Von 28. Januar 2017 Mehr →

Traumhafte Lofoten – von Svolvær auf die Fløya

Ein Stück Lofoten wie aus dem Bilderbuch: Svolvær im Abendlicht. (Foto Astrid Holler)

Wandern auf den Lofoten ist etwas ganz Besonderes. Die Lofoten, ein Inselarchipel in Nordnorwegen, werden unter Skandinavien-Reisenden immer beliebter – und das zu Recht. Eindrucksvoll sind die schroff aus dem Meer aufragenden Berge, die nahe Svolvær bis zu 600 Meter hoch sein können. Einer davon ist die Fløya.

Die 590 Meter hohe Fløya ist der Hausberg von Svolvær, der größten Stadt auf den Lofoten und – das sollte man nicht verschweigen – der einzigen Stadt dieser Inselwelt. An der Flanke der Fløya befindet sich ein Felsturm namens Svolværgaita (330 Meter), dem die Natur das Aussehen einer riesigen Ziege mitsamt zweier Hörner auf ihrem Haupt gegeben hat. Will man den Gipfel der Fløya erreichen, so läuft man an diesem Fels vorbei und dann im großen Bogen auf dem Gipfelgrad bis zur Bergspitze. Eigentlich ist das problemlos, es sei denn, man gehe nicht vor, sondern hinter der Svolværgaita bergan. Dieser Weg ist dann etwas schwieriger.

Wandern in seiner ursprünglichsten Form

Eine Ziege aus Granit, die Svolværgaita. (Foto Astrid Holler)

Das wundervolle an nordnorwegischen Wanderwegen ist der Weg an sich. Hier in Nordnorwegen ist Wandern etwas, dass zum alltäglichen Leben dazugehört und gleichzeitig in sehr ursprünglicher Weise praktiziert wird. Jedenfalls scheint hier die Definition in etwa so zu sein: Ein einfacher Weg ist ein Weg, den man tatsächlich mit etwas Übung – sagen wir – im dichten Unterholz oder im Felslabyrinth findet, und der ungefähr dort entlang verläuft.

Ein mittelschwerer Weg verläuft auch ungefähr dort entlang. Die Wahrscheinlichkeit, dass man ihn findet und nicht mit einer Tierspur, einem Flussbett oder einer, der Falllinie folgenden, Schuttrinne verwechselt, ist jedoch gering. Falls man Glück hat und auf dem richtigen Weg läuft, erschließt sich der Unterschied meist sowieso nicht. Schwere Wege gibt es in Nordnorwegen keine. Schließlich kommt man immer irgendwie zum Ziel. Zumindest als Norweger.

Rüstige Omas und Kleinkinder auf der Überholspur

Beim Wandern auf den Lofoten geht es im wahrsten Sinne des Wortes über Stock und Stein. (Foto Astrid Holler)

Als Tourist – mit einiger Alpenerfahrung – stellte man überrascht fest, dass man sich offenbar bisher immer in einer Art Schutzraum namens „Bergpfad“ oder „schwierige Alpentour“ bewegt habe, bevor man von der nächsten norwegischen Großfamilie samt Oma und Kleinkind überholt wird.

Oder aber der Weg, der sich über viele Höhenmeter klar und eindeutig am Fuße der Fløya empor schlängelte, entpuppt sich als Irrtum, was ziemlich häufig vorkommt, da die Felsengeiß Svolvær das Hinterteil zuwendet und es gar nicht eindeutig ist, was nun „vor“ und was „hinter“ der Gaita bedeutet.

Von einem Ziegenhorn zum nächsten

Das unbeschreibliche Gipfelpanorama lohnt die Mühen des Aufstiegs. (Foto Astrid Holler)

Entscheidet man per Münzwurf und läuft einen breiten und gut ausgetretenen Weg hinauf, so kann dies der völlig falsche sein, der direkt vor einer Kletterstelle endet. Gut 200 Höhenmeter über dem Startpunkt und vor einer etwa 50 Meter hohen und steilen Felswand, die im Joch zwischen Svolværgaita und Fløya mündet. Der Fels ist fest, die Kletterei jedoch ohne Klettererfahrung im Gebirge und die richtige Ausrüstung nicht zu empfehlen.

Oben angekommen steht man an einem der beeindruckensten Kletterfelsen, die die Lofoten mit der Svolværgaita zu bieten haben. Mit Glück lässt sich hier eine Seilschaft beobachten. Das ist durchaus spannend, denn der Höhepunkt jeder Klettertour auf die Gaita ist der Sprung am Gipfel, von einem Ziegenhorn zum anderen. Beinahe jedes Prospekt des hiesigen Touristenbüros ziert ein Foto vom Sprung.

Schnee bis weit in den Sommer hinein

Eine faszinierende Laune der Natur: Die Teufelsbrücke. (Foto Astrid Holler)

„Wir haben es uns extra bequem gemacht und hatten einen richtigen Logenplatz. Aber den Gefallen haben uns die beiden Kletterer nicht getan – schade.“, berichten zwei Wanderer.

Kein Wunder: Der Spalt zwischen den Hörnern ist auch beeindruckend breit. Das war nicht immer so. Im Winter 2006/07 brach ein großer Felsblock aus dem linken Horn aus, so dass bei einem Sprung jetzt eine größere Lücke zwischen Absprung- und Landeplatz klafft.

Ende Juni ist hier auf den Lofoten in Meereshöhe gerade der Frühling in den Sommer übergegangen. Weiter oben, dass heißt ab etwa 300 Metern liegt noch vereinzelt Schnee und die ersten grünen Triebe verkünden dort oben den Beginn der Vegetationsperiode. Moose, Heidekraut und Flechten wechseln sich mit Blütenteppichen aus Siebenstern und Moltebeere ab.

Tausende kleine Schäreninseln

Oberhalb der Baumgrenze werden die An- und Aussichten mit jedem Schritt beeindruckender. (Foto Astrid Holler)

Je höher man steigt, um so fantastischer wird die Aussicht. Die Inselwelt der Lofoten mit ihren tausenden kleiner Schäreninseln und den gewaltig aus dem Meer aufragenden schneebedeckten Gipfeln. Dazwischen winzig und zusammengedrängt die wenigen besiedelten Flecken. Land, dass der Natur abgetrotzt wurde. Darüber ein blauer Himmel, von dem jetzt um Mitternacht die Sonne aus nördlicher Richtung strahlt.

Knapp unterhalb des Gipfels erreicht man die Teufelsbrücke, ein Klemmblock in einer Felsscharte. Ein Felsentor, dass den Blick freigibt auf die alpine Bergwelt am Austnesfjord. Senkrecht fällt hier der Berg um fast 400 Meter ab.

Melange aus Hochgebirge, Meer und Himmel

Blick auf die Fløya von Svolvær aus. (Foto Astrid Holler)

Schließlich ist der Gipfel erreicht und belohnt mit 360-Grad-Aussicht auf die gewaltige Lofotenlandschaft aus Hochgebirge und Meer, Fischerdörfern und jeder Menge Himmel. Vor dem Wanderer über zahlreiche Inseln ausgebreitet liegt Svolvær. Eine Wanderung um Mitternacht bei strahlendem Sonnenschein – eines der beeindruckensten Erlebnisse, dass die Polarregion zu bieten hat. In wenigen Stunden wird die Stadt erwachen und auf ihre nordische Art pulsieren und brodeln. Das alles macht das Wandern auf den Lofoten so besonders – zu etwas Eigenem eben!

Wissenswertes zum Wanderweg

Die Beschilderung ist einfach und in großen Abständen. (Foto Astrid Holler)

Aufstieg/Abstieg je 590 Meter, ca. zwei Stunden Der offizielle Einstieg zum Wanderweg befindet sich im Stadtteil Øverværet. Von der E10 aus biegt man am Friedhof links in den Øverværveien und dann nach rechts in den Blåtindenveien. Nach etwa 100Metern zweigt in einem Straßenknick ein Weg in Richtung Waldrand ab. Dort befindet sich ein Hinweisschild „STI“.

Der Weg ist durchgehend markiert (wenn auch mit einigem Abstand). Die Wegmarke ist ein rotes „T“. Kurze, mit Seilen versicherte Passagen sind die Ausnahme. Meistens ist der Weg ohne Hilfen begehbar. Ausgesetzte Wegstücke und die nicht immer einfache Wegfindung ergeben eine anspruchsvolle Wanderung, die zu keinem Zeitpunkt langweilig ist.

Steiler, aber lohnender Anstieg

Oberhalb der Baumgrenze nimmt der Steilheitsgrad zu. (Foto Astrid Holler)

Knapp unterhalb der Baumgrenze zweigt ein deutlicher Weg nach rechts ab. Dies ist der Pfad zur Svolværgaita. Der Anstieg lohnt sich, wenngleich der Weg hier sehr steil ist und über Geröll und lose Steine führt. Der reguläre Weg auf die Fløya führt weiter zunächst über die Baumgrenze hinaus, durchquert dann ein weitläufiges Tal bis zu dessen Ende in Richtung Norden. Dort knickt der Weg schließlich in nordöstliche Richtung ab und führt – vorbei an der Teufelsbrücke – auf den Gipfelgrad der Fløya. Der Gipfelgrad erfordert nochmals Trittsicherheit, zuweilen auch kurzes Klettern im niedrigen Schwierigkeitsgrad. Wie bei den meisten Wanderungen in Nordnorwegen ist aussagekräftiges Kartenmaterial Mangelware.

m Norden Norwegens ist Wandern ein Erlebnis mit berauschenden Landschaftsimpressionen. (Foto Astrid Holler)

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