Makrigialos – Kretas spätherbstliches Badeparadies

Fast schon kitschig-schön: Die herbstlichen Sonnenuntergänge über der Bucht von Makrigialos. (Foto: Karsten-Thilo Raab)
Fast schon kitschig-schön: Die herbstlichen Sonnenuntergänge über der Bucht von Makrigialos. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Genau 283 Schritte sind es über den ebenso feinen wie weichen und warmen Sand von einem zum anderen Ende der Bucht. 283 Schritte, die ein spätherbstliches Paradies für Sonnenanbeter und Badefreunde symbolisieren. Auf der einen Seite das türkis-blau funkelnde Mittelmeer, auf der anderen Seite die sanften Gebirgsketten im Südosten von Kreta mit ihren fast rundlichen Kuppeln und Spitzen. Unter dem fast wolkenlosen blauen Himmel haben sich die Wasser- und Lufttemperaturen zwischen angenehmen 22 und 26 Grad Celsius eingependelt. Warm genug, um nicht zu fieren, aber auch nicht so drückend heiß, wie es gerne mal im Sommer in diesem Teil Griechenlands ist.

Am gut 100 Meter breiten Strand herrscht nicht gerade drangvolle Enge. Viele der gut 150, vielleicht 180 im Sand bereitstehenden Sonnenliegen sind unbenutzt, Wenn sie reden könnten, würden sie sicherlich nach manchen beschwerlichen Sommertagen, wenn sich manch tonnenschwerer Koloss, manche unangemeldete Massendemonstration auf ihnen gewälzt haben, entspannt durchatmen.

Der in vielen südlichen Ferienregionen allmorgendlich einsetzende Wahnsinn, bei dem ganze Heerscharen von Frühaufstehern im Pyjama mit dem ersten Hahnenschrei zum Strand stürmen, um sich den vermeintlich besten Platz mit ihrem Handtuch zu sichern, ist hier völlig unbekannt. Im Gegenteil, hier im Südosten Kretas am Strand des Mikri Poli Resorts kann man insbesondere den ganzen Oktober über die Seele baumeln lassen.

Klein, ursprünglich und nur wenig touristisch: Das Fischerdorf Makrigialos auf Kreta. (Foto Karsten-Thilo Raab)
Klein, ursprünglich und nur wenig touristisch: Das Fischerdorf Makrigialos auf Kreta. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Das überaus üppige Frühstücksbuffet steht von 7.30 bis 10.30 Uhr offen, um dann direkt in das Breakfast für Langschläfer bis 12 Uhr überzugehen. Überhaupt herrschen hier ideale Bedingungen für alle, die sich im Stile eines Sumo-Ringers binnen weniger Tage vier bis fünf Kilo anfuttern möchten. Denn zwischen Frühstück und Mittagbuffet liegen gerade einmal 30 Minuten. Okay, es nur ein Angebot. Gebrauch machen, muss man davon nicht. Denn so oder so dürfte hier niemand akut Hunger leiden. Zwischen 14.30 Uhr, dem Ende des Mittagessens, und dem Beginn des Abendessens um 18.30 Uhr hält die Beachbar getoastet Sandwichs, Hamburger und täglich wechselnde Kuchen bereit. Dazu umfasst das All-inclusive-Paket Getränke bis zum Abwinken.

Ein Überangebot an Speisen und Getränken, dem allerdings nur die wenigsten verfallen. Stattdessen genießen sie die Ruhe und die perfekten Bedingungen am Strand, hüpfen ab und an ins Meer, lesen ein Buch oder machen vom umfangreichen Animationsprogramm von Yoga und Pilates über Gymnastik bis hin zu Volley- und Wasserball Gebrauch.

Das türkisblaue Wasser in der Bucht von Makrigialos lädt bis spät in den Herbst zum Baden ein. (Foto: Karsten-Thilo Raab)
Das türkisblaue Wasser in der Bucht von Makrigialos lädt bis spät in den Herbst zum Baden ein. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Spätestens nach drei, vier Tagen der Völlerei und des Müßiggangs setzt bei den meisten der Forscherdrang ein. Zunächst erklimmen sie die Klippe am östlichen Rand der Bucht, um sich einen Überblick über die Region zu verschaffen. Dann geht es am Wasser entlang in westliche Richtung, wo am Horizont das Fischerdorf Makrigialos zu erkennen ist. Am Ende der Bucht geht es durch das knietiefe Wasser in eine weitere, vielleicht halb so große Bucht. Auch hier genießen auf dem herrlichen Strand kaum mehr als eine Hand voll Leute die famosen Spätherbsttage.

Nach einem weiteren Felsvorsprung, der ebenfalls durch das Wasser watend umrundet wird, ist dann ein gut 2,5 Kilometer, fast schnurrgerader Strand erreicht, der sich bis nach Makrigialos erstreckt. Der Strand ist hier deutlich schmaler, am Rande mit Kies übersät und nicht von einer Bucht geschützt, aber ebenso menschenleer und ebenso perfekt, um die letzten warmen Tage des Jahres entspannt anzugehen.

Idylle pur: Das kleine Makrigialos. (Foto: Karsten-Thilo Raab)
Idylle pur vor einer prächtigen Bergkulisse: Das kleine Makrigialos. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Mit jedem Schritt, den Makrigialos näher rückt, wird deutlich, dass hier ein in Teilen noch ursprüngliches Stück Kreta darauf wartet, entdeckt zu werden. Typische weiß getünchte Häuser mit zwei Etagen, Flachdach, bunt bemalten Fensterrahmen und Türen und oft weinbehangen, säumen die Küstenlinie. Im Ort selber geht es an einer vielleicht 70, 80 Meter langen Minipromenade, die „Street of Dreams“, die Straße der Träume, mit alteingesessenen griechischen Cafés, Bars und Restaurants entlang. Und im kleinen Hafen dümpeln bunte Fischerboote vor sich hin.

Okay, man kann die gut 20 Kilometer ins touristisch geprägte Ierápetra mit dem Bus oder Taxi zurücklegen. Muss man aber nicht. Man kann, ja man sollte sogar fast, die fantastischen Ausgrabungsstätten von Knossos, den minoischen Palast von Káto Zákros oder die grandiose Samariá-Schlucht besuchen – muss man aber nicht. Entspannender ist es, den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen, und sich einfach mal am Strand des Mikri Polis zurückzulehnen, ein gutes Buch zu lesen und ab und zu im Mittelmeer zu plantschen.

Im kleinen Hafen von Makrigialos dümpeln bunte Fischerboote vor sich hin. (Foto: Karsten-Thilo Raab)
Im kleinen Hafen von Makrigialos dümpeln bunte Fischerboote vor sich hin. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Nach 17 Uhr lässt die Kraft der Sonne jedoch jahreszeit-bedingt spürbar nach. Dafür funkeln nach dem fast schon kitschig-schönen Sonnenuntergang über Makrigialos die Sterne umso kräftiger am Himmel. Mit dem Cocktail in der Hand sorgen zahllose Sternschnuppen schnell für ein persönliches Wunschkonzert. Und wenn kaum noch ein Wunsch übrig ist, wünschen sich viele, dass dieses herrliche Fleckchen Kreta weiter im Oktober für viele unbekannt bleibt. Aber das können wir ja quasi garantieren. Wir sind ja hier unter uns, oder?

Lage: Makrigialos liegt im Südosten Kretas, rund 120 Kilometer vom Flughafen in Heraklion entfernt.

Im Spätherbst geht die Sonne auf Kreta früh unter, zeigt sich aber von ihrer faszinierendsten Seite. (Foto Karsten-Thilo Raab)
Im Spätherbst geht die Sonne auf Kreta früh unter, zeigt sich aber von ihrer faszinierendsten Seite. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Anreise: Zahlreiche deutsche Fluggesellschaften wie Condor, Air Berlin und Tui Fly bieten mehrmals wöchentlich von vielen deutschen Flughäfen Direktflüge nach Kreta an.

Uhrzeit: Der Zeitunterschied zu Mitteleuropa beträgt ganzjährig eine Stunde. Bei der Ankunft muss die Uhr eine Stunde vorgestellt werden.

Klima: Das Klima ist geprägt durch warme trockene Sommer und milde feuchte Winter. Von Mai bis in den Herbst hinein ist das Wetter weitgehend konstant mit wenigen Niederschlägen.

Stromversorgung: 220 Volt Wechselstrom. Deutsche Flachstecker passen fast immer.