Von 12. April 2013 Mehr →

Fischige Knabbermassage im Aquarium

Happy Feet im Fish Foot Spa von Sliema auf Malta. (Copyright Karsten-Thilo Raab)

Happy Feet im Fish Foot Spa von Sliema auf Malta. (Copyright Karsten-Thilo Raab)

Der Eingang ist eher unspektakulär. Kein Schaufenster, nur ein kleines Schild über dem Türbogen. Das Ladenlokal an der geschäftigen Tower Road von Sliema auf Malta misst vielleicht 30, 35 Quadratmeter. Vor den zumeist weiß getünchten Wänden und in der Mitte des Raumes stehen ein gutes Dutzend blank geputzter Aquarien. Über jedem Becken befindet sich eine Sitzgelegenheit mit türkisfarbener Polsterung. Ein Engländer hat seines Füße in eines der Becken getaucht und lacht fast schon hysterisch auf. Ein wenig verlegen, lallt er eine Entschuldigung.

Zum Schreien, diese fischige Massage mit Biss. (Copyright Karsten-Thilo Raab)

Zum Schreien, diese fischige Massage mit Biss. (Copyright Karsten-Thilo Raab)

Der Untertan ihrer Majestät, die spöttisch gerne als Themsen-Elli bezeichnet wird, hat scheinbar auch ein Bier oder zwei im Vorfeld genossen. Vielleicht, weil er Durst hatte.  Vielleicht aber auch, um sich Mut anzutrinken. Schließlich ist das Aquarium nicht nur mit glasklarem Wasser gefüllt. Vielmehr tummeln sich hier rund 100 putzmuntere Fische. Und diese rötlich-grauen, vielleicht fünf bis acht Zentimeter langen Tiere stürzen sich mit weit aufgerissenem Maul voller Inbrunst auf seine Füße und Unterschenkel. Dabei knabbern und nuckeln die Saugbarben mit scheinbar wachsender Begeisterung an den eingetauchten Extremitäten des kichernden Engländers herum.

„Möchten sie das auch einmal probieren“, fragt die junge Mitarbeiterin. Dabei scheint ihr mein skeptischer Blick nicht zu entgehen. „Das kitzelt ein bisschen, ist aber eine absolute Wohltat für die Füße“, lässt sie mich wissen. Dabei scheint ihr klar zu sein, dass sie wohl noch ein wenig Überzeugungsarbeit leisten muss. Und schon sprudelt es aus ihr heraus: „Die Fische nagen die überflüssige Hornhaut ab, befreien die Füße von abgestorbenen Hautschuppen und sorgen so gleichzeitig für eine entspannende Fußmassage“, beteuert die Mitarbeiterin.

Mit Blick auf die gierige Fisch-Traube an den Füßen und Zehen des Engländers zögere ich noch ein bisschen. Unweigerlich drängt sich das Bild von Piranhas auf, die meine geliebten Füße binnen Sekunden bis auf die Knochen abnagen würden. Da lacht der lustige Engländer wieder laut auf. Sofort versichert die Verkaufskraft: „Das tut wirklich nicht weh.“

Ein Hochgenus für Saugbarben: menschliche Füße. (Copyright Karsten-Thilo Raab)

Ein Hochgenus für Saugbarben: menschliche Füße. (Copyright Karsten-Thilo Raab)

Auch die Frau, die mir die Welt erklärt, stimmt in die Überzeugungsarbeit mit ein: „Mann oder Memme?“, fragt sie, was ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen will und kann. Und schon streife ich mir Schuhe und Socken ab. Die Fisch-Spa-Fachkraft reinigt meine Füße gründlich unter eiskaltem Wasser und lächelt mich an: „Suchen sie sich ein Becken aus!“

Ich setze mich mit angezogenen Beinen auf die Bank direkt neben den Engländer. Ein unbewusste Wahl, die vermutlich damit zusammenhängt, dass ich hoffe, dass mir der einzige andere Mann im Laden im Fall der Fälle zur Hilfe eilen könnte, auch wenn er leicht angesäuselt ist.

Vorsichtig strecke ich Beine und Füße Richtung Wasser. Die 100 Augenpaare der Fische scheinen auf meine beiden großen Onkel und ihre Nachbarn fixiert. Ich zucke zurück. Irgendwie wirkt die Fischmeute, als sei sie seit Tagen nicht gefüttert worden. „Do it“, fordert mich der Untertan der Themsen-Elli auf. Ich nehme all meinen Mut zusammen und tauche die Füße in das Aquarium mit dem wohlig warmen Wasser ein. Kaum eine Sekunden später schnappen die Fische bereits gierig nach meinen Gehapparaten und ich nach Luft. Plötzlich sind die kleinen Biester, die vom Stamme Nimmersatt zu sein scheinen, überall: auf dem Fuß, unter dem Fuß und sogar zwischen den Zehen. Eine leichte Panik kommt auf. Ich reiße die Beine hoch.

Massagesalon der anderen Art: Das mit Kangalfischen gefüllte Aquarium. (Copyright Karsten-Thilo Raab)

Massagesalon der anderen Art: Das mit Kangalfischen gefüllte Aquarium. (Copyright Karsten-Thilo Raab)

„Das dauert nur ein paar Minuten, dann haben Sie sich daran gewöhnt“, versichert die Fisch-Spa-Fachkraft und ich mache zum zweiten Mal binnen weniger Minuten einen auf echten Mann. Diesmal beiße ich die Zähne zusammen, obschon es mächtig an den Füßen kitzelt. Um mich abzulenken, erzählt mir die Mitarbeiterin ein wenig mehr über ihre putzigen Helferlein.

„Wir beziehen unsere Fische aus der Türkei“, sagt sie und lässt mich wissen, dass es sich bei den schwimmenden Fußfetischisten um Kangalfische handle. Diese bis zu 14 Zentimeter großen Schwarmfische, die mit lateinischen Namen Garra rufa heißen, seien auch als Saugbarben bekannt. Ihr natürlicher Lebensraum im anatolischen Hochland ist durch warmes und planktonarmes Wasser, das durch Thermalquellen gespeist wird, geprägt. Notgedrungen haben sich die Fische ihrer Umgebung angepasst und in den Hautschuppen badender Menschen einen schmackhaften Nahrungsersatz gefunden. So gesehen ist die Fisch-Pediküre für Mensch und Kangalfisch gleichermaßen eine Win-Win-Situation, von der beide auf ihre Art profitieren. Zumal die Fischtherapie auch helfen kann, Hautkrankheiten wie Schuppenflechte zu lindern.

Fischiger Hochgenuss mit Pflegewirkung für den Menschen. (Copyright Karsten-Thilo Raab)

Fischiger Hochgenuss mit Pflegewirkung für den Menschen. (Copyright Karsten-Thilo Raab)

Ein patentiertes Wasserkreislaufsystem mit Aktiv-Filter sowie sterilisierende UV-Lampen sorgen dafür, dass die Fische mit genügend Sauerstoff versorgt werden und die Kunden ihre Füße in hygienisch sauberes Wasser tauchen. Auch die Fische selber sind unter ständiger Beobachtung – und dies nicht nur von den Kunden. Wenn die Saugbarben zu groß werden, müssen sie dem Nachwuchs Platz machen. Denn größere Exemplare verfügen auch über einen festeren Biss, der durchaus unangenehm sein könnte. Die Fische werden dann auf ihr Altenteil in einen Fluss oder See entlassen.

„Demnächst wollen wir auch Ganzkörperbecken bauen“, lässt mich die aufmerksame Mitarbeiterin wissen. „Da muss aber keiner ganz nackt rein hüpfen. Badehose oder Bikini sind erlaubt“, fügt sie lächelnd hinzu, während das Klingeln der Zeitschaltuhr den Fischen signalisiert, dass das 15-minütige Naschen an meinen Zehen nun ein Ende hat. Irgendwie schade – und dies nicht nur aus Sicht der Garra rufa. Gerade hatte ich mich an dieses Geknabbere gewöhnt.

Und ganz ehrlich, nach diesem Treatment tritt man im wahrsten Sinne des Wortes ganz anders auf. Die Füße sind auf einmal weich und geschmeidig – wie frisch durchgeknetet. Auch wenn hier niemand Hand angelegt hat, sondern eine Fischmaulmassage hier Wunder wirkte. Sogar so sehr, dass die Füße noch Stunden später wohlig kribbeln.

Allgemeine Informationen: Fremdenverkehrsamt Malta, Schillerstraße 30-40, 60313 Frankfurt, Telefon 069-285890, www.urlaubmalta.com.

Informationen: Bubbles Fish Foot Spa, 126/B Brighton Flats, Tower Road, SLM 1604 Sliema, Malta, Telefon 00356-(0)99 424 066.

Preise: Ein 15-minütige Fisch-Pediküre kostet 9 Euro (Kinder 7 Euro), 30 Minuten werden mit 15 Euro berechnet.

Nach 15 Minuten Knabberspaß sind die Füße wohlih weich. (Copyright Karsten-Thilo Raab)

Nach 15 Minuten Knabberspaß sind die Füße wohlig weich. (Copyright Karsten-Thilo Raab)

Anreise: Air Malta bietet Direktflüge von Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München nach Malta an. Weitere Informationen unter www.airmalta.com.

Sprache: Maltesisch; auch Englisch wir überall gesprochen.

Währung: Zahlungsmittel ist der Euro.

Essen & Trinken: Caffe Cordina, Republic Street, Malta, Telefon 00356-2123-4385, www.caffecordina.com. Beleibtes Café an der Piazza Regina mit kleiner Karte und exzellenten handgemachten Kuchen und Torten.

Fortizza, Tower Road, Sliema, Malta, Telefon 00356-2720-4499, www.fortizzamalta.com. Britisch geprägtes Restaurant in einem historischen Gebäudekomplex. Auf den Tisch des Hauses kommen italienische und maltesische Speisen.

Übernachten: Victoria Hotel, Gorg Borg Oliver Street, Sliema, Malta, Telefon 00356-2133-4711, www.victoriahotel.com. Vier-Sterne-Hotel rund fünf Gehminuten vom steinernen Fond Ghadir Beach.

Tipp: Die schönsten Impressionen aus Malta und Gozo hat Mortimer-Reisemagazin-Redakteur Karsten-Thilo Raab unter dem Titel „Faszination Malta“ in einem neuen Wandkalender zusammengestellt. Erhältlich ist dieser in den Formaten A2 bis A5 für Preise zwischen 18,90 und 49,90 Euro im Buchhandel, im Kalendershop des Mortimer Reisemagazin sowie bei Amazon.

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