Heidnischer Brauch: Papstverbrennung im englischen Lewes

Wir in Deutschland sind bekanntlich Papst – zumindest seit Kardinal Joseph Ratzinger im Jahr 2005 zum Oberhaupt der katholischen Kirche gewählt wurde und seither unter dem Namen Papst Benedikt XVI. das höchste irdische Amt der katholischen Kirche bekleidet. Im überwiegend protestantischen Großbritannien ist spätestens seit der Regentschaft von Heinrich VIII. im frühen 16. Jahrhundert der Einfluss des Heiligen Vaters gering. Der König aus dem Hause Tudor wurde wegen seiner sechs aufeinander folgenden Ehen bekannt. Seine Suche nach einer Ehefrau, die ihm den ersehnten Thronfolger schenkte, führte zum Bruch mit der römisch-katholischen Kirche, von der er die Kirche Englands in der Folge abtrennte und sich selbst als deren Oberhaupt einsetzte. Eben bis zu dieser Zeit reicht das traditionelle Pope Burning, das symbolische Verbrennen des Papstes auf einem Scheiterhaufen, zurück. Alljährlich am 5. November, dem Guy Fawkes Day, rückt das ansonsten so beschauliche Lewes in der Grafschaft East Sussex mit diesem heidnischen Ritual in den Blickpunkt. Auslöser war der Tod durch den Scheiterhaufen, den 17 Protestanten aus Lewes im 16. Jahrhundert wegen ihres Glaubens erleiden mussten.

Gegen 17 Uhr startet zunächst ein Fackelumzug durch die Straßen der 16.000-Seelen-Gemeinde in Südostengland. Der Zug wird angeführt von kostümierten Teilnehmern, von denen einige in Seefahreruniformen, andere als Wikinger oder Zulu-Krieger verkleidet mitmarschieren. Die Verkleidungen sollen daran erinnern, dass sich Andersgläubige im 16. Jahrhundert häufig verkleiden mussten, um Verhaftung und Bestrafung zu entgehen. Begleitet wird die Parade durch Feuerwerk, Trommel- und Blasmusik, während an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet Scheiterhaufen entzündet werden.

Gleichzeitig wird mit dem Pope Burning wie überall im Land auch der traditionelle Guy Fawkes Day begangen. Am 5. November 1605 hat eben dieser Guy Fawkes versucht, das englische Parlament in die Luft zu sprengen. Er wurde jedoch erwischt und hingerichtet. In Gedenken an dieses historische Ereignis wird jährlich im ganzen Land – so auch in Lewes – der Guy Fawkes Day mit einem großen Feuerwerk begangen. Zudem wird ein aus Stroh und Kleidungsstücken gebauter Guy Fawkes symbolisch auf einem Scheiterhaufen verbrannt.  Weitere Informationen unter www.lewesboroughbonfiresociety.com

Buchtipps: Ulrike Katrin Peters, Karsten-Thilo Raab: Britannia Kuriosa, Westflügel Verlag, ISBN 978-3-939408-08-8, Preis 14,90 Euro. Erhältlich ist der Titel im Buchhandel oder direkt beim Verlag.

Ulrike Katrin Peters & Karsten-Thilo Raab: Oh, diese Briten, Conrad-Stein-Verlag, ISBN 978-3-86686-800-7. Das Buch ist im Buchhandel oder auch direkt beim Verlag erhältlich.

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Karsten-Thilo Raab

berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten für eine Vielzahl von Zeitungen und Magazinen über Reiseziele weltweit. Zudem hat er sich einen Namen als Autor von mehr als 120 Reise-, Wander- und Radführern sowie Bildbänden gemacht.

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