-3781205, www.pannekoekhuishoenderloo.nl. Der Name ist Programm in dem beliebten Pfannkuchenhaus.

Unterkunft: Ferienpark Landal Miggelenberg, Miggelenbergerweg 65, NL-7351 BP Hoenderloo, Telefon (0031)55-378-1251, miggelenberg@landal.com, www.landal.de. Der rund 2,5 Kilometer vom De Hoge Veluwe Nationalpark entfernt liegende Ferienpark hält rund 260 freistehende Ferienhäuser mit Größen von 50 bis 170 Quadratmetern – und auf Wunsch mit Luxusausstattung – für zwei bis zwölf Personen bereit und besticht durch einen großes Spielareal für Kinder sowie ein frei zugängliches Hallenbad.

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