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Herbstlicher Höhepunkt: Kastanienfest im Bergell

Beim Kastanienfestival dreht sich Anfang Oktober wieder alles um die beliebten Buchengewächse. (Fotos Bregaglia Engadin Turismo)

Der Herbst im Bergell ist eine besondere Zeit: Das Südtal Graubündens hüllt sich in prächtige Farben und die Kastanie hat Hochsaison. Das feiern die Einwohner des Schweizer Tals mit dem Kastanienfestival und zahlreichen Veranstaltungen vom 1. bis 22. Oktober. Das Festival hat eine lange Tradition und stellt jedes Jahr erneut eindrucksvoll dar, wie bedeutsam die Frucht für die Bergeller ist.

Den Auftakt bildet in diesem Jahr der ganztägige Kastanienkongress am 1. Oktober. Auf die Teilnehmer wartet ein bunter Mix aus Vorträgen, kulinarischen Genüssen wie Kastanienbier und ein herbstliches Mittags-Menu, Tipps zum Einsatz der Kastanie in der gesunden Küche sowie eine Diashow zur Riesenkastanie. Die vielfältigen Themen des Kongresses geben einen Ausblick auf die vielen unterschiedlichen Angebote rund um das diesjährige Kastanienfestival. Verkostungen, Wanderungen, uralte Traditionen und jede Menge Geschichte – dabei dreht sich alles um die kleine, braune Frucht.

Die kulinarische Seite der Kastanie

Das charmante Soglio steht beim Kastanienfestival besonders im Fokus.

Einen großen Part beim Festival nimmt der gastronomische Teil ein. Bereits im Mittelalter war die Kastanie ein wertvolles Grundnahrungsmittel und in Zeiten der Hungersnot ein wichtiger Zuckerlieferant. Auch heute noch ist sie Basis zahlreicher regionaler Spezialitäten. Einen Einblick in den Wandel der Edelkastanie als Nahrungsmittel gibt Foodscout und Schriftsteller Dominik Flammer in seinem Vortrag am 6. Oktober im Hotel Palazzo Salis in Soglio. Im Anschluss können die Teilnehmer ein Drei-Gänge-Menu mit Kastanienspezialitäten genießen.

Das Aufsammeln der Kastanien ist echte Hand- und Schwertsarbeit.

Eine weitere Chance, verschiedenste Kastanienköstlichkeiten zu probieren und bei deren Herstellung über die Schulter zu schauen, bietet die Veranstaltungsreihe „Die Kastanie und ihre tausend Genussmöglichkeiten“. Bei den Terminen am 7., 13., 19. und 20. Oktober steht jeweils eine andere Spezialität im Mittelpunkt – von Kastaniengebäck über Kastanienweichkäse bis hin zur Kastanienwurst.

Genussvolles Wandern auf den Spuren der Kastanie

Mit einem Rechen und einem Korb werden die heruntergefallenen Kastanien eingesammelt.

Regionale Spezialitäten gibt es nicht nur bei verschiedensten Degustationen, sondern auch bei geführten Wanderungen durch das Bergell. Ein Highlight ist hierbei der ganztägige kulinarische Ausflug am 8. Oktober. Gestartet wird in Soglio beim Hotel La Soglina mit Kaffee und Bergeller Focaccia. Anschließend gibt es eine Führung auf den Spuren der Humanisten Michel Agnolo und John Florio, die ab 1555 in Soglio lebten und wirkten. Nach einer halbstündigen Pause inklusive einem kleinen Kastanien-Menu im Palazzo Salis, bringt das Postauto die Teilnehmer nach Promontogno, wo die Kirche Nossa Dona, die Befestigungsmauer und die Zollstation „La Müraia“ besichtigt werden.

Viel Geduld und jede Menge Muskelschmalz sind notwendig, bis der Korb gefüllt ist.

Von hier geht es zu Fuß weiter nach Bondo, vorbei an den Crotti. In diesen traditionellen Gewölbekellern lagern und reifen einheimische Produkte wie Käse, Wurst oder Bündnerfleisch. Zum Abschluss der kulinarischen Wanderungen wird in der Osteria Donato Salis in Bondo leckerer Kastanienkuchen gereicht. D

Die Möglichkeit die typischen Bergeller Crotti einmal von innen zu sehen, haben Interessierte jeden Donnerstag bei einer geführten, zweieinhalb-stündigen Tour.

Geschichte und Traditionen rund um die Kastanie

Charmante Hütten prägen den Bergell im schweizerischen Graubünden.

Die Römer brachten die Kastanie vor etwa 2.000 Jahren ins Bergell. Dort herrschen ideale klimatische Bedingungen für die Frucht. So befindet sich auch heute noch einer der größten und schönsten Kastanienhaine Europas bei den Ebenen von Brentan über Castasegna, unmittelbar an der italienisch-schweizerischen Grenze. Hier wartet ein Lehrpfad mit Informationstafeln zur ansässigen Flora und Fauna, zu den verschiedenen Kastanienarten und ihrer Kultivierung. Interessierte können während des Kastanienfestivals jeden Dienstag an geführten Touren teilnehmen. Eine uralte Tradition hautnah erleben, das kann man auch beim „Kastanienschlagen“ in Bondo.

Jeden Donnerstag kann man eine Cascina, ein klassisches Räucherhaus, besuchen und der Familie Engler-Picenoni bei der Verarbeitung der getrockneten Kastanien über die Schulter schauen.

Perfekt gereifte Kastanie.

Das allgemeine Kastanienschlagen findet in der Regel in der zweiten Novemberhälfte statt, je nach Erntezeitpunkt und Trocknung. Es lohnt sich, www.festivaldellacastagna.ch im Auge zu behalten, denn hier informiert das Bergell über den genauen Zeitpunkt – Interessierte sind herzlich eingeladen, am Kastanienschlagen teilzunehmen.

Ein Fest zu Ehren der Kastanie

Die Kastanienernte wird oft auch zum kleinen Familien-Happening.

Das Highlight während der drei Wochen im Herbst ist das Kastanienfest am 15. Oktober in Bondo. Dabei feiern die Bergeller Kastanienbauern einen ganzen Tag lang die kostbare Frucht. Tagsüber werden typische Kastanienprodukte und regionale Spezialitäten zum Kauf angeboten. Zudem gibt es einen ökumenischen Gottesdienst, Spiele für Groß und Klein, Filmvorführungen und geführte Besichtigungen einer traditionellen Cascina. Musikalisch untermalt wird der Tag durch das Oberengadiner Jodlerchörli und die Musikgruppe von Villa di Chiavenna. Den krönenden Abschluss des Kastanienfestivals bildet die Veranstaltung „Die Religion der Bäume: Der Kastanienbaum ‚Baum des Brotes‛“ in Soglio.

Das Vearbeiten der Kastanien ist ein echter Kraftakt.

Nach einem Mittags-Menu mit antiken Genüssen erzählt Antropologin Michela Zucca von der Religion der Bäume und der Abstammung des Kastanienbaums sowie über dessen Bedeutung für die Bevölkerung. Sie nimmt die Zuhörer mit in eine Zeit als die Menschen jahrhundertealte Bäume – wie die Kastanienbäume im Bergell – noch für den Quell aller Weisheit hielten, als Bäume noch Anlaufpunkte bei Glück oder Not sowie Orte für Versammlungen waren. Zudem war die Kastanie über Jahrtausende das Brot für die Bergbewohner. Weitere Informationen unter www.bregaglia.ch.

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