Des Künstlers Blick auf Österreichs kleinste Stadt

Rattenberg, Österreichs kleinste Stadt, präsentiert sich von oben nach rund 100 Jahren noch genau so wie Expressionist Egon Schiele es malte.
Rattenberg, Österreichs kleinste Stadt, präsentiert sich von oben nach rund 100 Jahren noch genau so wie Expressionist Egon Schiele es malte. (Fotos Grießenböck)

Schon der bedeutende österreichische Expressionist Egon Schiele war angetan von Rattenberg am Eingang des Alpbachtals. Seine Ansichten auf die Stadt sind heute so aktuell wie 1917, denn die Dachlandschaft hat sich kaum verändert. Das beweist ein neuer Aussichtspunkt ab September auf dem Schlossberg.

Es war 1917 als der Maler Egon Schiele mit 27 Jahren im Auftrag der kaiserlich-königlichen Armee Österreichs nach Tirol reiste. Er sollte unter anderem das Lebensmittellager des Militärs in Brixlegg, zwei Kilometer südwestlich von Rattenberg, für eine geplante Festschrift zeichnen. In dieser Zeit stand Schiele offenbar auch mehrfach auf dem Schlossberg, an dessen Fuße das Städtchen liegt. Die Militär-Festschrift ist nie erschienen. Die Zeichnungen von Schiele aber sind geblieben. Die vor hundert Jahren gemalte Dachlandschaft ist bis heute so gut wie unverändert.

Auf dem Reither Kogel eröffnet ein großer Rahmen im wahrsten Sinne des Wortes ein besonderes Bild vom Alpbachtal.
Auf dem Reither Kogel eröffnet ein großer Rahmen im wahrsten Sinne des Wortes ein besonderes Bild vom Alpbachtal. (Fotos Grießenböck)

Ab September 2015 wird auf dem Schlossberg über Rattenberg an jener Stelle, an der Egon Schiele nur ein Jahr vor seinem frühen Tod seine Skizze anfertigte, eine Stele stehen. Sie zeigt dann neben einem Portrait des Malers auch eben jene Zeichnung der Dachlandschaft, die heute im Besitz der Gallery in New York ist. So können Gäste den eigenen Blick und das eigene Foto mit dem Blick und der Zeichnung des berühmten Malers der Wiener Moderne vergleichen.

Rattenberg hat nur 420 Einwohner und eine Fläche von elf Hektar. Sie gilt damit als die kleinste Stadt Österreichs. Ihr mittelalterlicher Stadtkern, die Lage am Inn und die vielen Glasfachgeschäfte machen die Stadt zu einem beliebten Ausflugsziel am Eingang des Alpbachtals.

Auf dem Rundwanderweg „Juppis Zauberwald“ auf dem Reither Kogel wurden einige Attraktionen neu gestaltet. Neben einem großen Fotorahmen mit Blick auf Alpbach gibt es nun auch eine Holz-Kegelstation und Märchenfiguren. Juppis Zauberwald ist täglich außer mittwochs bequem mit der Reitherkogel-Seilbahn zu erreichen. Auch das Freiluft-Museum Tiroler Bauernhöfe in Kramsach wurde an vielen Stellen neu inszeniert, damit sich die Besucher besser in den bäuerlichen Alltag vergangener Tage hineinversetzen können.

Ein besonderes Spektakel sind Ende September die Reither Almabtriebe.
Ein besonderes Spektakel sind Ende September die Reither Almabtriebe. (Foto Alpbachtal Seenland)

Einer der größten und schönsten Almabtriebe ist in Reith im Alpbachtal. Er findet an zwei aufeinanderfolgenden Samstagen statt, am 19. und am 26. September 2015. Rund 7.000 Besucher kommen alljährlich zum Reither Almabtrieb und können dann nicht nur die mit bunten Blumenkronen und großen Glocken geschmückten Kühe bewundern, sondern auch die handwerklichen Fähigkeiten des Federkielstickers Georg Leitner begutachten, der Filzpantoffel-Herstellerin Annelise Nachberger zuschauen oder die vielen lokalen Spezialitäten wie den Heumilchkäse oder die Prügeltorte kosten.

Für alle Kuh-Fans: Ein Besuch beim Bauern und Künstler Erich Ruprechter in Breitenbach ist ein besonderes lustiges Erlebnis. Ruprechter ist nämlich ein begnadeter Schnitzer. Für den Winter schnitzt er aufwändige Perchtenmasken. Aber zwischendurch verewigt er die Hinterteile seiner Kühe. In Holz. In Originalgröße. Bewundern kann man die am Hofeingang. Weitere Informationen unter www.alpbachtal.at.

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Mortimer

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