Münster – Charme pur zwischen Promenade und Prinzipalmarkt

Pittoresk und faszinierend: die Giebelhäuser am Prinzipalmarkt in Münster. (Foto Karsten-Thilo Raab)
Pittoresk und faszinierend: die Giebelhäuser am Prinzipalmarkt in Münster. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Entweder es regnet oder die Glocken läuten – wenn beides gleichzeitig passiert, ist Sonntag. Ja, keine Frage, der Münsteraner hat als Westfale durchaus trockenen Humor. Wohl wissend, dass in der überwiegend katholisch geprägten Studentenstadt mit ihren zahlreichen Gotteshäusern, nicht immer die Sonne scheint. Was in Deutschlands Fahrrad-Hochburg Nummer eins aber niemanden wirklich stört. Denn in der charmanten 300.000-Seelen-Gemeinde gehen historische Traditionen und moderne Lebensart Hand in Hand.

Längst ist Münster so etwas wie das deutsche Klein-Hollywood geworden. Mehr und mehr Produktionsgesellschaft entdecken die Stadt des Westfälischen Friedens als Kulisse für Kino- und Fernsehfilme. So genießen die Krimireihen „Wilsberg“ (Leonard Lansink) und „Tatort“ mit dem kongenialen Ermittlerduo Thiel (Axel Prahl) und Boerne (Jan Josef Liefers) Kultstatus weit über die Stadtgrenzen hinaus.

Schmuckstück am Prinzipalmarkt: die Lambertikirche. (Foto Karsten-Thilo Raab)
Schmuckstück am Prinzipalmarkt: die Lambertikirche. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Und so verwundert es wenig, dass sich Wochenende für Wochenende ganze Heerscharen von Krimiliebhaber bei konkurrierenden Stadtführungen auf den Spuren der Fernsehkommissare zu den Drehorten von Mord und Totschlag machen.

Dabei nimmt auch das historische Zentrum rund um den prächtigen Prinzipalmarkt großen Raum ein. Zu beiden Seiten der berühmten Vorzeigestraße reihen sich insgesamt 48 prächtige Häuser aus der Spätgotik und Renaissance nebeneinander, bei dem kein Giebel dem anderen gleicht. Schon im 12. Jahrhundert errichteten hier Kaufleute ihre Häuser und boten unter Bögen geschützt vor dem Unbill des Wetters ihre Waren feil.

Begrenzt wird der Platz an der Südseite durch den Stadthausturm, an der Nordseite durch die Lambertikirche. Schaurige Berühmtheit erlangte die Kirche durch die Tatsache, dass am Turm im 16. Jahrhundert die Leichname dreier Wiedertäufer nach deren Hinrichtung in eisernen Körben (die noch heute zu sehen sind) aufgehängt und so öffentlich „ausgestellt“ wurden.

Religiöses Herzstück des Bistums und Wahrzeichen von Münster: der St.-Paulus-Dom. (Foto Karsten-Thilo Raab)
Religiöses Herzstück des Bistums und Wahrzeichen von Münster: der St.-Paulus-Dom. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Am Prinzipalmarkt befindet sich auch das Historische Rathaus von Münster. Vermutlich in Teilen bereits vor dem Jahre 1200 gebaut, gelangte es durch die Verhandlungen zum Westfälischen Frieden, der den Dreißigjährigen Krieg beenden sollte, Berühmtheit. Außerdem wurde hier 1648 der Spanisch-Niederländische Krieg beigelegt und somit der Frieden von Münster geschlossen, der die Entstehung der modernen Niederlande ermöglichte.

Beeindruckende Bürgerhäuser am Ptinzipalmarkt. (Foto Karsten-Thilo Rab)
Beeindruckende Bürgerhäuser am Ptinzipalmarkt. (Foto Karsten-Thilo Rab)

Der nahe gelegene St.-Paulus-Dom bildet das religiöse Zentrum des Bistums Münster. Zu den Besonderheiten im Innern des Doms zählt die Astronomische Uhr aus dem Spätmittelalter. In der angrenzenden Domschatzkammer sind religiöse Kunstschätze, aber auch wertvolle Goldschmiedestücke und Textilien aus verschiedenen Jahrhunderten ausgestellt.

Wie überall im Stadtgebiet wimmelt es vor dem Dom an Radfahrern. Nach Schätzungen soll es stolze 500.000 Fahrräder in Münster geben. Und die Pedalritter können sich nicht nur über fast durchgehend flache Wege, sondern auch über ein hervorragend ausgebautes Netz an Radwegen freuen. Eine Besonderheit ist dabei fraglos die innerstädtische Promenade. Die rund 4,5 Kilometer lange Ringstraße, die 1770 durch Wilhelm Ferdinand Lipper angelegt wurde, umgibt die Altstadt. Die doppelreihige Lindenallee ist komplett autofrei und führt mehr oder weniger direkt an vielen Sehenswürdigkeiten vorbei.

Zu den markanten Gotteshäusern der Stadt zählt fraglos auch die Überwasserkirche, die auch Liebfrauenkirche, genannt wird. Bei der Namensgebung stand die Lage der Kirche Pate. Denn beim Bau im Jahre 1340 lag sie noch außerhalb der Stadtmauern und war nur zu erreichen, wenn jemand das Flüsschen Aa überwand, also „über dem Wasser“. Gegenüber der Überwasserkirche liegt das Antiquariat Solder, das sich für die Krimireihe „Wilsberg“ immer in das Buchgeschäft von Privatdetektiv Georg Wilsberg wandelt.

Das kleine Antiquariat gegenüber der Überwasserkirche dient im ZDF-Krimi "Wilsberg" als Buchladen des gleichnamigen Detektivs. (Foto Karsten-Thilo Raab)
Das kleine Antiquariat gegenüber der Überwasserkirche dient im ZDF-Krimi „Wilsberg“ als Buchladen des gleichnamigen Detektivs. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Direkt angrenzend an die Überwasserkirche beherbergt zudem die nach Plänen von Max Dudler errichtete Diözesanbibliothek – die größte theologische Spezialbibliothek in Deutschland. Rund 700.000 Bücher sowie unzählige wertvolle Handschriften sind hier zu finden.

Nur einen Steinwurf entfernt erhebt sich das prächtige Münsteraner Schloss. Dieses wurde als Fürstbischöfliche Residenz zwischen 1767 und 1787 errichtet. Heute wird das dreiflügelige Gemäuer als Verwaltungsitz der Westfälischen Wilhelms-Universität mit ihren 49.000 Studierenden genutzt. Teil des liebevoll angelegten Schlossgartens ist auch der mehr als 200 Jahre alte Botanische Garten mit über 8.000 verschiedenen Pflanzenarten.

Das Münsteraner Schloss beheimatet heute die Verwaltung der Universität.
Das Münsteraner Schloss beheimatet heute die Verwaltung der Universität.

Neuer Stern am Münsteraner Kulturhimmel ist der Neubau des LWL-Museums für Kunst und Kultur. Der 50 Millionen Euro teure, von Volker Staab entworfene Komplex zwischen Domplatz und Aegidienmarkt ist zugleich ein neuer architektonischer Blickfang in Münster. Das Themenspektrum des Hauses reicht vom Mittelalter bis zur zeitgenössischen Avantgarde. Gezeigt werden Werke und Arbeiten von August Macke, Conrad von Soest, von Derick und Jan Baegert oder Conrad Felixmüller, aber auch von Max Ernst, Josef Albers oder der Zero-Gruppe.

Überaus sehenswert ist auch das Kunstmuseum Pablo Picasso Münster. Dessen Sammlung umfasst rund 800 Werke des Künstlers aus verschiedenen Perioden seines Schaffens.

Beliebter Anlaufpunkt für Kulturbeflissene: das Picasso Museum. (Foto Karsten-Thilo Raab)
Beliebter Anlaufpunkt für Kulturbeflissene: das Picasso Museum. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Daneben verfügt Münster über eine Reihe ungewöhnlicher und zum Teil einzigartiger Museen: Da ist beispielsweise das Museum für Lackkunst, das eine Sammlung mit mehr als 1.000 Objekten aus Europa, der islamischen Welt und Ostasien sein Eigen nennt. Ungewöhnlich ist sicher auch das Lepramuseum. Es ist das deutschlandweit einzige Museum, das sich mit der Geschichte, Verbreitung und Bekämpfung der Krankheit auseinandersetzt. Derweil präsentiert das Bibelmuseum neben Bibeltexten auch Papyri, Handschriften, gedruckte Bibeltexte und moderne Computerausgaben der Heiligen Schrift.

Das wohl populärste Naherholungsgebiet vor den Toren der Altstadt ist der in den 1920er Jahren angelegte Aasee. An den Ufern des 40 Hektar große Gewässers findet sich mit dem Allwetterzoo ein weiterer Besuchermagnet, der allerdings schon bessere Tage gesehen hat. Und auch der Name ist irreführend, den nur ein kleiner Teil des 300 Hektar großen Areals ist so angelegt, dass die Besucher hier trockenen Fußes die etwa 300 Tierarten mit zusammen mehr als 3.000 Tieren in Augenschein nehmen können. Und dies, obwohl es in Münster – wie eingangs erwähnt – ja nicht selten regnen soll.

Rund um das Kiepenkerl-Denkmal finden sich zahlreiche Cafés und Restaurants. (Foto Karsten-Thilo Raab)
Rund um das Kiepenkerl-Denkmal finden sich zahlreiche Cafés und Restaurants. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Allgemeine Informationen: Münster Marketing, Klemensstraße 10, 48143 Münster, Telefon 0251-4922726, tourismus@stadt-muenster.de, www.tourismus-muenster.de

Münster Information, Heinrich-Brüning-Straße 9, 48143 Münster, Telefon 0251-4922710, info@stadt-muenster.de, www.stadt-muenster.de

Krimiführungen: Stadt Lupe, Heinrich-Brüning-Straße 9, 48143 Münster, Telefon 0251-4922770, www.stadt-lupe.de. Jeweils samstags und sonntags starten um 15 Uhr in der Bürgerhalle des Rathauses 90-minütige Krimiführungen auf den Spuren der Tatort- und Wilsberg-Verfilmungen. Die Teilnahmegebühr beträgt 8 Euro (ermäßigt 7 Euro).

Markant und telegen: der Stadthaus-Turm, der in zahlreichen Tatort-Folgen in Szene gesetzt wurde. (Foto Karsten-Thilo Raab)
Markant und telegen: der Stadthaus-Turm, der in zahlreichen Tatort-Folgen in Szene gesetzt wurde. (Foto Karsten-Thilo Raab)

K3 Stadtführungen, Alter Steinweg 31, 48143 Münster, Telefon 0251-1432516, www.stadtfuehrungen-in-muenster.de. Die K3 bietet eine eigene „Tatort Münster Krimitour“ in einer Art Schnitzeljagd an. Dabei müssen die Teilnehmer anhand von Spuren versuchen, den vermeintlich verschwundenen Boerne aufzufinden. Ausgangsort ist der Innenhof des Rathauses. Die Krimitour kostet für zehn Personen 99 Euro.

Sehenswürdigkeiten: St.-Paulus-Dom, Domplatz 28, 48143 Münster, Telefon 0251-4956700, www.paulusdom.de

LWL-Museums für Kunst und Kultur, Domplatz 10, 48143 Münster, Telefon 0251-590701, dienstags bis sonntags 10–18 Uhr. Eintritt 8 Euro, ermäßigt 4 Euro.

Tierisch was los ist im Allwetterzoo, wo nicht nur Tiger aus nächster Nähe in Augenschein genommen werden können. (Foto Karsten-Thilo Raab)
Tierisch was los ist im Allwetterzoo, wo nicht nur Tiger aus nächster Nähe in Augenschein genommen werden können. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Kunstmuseum Pablo Picasso Münster, Picassoplatz 1, 48143 Münster, Telefon 0251-4144710, info@picassomuseum.de, www.kunstmuseum-picasso-muenster.de, samstags bis donnerstags 10-18 Uhr, freitags 10-20 Uhr, Eintritt 10 Euro, ermäßigt 8 Euro.

Museum für Lackkunst, Windthorststraße 26, 48143 Münster, Telefon 0251-418510, www.museum-fuer-lackkunst.de. Dienstags kann die Ausstellung, die auch mittwochs bis sonntags von 12 bis 18 Uhr geöffnet ist, von 12 bis 20 Uhr eintrittsfrei besucht werden, ansonsten beträgt der Eintritt 3 Euro, ermäßigt 2 Euro.

Lepramuseum, Kinderhaus 15, 48159 Münster, www.lepramuseum.de, Oktober bis März sonntags von 15 bis 17 Uhr und in der übrigen Jahreszeit sonntags von 15 bis 18 Uhr, Eintritt frei.

Die größte theologische Spezialbibliothek in Deutschland: die . Diözesanbibliothek. (Foto Karsten-Thilo Raab)
Die größte theologische Spezialbibliothek in Deutschland: die . Diözesanbibliothek. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Bibelmuseum der Wilhelms-Universität, Pferdegasse 1, 48143 Münster, Telefon 0251-8322580, www.uni-muenster.de/Bibelmuseum, dienstags, mittwochs und freitags von 11 bis 17 Uhr, donnerstags von 11 bis 19 Uhr sowie samstags von 11 bis 13 Uhr, Eintritt frei.

Allwetterzoo, Sentruper Straße 315, 48143 Münster, Telefon 0251-89040, www.allwetterzoo.de, Eintritt 16,90 Euro im Sommer, 12,90 Euro im Winter, im Eintritt enthalten ist der Besuch des Pferdemuseums; täglich ab 9 Uhr.

LWL-Museum für Naturkunde, Sentruper Straße 285, 48161 Münster, Telefon 0251-59105, www.lwl.org, dienstags bis sonntags von 9 bis 18 Uhr, Eintritt 5 Euro, ermäßigt 3 Euro. Neben der Ausstellung über die Entwicklung Westfalens werden hier die Überreste von Dinosauriern gezeigt. In den Komplex integriert ist auch ein Großplanetarium.

Das LWL-Museum für Naturkunde präsentiert u.a. eine stattliche Sauriersammlung. (Foto Karsten-Thilo Raab)
Das LWL-Museum für Naturkunde präsentiert u.a. eine stattliche Sauriersammlung. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Tipp: Von der 11. Etage des Stadthauses I (Eingang Klemensstraße) bietet sich ein toller Rundblick auf die Innenstadt von Münster. Dort befindet sich auch die Kantine des Rathauses. Diese steht auch Gästen offen. Geöffnet ist die Kantine wochentags bis 13.45 Uhr.

Essen & Trinken: L’Osteria, Windthorststraße 31, 48143 Münster, Telefon 0251-98291841, muenster@losteria.de, www.losteria.de. Populäres italienische Restaurant in Sichtweite des Lackmuseums mit gigantisch großen Pizzen.

Altes Gasthaus Leve, Alter Steinweg 37, 48143 Münster, Telefon 0251-4559, www.gasthaus-leve.de. Münsters ältestes Gasthaus aus dem Jahre 1607. Auf der Speisekarte finden Sie typisch westfälische und saisonale Speisen.

Münsters Bäckereien halten auch einige optische Leckerbissen bereit. (Foto Karsten-Thilo Raab)
Münsters Bäckereien halten auch einige optische Leckerbissen bereit. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Brust oder Keule, Melchersstraße 32, 48149 Münster, Telefon 0251-9179656, www.brustoderkeule.de. Kleine tagesaktuelle Karte mit Fisch und Fleisch.

Pinkus Müller, Kreuzstraße 4-10, 48143 Münster, Telefon 0251-45151, www.pinkus.de. Beliebte Kultkneipe mit eigener Brauerei.

Übernachten: Mövenpick Hotel Münster, Kardinal-von-Galen-Ring 65, 48149 Münster, Telefon 0251-8902633, hotel.muenster@moevenpick.com, www.moevenpick-muenster.com. Das Vier-Sterne-Superior-Haus liegt knapp 200 Meter Luftlinie vom Aasee. Die Münsteraner Altstadt ist fußläufig in 15 Minuten bequem zu erreichen. Doppelzimmer beginnen bei 139 Euro die Nacht.

Nur einen Steinwurf vom Aasee un der Innenstadt entfernt: das Mövenpick Hotel Münster. (Foto Mövenpick)
Nur einen Steinwurf vom Aasee un der Innenstadt entfernt: das Mövenpick Hotel Münster. (Foto Mövenpick)

Buchtipp: Ulrike Katrin Peters, Karsten-Thilo Raab: Tatort Münster – Auf den Spuren von Boerne und Thiel (ISBN 978-3-86686-442-9), Conrad-Stein-Verlag, 10,90 Euro.

Amrei Risse: Wilsberg auf der Spur – Die Schauplätze der Kult-Serie in Münster (ISBN 978-3-86686-451-1), Conrad-Stein-Verlag, 12,90 Euro.