Von 8. November 2017 Mehr →

Darwin – Krokodilfieber in Australiens Top-End

Fast schon kitschig schön: der legendäre Mindil Beach in Darwin während des Sonnenuntergangs. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Jedes Paradies hat bekanntlich einen Stich. Das gilt auch für Darwin. Die Hauptstadt des australischen Northern Territories darf sich rühmen, über einige der schönsten Strände des Fünften Kontinents zu verfügen. Doch nur die wenigsten wagen es, in das türkisblaue Wasser des Beagle-Golfs, einem Teil der Timorsee, genussvoll zu plantschen. Schließlich tummeln sich in den Gewässern rund um Darwin nicht weniger als 80.000 (!) Krokodile. Darunter die gefürchteten „Salties“, die sich sowohl in den Flüssen und Seen als auch im Meer heimisch fühlen.

Die mächtigen Krokodile können einem die Badelaune an Darwins Stränden verderben. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Doch dies tut der Lebensfreunde in Australiens nördlichster Stadt kaum einen Abbruch. Im Gegenteil. Nach der Regenzeit, wenn die Temperaturen wieder sinken und die Einwohner der 140.000-Seelen-Gemeinde ihr Leben verstärkt ins Freie verlagern, sind zwei Abende der Woche fest für die Sunset Markets am prachtvollen Mindil Beach reserviert. Die zwischen April und Ende Oktober stattfindenden Märkte genießen längst Kultstatus und sind Ausdruck der Lebensfreude, Entspanntheit und des multikulturellen Charakters einer Stadt, in der Menschen aus 75 Nationen zuhause sind.

Partystimmung am Mindil Beach

Auch an der malerischen Fannie Bay lässt sich die Abenstimmung genießen. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Sobald sich die Sonne verabschiedet und der Himmel in Blau, Orange und Lila erstrahlt, stürmen Jung und Alt an den herrlich weiten Strandabschnitt. Zahlreiche Stände bieten Gemälde, Skulpturen, selbstbemalte Didgeridoos und Boomerangs an, während Musiker, Kartenleser und Zauberer für eine wahrhaft magisches Erlebnis sorgen. Mehr als 60 Stände mit internationalen Gaumenfreuden tauchen die Umgebung in einen exotischen Duft und laden Besucher auf eine kulinarische Weltreise ein. Erhältlich sind dabei auch Emu-, Känguru- und Krokodilsfleisch in allen erdenklichen Varianten.

Ein ungewöhnlicher Spaßwettbewerb: Die Dosenbootregatta im australischen Darwin.

Bekannt ist der Mindil Beach auch als Austragungsort einer der wohl ungewöhnlichsten Wettbewerbe in ganz Australien, der (Bier-) Dosenbootregatta. Gestartet wird dabei mit schwimmbaren Untersätzen, die – wegen der besseren Optik – nur aus Dosen einer einzigen, zuvor ausgewählten Biersorte, ein paar stabilisierenden Streben sowie ein wenig Kleber bestehen dürfen.

Kuriose Dosenbootregatta

Neues Prestigeprojekt in der Hauptstadt des Northern Territories: Das Darwin Convention Centre. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Für die Herstellung eines einigermaßen stabilen Bootes werden gut 4.000 leere Dosen, für die großen, zehn Meter langen Boote gar 30.000 Dosen benötigt. Um die Boote bauen zu können, gönnen sich die feierlustigen Australier daher monatelang im Vorfeld des Events gerne das eine oder andere (Dosen-) Bierchen. Und natürlich auch bei der Regatta selbst, wenn es mit dem angepeilten Sieg nichts geworden ist.

Das neue hippe Viertel entlang der Waterfront mit Badelagune und Parks. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Gefeiert wird aber auch in Downtown Darwin – und hier vornehmlich entlang der Mitchell Street, wo sich dicht an dicht szenige Bars, Cafés und Restaurants, aber auch Theater, ein Spielcasino und ein Freiluftkino befinden. Zudem lauern an der Mitchell Street Krokodile: Als eine Art Zoo, der ausschließlich auf die gefährlichen Reptilien spezialisiert ist, präsentiert die Crocosaurus Cove rund 200 Crocs – darunter auch den mehr als 80 Jahre alten und 700 Kilogramm schweren „Burt“, der in den legendären Crocodile Dundee Filmen eine Hauptrolle spielte. Wagemutige können auch im „Cage of Death“, einer runden Kapsel mit stabilem Glas, in ein Krokodil-Becken abtauchen.

Gefahrloser Badespaß in der Waterfront Lagune

Badespaß in der Waterfront Wave Lagoon. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Ganz ohne Nervenkitzel lässt sich an der neuen Darwin Waterfront baden. Südlich der Smith Street, der Haupteinkaufsachse, entstand rund um die historische Stokes Hill Wharf binnen weniger Jahre ein neues hippes Freizeitareal mit einladender Lagune, Wellenbad, künstlichem Strand, großzügigen Parkanlagen und jeder Menge Restaurants und Bars. Das „Indo Pacific Marine“ gewährt hier einen Einblick in die Unterwasserwelt vor der Küste des Top Ends mit ihren bunten Korallen und Fischen. Mittwochs, freitags und sonntags sogar nach Einbruch der Dunkelheit.

Das Parlamentsgebäude des Northern Territories wird von Palmen gesäumt. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Derweil weht durch die fünf Kilometer langen WW2 Oil Storage Tunnels, in denen während des 2. Weltkriegs der Treibstoff der australischen Luftwaffe lagerte und die heute als Museum dienen, der Hauch der Geschichte. Ansonsten weist das 1869 aus der Taufe gehobene Darwin nicht viel Historisches auf. Schuld daran sind drei verheerende Tropenstürme in den Jahren 1897, 1937 und 1974, die die Stadt in Schutt und Asche zerlegten. Als stummes Mahnmal für diese windigen Schicksalsschläge dienen die Ruinen der Old Town Hall an der Smith Street.

Darwin als Tor zu den famosen Nationalparks

Die Smith Street ist Darwins wichtigste Shoppingmeile. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Als Stadt, die sich zwangsläufig immer wieder neu erfinden musste, ist Darwin zudem ein idealer Startpunkt für Touren in die umliegenden Nationalparks Litchfield und Kakadu. Letzterer ist gleichzeitig Natur- und Weltkulturerbe der UNESCO und bekannt für seine atemberaubende Flora und Fauna sowie für seine Felsmalereien. Litchfield wiederum besticht durch seine spektakulären Wasserfälle wie die Tolmer, Florence oder Wangi Falls und die Magnetic Termite Mounds. Hinter diesem Naturphänomen verbergen sich flache, bis zu vier Meter hohe Termitenhügel, die exakt in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet und weltweit nur hier zu finden.

Im Litchfield National Park finden sich bgroßartige Badeplätze wie hier am Buley Rockhole. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Im Arnhemland, das östlich an den Kakadu Nationalpark grenzt, zeigen Aborigines bei geführten Touren und Safaris auch einige ihrer heiligen Stätten sowie einige der faszinierenden Felsen- und Höhlenmalereien ihres Stammes. Unter zumeist mächtigen Felsen befinden sich jene Höhlen, in denen die Urahnen Schutz und Unterschlupf suchten, und in denen ganze Generationen das Licht der Welt erblickten. Die Wände sind verziert mit unzähligen Malereien. Sie alle sind mit Handabdrücken des jeweiligen Künstlers signiert.

Einblick in das Leben der Aborigines

Nur im Litchfield National Park sind die beeindruckenden Magnetic Termite Mounds zu finden. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Einige Motive zeigen Emus, Kängurus oder Stationen des Lebens. Andere erzählen von der Regenbogenschlange, der Rainbow Serpent oder Yirmbal. Die mythologische Figur bewohnt, so die Vorstellung der Aborigines, während der Trockenzeit die wenigen verbliebenen Wasserlöcher und kontrolliert das Wasser als den kostbarsten Rohstoff überhaupt. Als unberechenbarer Gegenspieler der Sonne bringt sie den erhofften Regen. Sie steht deshalb als Symbol für das beginnende Leben. Ein Leben, das die Aborigines trotz moderner Einflüsse (nicht nur) im Arnhemland in Teilen noch wie vor 50.000 Jahren kultivieren. Weitere Informationen unter www.tourismtopend.com.au.

Nicht nur in den Nationalparls wimmelt es an Kängeruhs. (Foto Karsten-Thilo Raab)

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