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Von 21. Dezember 2011 Mehr →

Sauna-Tradition: Schwitzkur auf die finnische Art

Rustikal mit Raucharoma – so genießt man in Finnland seit Jahrhunderten die wohltuende Wärme in der Sauna. Früher hatte dies vor allem praktische Gründe: Bevor Waschgelegenheiten wie Badewanne und Dusche Einzug in die finnischen Häuser hielten, war das Saunabad mit Birkenruten die traditionelle Methode der Körperreinigung. Der unverwechselbare Nebeneffekt – Entspannung pur – hat das Saunen inzwischen international populär gemacht und zu zahlreichen Varianten geführt. Am ursprünglichsten aber saunt es sich immer noch in Finnland. Die Sauna hat in Finnland eine Jahrtausend alte Tradition. Auch heute noch ist sie ein zentraler Bestandteil des Soziallebens, und man findet sie fast überall: Gut fünf Millionen Finnen stehen knappe zwei Millionen Saunen zur Verfügung. Die Bedeutung des Saunaraums hat sich vor allem im letzten Jahrhundert stark verändert: Während er im modernen Leben ausschließlich für das Saunieren an sich genutzt wird, war er im bäuerlichen Finnland Kernstück des Familien- und Hoflebens. Die Sauna wurde – weniger stark geheizt – als Wirtschaftsraum, Waschraum und für die Krankenpflege in Anspruch genommen. Noch heute gibt es Finnen, die in der Sauna geboren wurden. Wenn sich die Nutzung des Saunaraums inzwischen auch auf das Saunabad an sich beschränkt, so legen die Finnen doch große Kreativität an den Tag, was die Schaffung der dafür notwendigen Räumlichkeiten betrifft. Selbst unter widrigen Umständen muss der Saunagenuss möglich sein – deshalb findet man die Sauna als Floß-, Zelt- oder Höhlenversion sogar im Gepäck der finnischen Armee. Weitaus häufiger werden diese mobilen Varianten aber von Freizeitcampern genutzt, die in der Weite der Natur auf ihr Saunaerlebnis nicht verzichten müssen.

Im Gegensatz zu anderen Ländern ist in Finnland das gemischte Saunen nicht üblich. Männer und Frauen baden getrennt oder im Wechsel – zumindest außerhalb des Familienkreises. Auf Gleichheit legt man aber auch auf einer anderen Ebene wert: Gemeinsame Saunabesuche von Geschäftspartnern gehören durchaus zur Businessetikette, was wiederum für Nicht-Finnen gewöhnungsbedürftig sein mag. Vor oder nach dem geschäftlichen Teil des Treffens wird entspannt, Hierarchien und etwaige Unstimmigkeiten lösen sich im „Dampf“ auf. Das eigentliche Aroma der finnischen Sauna sind Rauch und Birkenduft. In der ursprünglichen Form – der Savu- oder Rauchsauna – heizt ein offener Holzofen ohne Schornstein den Raum. Der Rauch zieht durch die Sauna und entweicht durch Tür und Fenster. Ganze sieben Stunden dauert es, bis die Saunatemperatur von etwa 90 Grad erreicht ist. Dafür hält sich die wunderbar weiche Wärme der Rauchsauna allerdings auch bis lange in den nächsten Tag hinein. Während des Saunagangs gießt man mit einem speziellen Aufgusslöffel Wasser aus einem Holzeimer auf den Ofen – zur Steigerung der Hitze und Luftfeuchtigkeit. Und wem es zu heiß wird, der erfrischt mit dem Wasser auch den eigenen Körper. Ein besonders prickelndes Erlebnis verschafft man sich oder seinem Gegenüber mit grünen Birkenzweigen: Ein blättriges Büschel wird zur Vorbereitung in Wasser getaucht und im Dampf über dem Ofen geschüttelt. Dann klopft man es sich auf die Haut: Das regt die Durchblutung an und macht auch noch großen Spaß! Natürlich sollte man dabei den Krafteinsatz der jeweiligen Schmerzempfindlichkeit anpassen, denn weh tun sollte diese Massage nicht. Und nach dem Schwitzen geht es ab ins Wasser. Im Sommer in den See, im Winter in den Schnee – oder wer sich traut in ein Eisloch.

Tipp: Saunafreudige Reisende sollten in Helsinki einen Besuch der Saunainsel Saunasaari einplanen. Vom Marktplatz aus ist die Insel in nur 15 Minuten mit dem Boot zu erreichen. In verschiedenen Saunaarten kann man die wohltuende Wirkung der Wärme genießen, und im Anschluss an das Bad wartet ein leckeres Essen auf die Gäste. Das Angebot richtet sich vornehmlich an Gruppen; an bestimmten Tagen können aber auch individuelle Gäste teilnehmen. Informationen über die Saunainsel gibt es unter www.saunasaari.fi.

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