Bad Reichenhall – „Meran des Nordens“

Reichenhall
Die rote Kabine der Predigstuhlbahn ist seit 1928 im Dienst. – Foto Bad Reichenhall Tourismus & Stadtmarketing GmbH

Ob Sissi, die legendäre Kaiserin von Österreich, jemals Bad Reichenhall besucht hat, wer weiß es? Bestimmt hätte die von Meran so Begeisterte am heutigen Bad Reichenhall ihren Gefallen gefunden. Ein mondäner Kurgarten, gesunde AlpenSole-Luft, Kneipp- und Kuranlagen, schmucke Kurvillen, wunderbare Spazier- und Wanderwege, eingebettet in eine schöne Alpenlandschaft und jede Menge Shopping-Möglichkeiten – das wäre sicher ganz nach ihrem Geschmack gewesen. Das – und nicht nur das – bietet das heutige Bad Reichenhall das ganze Jahr über. Ein idealer und vielleicht etwas unterschätzter Urlaubs- und Standort zur Erkundung des Berchtesgadener Landes.

Predigtstuhl mit der ältesten Seilbahn der Welt

Geschafft! Auf dem Gipfel des Predigtstuhl! – Foto Peer Völz

Was Kaiserin Sissi zu ihren Lebzeiten auf keinen Fall gekonnt hätte: mit der Seilbahn hinauf zum Predigtstuhl fahren. Das hat sie um dreißig Jahre verpasst. 1928 wurde die Predigtstuhlbahn erbaut und ist die älteste original erhaltene Kabinenbahn der Welt. Noch dazu ist sie die einzige weltweit, die unter Denkmalschutz steht. Eine Fahrt mit der Predigtstuhlbahn ist ein absolutes Muss bei einem Aufenthalt in Bad Reichenhall. Etwas weniger als neun Minuten dauert die beschauliche Fahrt in der roten Gondel hinauf zur Bergstation auf 1584 Meter, mit phantastischen Ausblicken auf Bad Reichenhall und die umliegende Bergwelt. Erstaunlich: die gesamte, rein mechanische Antriebs- und Maschinenanlage der Nostalgiebahn befindet sich noch im Originalzustand. Und keine Angst: alles wird bestens gewartet und ständig auf höchste Sicherheit überprüft.

Wanderwege für jedermann

Reichenhall
Panoramablick auf Bad Reichenhall von der Bergstation der Predigtstuhlbahn. – Foto Peer Völz

Von der Bergstation kann man vom Gipfelrestaurant aus zahlreiche schöne Wanderungen unternehmen. Wer keine ausgedehnten Wanderungen machen will oder kann, nimmt den breiten Weg hinauf zum 1613 Meter hohen Gipfel des Predigtstuhl. Der Weg ist, wie zu erwarten, zwar ansteigend, aber nicht allzu lang. Kurz vor dem Gipfelkreuz befindet sich eine Aussichtsplattform zum Rasten mit Bänken und Schautafeln. Gemächlich geht man auch die gut fünfzehn Minuten von der Bergstation auf dem eigens angelegten Höhenkurweg durch Latschenkiefernwald zur Almhütte „Schlegelmulde“, um dort Aussicht und Einkehr zu genießen.

Entlang der Saalach führen breite und bequeme Radwege. – Foto Peer Völz

Ambitioniertere Wanderer können entlang der „Bad Reichenhaller Gipfeltour“ mehrere Gipfel des Lattengebirges erwandern: Hochschlegel, Karkopf , Dreisesselberg oder Törlkopf – der „Wandererphantasie“ sind keine Grenzen gesetzt. Zurück im Tal hat man ebenfalls eine große Auswahl an bequemen und schönen Wanderwegen. Und auch ein ausgedehntes, gut erschlossenes und beschildertes Radwegenetz. Empfehlenswert: eine landschaftlich schöne Radtour ohne nennenswerte Steigung von Bad Reichenhall zum 22 Kilometer entfernten Salzburg entlang der Saalach. Längere Radtouren führen zum Chiemsee, nach Bayerisch Gmein oder zur Burg Gutenstein.

Die „Alte Saline“

Das Hauptgebäude der denkmalgeschützten „Alten Saline“. – Foto Bad Reichenhall Tourismus & Stadtmarketing GmbH

Eine Führung durch die „Alte Saline“ sollte man ebenfalls auf keinen Fall versäumen. Erstmals 696 erwähnt, ist sie die älteste Binnensaline Europas. Das denkmalgeschützte Industriedenkmal von europäischem Rang wurde 1837 erbaut. Der Auftrag dazu war ein königlicher: König Ludwig I. von Bayern versprach sich von der Salzgewinnung einiges an Kapitaleinnahmen. Der Gebäudekomplex ist größtenteils noch so erhalten wie vor 150 Jahren. Beeindruckend sind bereits zu Beginn der Führung die zwei gewaltigen, dreizehn Meter hohen und jeweils fünfzehn Tonnen schweren Wasserräder der Saline. Diese drehen sich seit über 150 Jahren unaufhörlich.

Die 13 Meter hohen Wasserräder schaffen 3,5 Umdrehungen pro Minute. – Foto Alte Saline Bad Reichenhall/Südwestdeutsche Salzwerke AG

Obwohl die Produktion des Alpensalzes bereits 1929 in die Neue Saline verlegt wurde, fördern die riesigen Wasserräder mit ihren 92 Schaufeln nach wie vor zur Kur- und Gesundheitszwecken Sole aus der Tiefe. Die rund einstündige Führung gibt einen Einblick in die unterirdischen Stollen der Saline. Auf teils nassen und manchmal recht glitschigen Stufen geht es hinunter in das Höhlenlabyrinth und anschließend wieder hinauf. Daher unbedingt auf festes Schuhwerk achten. Zudem ist während der Führung durch Stollen und Grotten der Saline ab und an mit von der Decke tropfendem Wasser zu rechnen. Entsprechend angepasste Kleidung kann da sehr hilfreich sein. Zumal unter Tage das ganze Jahr über eine Temperatur von zwölf Grad Celsius herrscht.

Reichenhall
Die Salzgrotte hat eine Höhe von fünf Metern und ist 250 Quadratmeter groß. – Foto Alte Saline Bad Reichenhall/Südwestdeutsche Salzwerke AG

Nach der Führung durch den Stollenbereich erreicht man die fünf Ausstellungsräume des Salzmuseums. Jeder Raum präsentiert Wissenswertes und unterschiedlichste Ausstellungsstücke zum Thema Salz und Salzgewinnung. Der Museumsbesuch ist Teil der Führung und die Verweildauer dort einem jeden selbst überlassen.

Ein Kurort zum Wohlfühlen und Shoppen

Der prachtvolle Brunnen des Königlichen Kurgartens. – Foto Bad Reichenhall Tourismus & Stadtmarketing GmbH

Über 70 Brunnen gibt es in Bad Reichenhall. Brunnenstadt wird sie deswegen auch genannt. Der prachtvollste von allen ist AlpenSole-Springbrunnen im Königlichen Kurgarten. Angelegt im Jahr 1868, gilt er als einer der schönsten seiner Art in Mitteleuropa. „Garten der Heilung“ wird er genannt. Und das ist auch nicht verwunderlich. Denn die für die Atemwege gesunde und wohltuende AlpenSole-Luft kann man nahezu im gesamten Kurgarten atmen. Blumenreich und farbenprächtig geht es zu auf den 40.000 Quadratmeter des Kurgartens mit seiner artenreicher Botanik. Konzertrotunde, Königliches Kurhaus und Wandelhalle repräsentieren stilvoll das Flair eines mondänen Kurortes. Und das sollte man in Ruhe auf einer der zahlreichen Bänke genießen.

Bunte und duftende Blumenbeete im Königlichen Kurgarten. – Foto Peer Völz

Der Königliche Kurpark ist aber nicht der einzige sehenswerte Park im Ort. Schon mal einen Barfußweg ausprobiert? Im Ortenau-Park können Sie’s! Oder in einem Outdoor- und Fitness-Parcours sich mal richtig verausgaben? Im Rupertuspark mit seinen zwölf Übungsstationen können Sie’s! Hier befindet sich auch die RupertusTherme, das „AlpenSole-Wohlfühl-Paradies“ der Alpenstadt mit einer großzügigen Sauna- und Beckenlandschaft.

Im und vor dem Kurmittel- und Badehaus gibt’s Erholung vom Alltagsstress. – Foto Peer Völz

Die Ludwigstraße und die Poststraße sind die Hauptadern der Fußgängerzone in Bad Reichenhall. Auf immerhin zwei Kilometern Länge kann man inmitten historischer Häuserzeilen einen abwechslungsreichen Einkaufsbummel unternehmen. Ob Trachtenbekleidung oder Designer-Schuhe, ob traditionelle Einzelhändler mit regionalen Produkten, modernes Kaufhaus oder Supermarkt – die Palette zum Geldausgeben und Shoppen ist umfangreich in der Brunnenstadt. Schön auch: Hier findet man sie noch – die kleine, familienbetriebene Bäckerei oder Metzgerei um die Ecke mit typisch regionalem Angebot wie hausgemachtem Brot oder Schinken.

Eine Altstadt mit Herz zum Genießen

Reichenhall
Eine Fußgängerzone mit Niveau. – Foto Bad Reichenhall Tourismus & Stadtmarketing GmbH

Einer der romantischsten Flecken im Ort ist der idyllische Florianiplatz. Mit seinen giebelständigen Häusern und typisch alpenländischem Flair ist er der Prototyp eines altbayerischen Dorfplatzes. Seit dem Hochmittelalter gibt es die im Florianiviertel typischen giebelständigen Häuser mit ihren weit vorspringenden Flachsatteldächern, den Sprossenfenstern und den farbenfrohen Hausmauern. Ein weiterer sehenswerter Platz ist der Rathausplatz mit seinem elf Meter hohen Brunnen, der den Wittelsbachern gewidmet ist. In den naheliegenden Gaststätten kann man eine zünftige bayerische Mahlzeit oder ein frisch gezapftes bayerisches Bier zu sich nehmen. Ein beliebter Treffpunkt für Freunde des Gerstensaftes und deftiger Mahlzeiten ist das an den Rathausplatz angrenzende Gasthaus „Bürgerbräu“ mit eigenem Brauhaus und bayerischen Spezialitäten.

Ideal und zentral übernachten

Das Hotel Bayern Vital mit seiner Gartenanlage. – Foto Hotel Bayern Vital

In absolut ruhiger Lage und doch nur gut fünf Gehminuten vom Zentrum entfernt, direkt am Luitpoldpark und am Kurgastzentrum und wenige Meter von der Rupertustherme empfiehlt sich das Vier-Sterne-Hotel Bayern Vital als Übernachtungsmöglichkeit. Ein idealer Ausgangspunkt für die Erkundung der Bad Reichenhaller Sehenswürdigkeiten und für Tagesausflüge ins Berchtesgadener Land. Oder ins österreichische Salzburg. Ganz gleich, ob die Anreise mit dem Auto oder dem Zug erfolgt. Parkplätze in der hoteleigenen Tiefgarage gibt’s genug und der Bahnhof ist auch nur wenige Gehminuten entfernt. Das Hotel hat 87 Zimmer und Suiten, die hell, modern und funktional eingerichtet sind.

Bayern Vital– der Name ist Programm

Hell und funktional sind die Zimmer im Bayern Vital. – Foto Mila Pairan

Das Fitness- und Entspannungsprogramm des Hotels umfasst sage und schreibe 36 Einheiten pro Woche, mit dreizehn verschiedenen Angeboten.wie Rückenfit, Pilates oder QiGong. Ein Indoor-Pool, eine Sauna und ein Spielplatz mit Tischtennis- und anderen Ballspielmöglichkeiten machen das Vital-Hotel auch für Familien attraktiv. Besonders erfreulich: der Fahrradverleih direkt im Hotel mit seiner großen Auswahl an Mountain- ,E-Bikes und klassischen Fahrradmodellen.

Reichenhall
Frischer Fisch aus der Region im Restaurant „Luitpold“. – Foto Peer Völz

Gesund und vital in den Tag starten: Das Frühstücksbuffet des Hotels macht’s möglich! Frisches Ingwerwasser, eine Rohkost- und Kräuterecke, hausgemachte Smoothies und hausgemachtes Brot gehören dazu. Aber auch Herzhaftes wie ein traditionelles Wurst- und Käseangebot kommt im „Bayern Vital“ nicht zu kurz. Das Hotel-Restaurant „Luitpold“ verschreibt sich nicht nur regionaler, bayerisch-bodenständiger Küche, sondern serviert auch internationale Gerichte. Am allabendlichen Buffet dient eine eigens eingerichtete UV-Strahlung nicht nur dem Warmhalten der Speisen, sondern auch dazu, Corona-Viren innerhalb des Buffetbereichs zu eliminieren. Bei schönem Wetter unbedingt einen Tisch zum Frühstück oder Abendessen draußen auf der Terrasse oder im Garten reservieren. Dieser heimelige Außenbereich ist den Hotelgästen vorbehalten für einen ruhigen und entspannten Aufenthalt.

Gastronomisches Highlight mit Aussicht

Viel Holz und viel Aussicht in der Skybar „Schlafende Hex’“. – Foto Hotel Bayern Vital

Die Skybar „Schlafende Hex`“ im vierten Stock des Hotel Bayern Vital ist etwas Außergewöhnliches in der Bad Reichenhaller Gastro-Szene. Sie ist nachhaltig mit viel verbautem Holz aus der Region und mit viel Liebe zu traditionellen regionalen Details eingerichtet. Das Holzaroma in der Luft und die gemütliche Einrichtung steigern noch den Wohlfühlfaktor. Ein Hingucker im wahrsten Sinne des Wortes ist die geräumige Aussichtsterrasse mit Panoramablick auf die Dächer der Stadt und die umliegende Bergkulisse samt dem Predigtstuhl. Und natürlich auch auf die Namenspatin der Bar: die „Schlafende Hexe“.

Sage von der „Schlafenden Hexe“

Geheimnisvolles Gebräu: Der „Hexenschuss“ in der Skybar. – Foto Peer Völz

Was aber hat es auf sich mit der „Schlafenden Hexe“? Dazu erzählt man sich im Berchtesgadener Land folgende Geschichte: Vor mehr als tausend Jahren lebte in der Einsamkeit der Gebirgswelt des Berchtesgadener Landes eine menschenfeindliche Hexe. Diese Hexe war zudem äußerst anti-christlich eingestellt und hatte es vor allem auf christliche Pilger abgesehen. Denen lauerte sie auf und meuchelte sie auf greulichste Art und unterschiedlichste Weise. So verabreichte sie durstigen Pilgern hinterlistig Gifttränke oder zerschmetterte die Unglücklichen mit Felsbrocken.

Die „Schlafende Hexe“ aus Berchtesgadener Perspektive. – Foto Berchtesgadener Land Tourismus

Das hatte sie auch mit dem Gottesmann Martinus vor, welcher im Gebirg‘ unterwegs war, im Berchtesgadener Land zu predigen. Bei dem kam sie aber an den Richtigen. Denn als sie den Martinus zu morden versuchte, fackelte der Nämliche nicht lange und hielt ihr ein großes Kreuz direkt vor ihre große Nase. Und eh‘ sie sich’s versah, war sie durch die Macht des Kreuzes zu Boden geschleudert und in Stein verwandelt worden und aus war’s mit der Mordbrennerei. Lang‘ ist sie her, diese heldenmütigen Tat. Im wirklichen Leben ist es der Rotofen mit seinen bis zu 1460 Meter hohen drei Rotofentürmen im Lattengebirge, der die Silhouette der „Schlafenden Hexe“ formt.

Zurück in die Gegenwart

Reichenhall
Die Fußgängerzone in Bad Reichenhall – flanieren, einkaufen und wohlfühlen.

Kein Giftcocktail ist der „Hexenschuss“, neben einer Reihe von klassischen Cocktails die Spezialität der Skybar. Die Zutaten werden aber hier und jetzt nicht verraten. Hinfahren und selber ausprobieren! Genauso wie die appetitlichen Snacks und Salate. Am besten bei einem der wunderschönen Sonnenuntergänge, die man von dort beobachten kann. Gemütlich ist es in der „Schlafenden Hex’“ zu jeder Jahreszeit. Ob in der Sommersonne in den vorhandenen Liegestühlen oder im Winter bei Glühwein an knisterndem Kaminfeuer. Und Angst vor einer Hexe muss man nicht mehr haben. Jedenfalls nicht in Bad Reichenhall.  Weitere Informationen unter www.bad-reichenhall.de.

Peer Völz

lebt in Hannover und findet, dass nicht nur Niedersachsens Landeshauptstadt eine Reise wert ist. Der freie Reisejournalist und Autor schreibt seit 2019 regelmäßig für das Mortimer-Reisemagazin.