Gardasee geht immer – gerade im Herbst

Gardasee
Fast schon kitschig schön: Die Abendstimmung am Gardasee. – Foto: Honza Klein

Die gute Nachricht gleich zu Beginn: Vor allem auch für all die Klima-Endzeit-Propheten. Der Gardasee ist gut mit Wasser gefüllt. Auch vor dem Örtchen Torri del Benaco, welches Gardasee-Kundige als Hafen für die Autofähre zum Westufer kennen, plätschern noch die Wellen. Direkt am kleinen hufeisenförmigen Hafen, der auf der einen Seite von der Sacliger-Burg aus dem 14. Jahrhundert, in deren Garten übrigens die ältesten Limonen Bäume am See wachsen (gepflanzt im 17. Jahrhundert), sowie von Restaurants umrahmt wird, liegt in der Mitte das Rathaus. Das Amtszimmer, natürlich mit Blick auf den See. Dort sitzt Stefano Nicotra und leitet die Geschicke seiner Gemeinde. Sein Schreibtisch lässt erkennen, dass es viel zu arbeiten gibt. In den vergangenen Jahren ist sein Job nicht einfacher geworden, wie er erzählt.

Stefano Nicotra kümmert sich mit großem Engagement um die Belange von Torri del Benaco. – Foto: Honza Klein

„Der Tourismus ist unser wichtigster Wirtschaftszweig, aber erst kam Corona und dann die anschließende Wirtschaftskrise, gefolgt vom Ukrainekrieg“, meint er etwas besorgt. Dazu sei Im jahre 2022 ein ziemlich kalter Juni gekommen und etliche Herbergen, ob nun Hotels, Ferienwohnungen oder Campingplätze waren nicht so gut gebucht. „Na klar, die hohen Benzinkosten, auch in Deutschland machen es schwerer, zu uns zu kommen“, sagt er. „Wir sind bei den Touristenzahlen 2023 um 20 Prozent unter denen von 2019.“ So blickt er auch nicht besonders optimistisch auf 2024. „Die Preise steigen und vermutlich werden die Menschen dann am Urlaub sparen“, so sein Fazit.

Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung

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Gemütlich dümpeln die Boote im abendlichen Hafen von Torri del Benaco. – Foto: Honza Klein

Trotzdem oder gerade deshalb will er seinen Ort und den gesamten See noch attraktiver gestalten. „Wir planen den Bau eines neuen Sportboothafens direkt neben dem Kastell.“ Dort sollen dann Einheimische Liegeplätze erhalten. Vor allem soll es Mietboote geben und die Möglichkeit, auf dem Anhänger mitgebrachte Boote zu Wasser zu lassen und ein paar Tage dort zu liegen. „Torri liegt in der Mitte des Sees und so kann man ihn bequem nach allen Richtungen auf dem Wasser erkunden.“ In ca. vier Jahren soll alles fertig sein.

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Auch wenn die Tourismuszahlen gesunken sind, ist am Gardasee tierisch was los. – Foto: Honza Klein

Doch auch an Land ist einiges geplant. Bis auf den kleinen Teil des spektakulären Radweges, der am Westufer praktisch am Felsen über dem See thront, ist es ja nicht eben ein ganz ungefährliches Vergnügen, mit dem Rad unterwegs zu sein. Gerade in der Saison schieben sich die Autos dicht an dicht auf der Uferstraße. Da wird es für Radler schnell eng. „Nun wollen wir auch hier die Wege ausbauen und auf unserer Seeseite eigene Radstraßen in den See setzen“, kündigt er an.

Großartige Herbststimmung

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Eine „Knutschkugel“ zum Verlieben. – Foto: Honza Klein

Nebenbei als kleine Gossip-Story: Die Geissens haben in den Hügeln von Torri zwei Grundstücke gekauft. Man darf gespannt sein, was dort gebaut wird. Aber zurück zu den seriösen Geschichten: Auch jetzt im Herbst ist eine Reise an den Gardasee lohnend. In den Touristen-Hot-Spots wie Bardolino, Lazise, Malcesine, Sirmione oder auch Limone ist es nicht ganz so voll wie im Sommer und auch die Hotelpreise sind günstiger. Man sieht auch mal etwas von den mittelalterlichen Städten und nicht nur Touristenmassen.

Spektakulär und mehrfach filmisch in Szene gesetzt: Die Brasa-Schlucht. – Foto: Honza Klein

Dazu kommt der erwähnte Verkehr. Eben jetzt im Herbst nicht mehr mit ganz so viel Stau auf der den See umschließenden Straße. Da lohnt dann zum Beispiel auch ein Besuch der Brasa-Schlucht unweit von Limone. James Bond lieferte sich hier in typischer Manier im Film „Ein Quantum Trost“ eine Verfolgungsjagd. Winston Churchill bezeichnete die sechs Kilometer lange Straße bei seinem Besuch 1949 gar als das 8. Weltwunder. So sollte man ganz allgemein auch die Umgebung des Sees erkunden.

Grandiose Genussmomente am Gardasee

Unbedingt empfehlenswert ist ein Besuch der Taverna Kus. – Foto: Honza Klein

Die Orte sind weniger touristisch, man ist eher im traditionellen Italien. Etwa in San Zeno di Montagna. Beim Besuch der Taverna Kus sollte man sich, auch wenn man auf der anheimelnden Terrasse einen Platz hat, unbedingt vom Eigentümer Giancarlo Zanolli eine kleine Führung im Inneren geben lassen. Die Einrichtung ist mehr als sehenswert und im Weinkeller ist sicherlich bei den meisten Besuchern ein „Oh wie toll“ zu hören. Ein langer, schmaler, dunkler Mauergang führt in einen ehemaligen Eiskeller, der wahre Weinschätze beherbergt.

Genuss wird rund um den Gardasee großgeschrieben. – Foto: Honza Klein

Unweit von San Zeno di Montagno, wo einst die Städter aus Verona und Mantua dem heißen Sommer entflohen, weil es hier oben ein wenig luftiger und kühler ist als in den Städten und direkt am See, hat die Bayerin Renate Koblbauer zusammen mit ihrem italienischen Ehemann mit dem Relais San Zeno eine wunderbare Hotelalternative geschaffen, die sicherlich zu den schönsten Unterkünften am See zählt. Zwei Ferienhäuser, von deren Terrasse man einen Blick zu beiden Enden des Sees hat. Links Sirmione, rechts Riva. Man kommt aus dem Staunen nicht raus.

Faszinierender Sardinen-Kult

Frittierte Sardinen kommen in der Trattoria Da Pino auf den Tisch. – Foto: Honza Klein

So könnte man noch viele, viele Lieblingsorte am See benennen. Selbst wer seit Jahren immer wieder kommt, wird Neues entdecken. Etwa die etwas unscheinbar in Garda gelegene Trattoria Da Pino, die nicht mal eine eigene Website hat. Dafür trifft man hier den Bürgermeister, viele Einheimische und die Familie Malfer bringt frischen Fisch aus dem See auf den Tisch. Zum Beispiel frittierte Sardinen.

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Mortimer-Reisemagazin-Mitarbeiter Honza Klein beim Weinfest in Bardolino.

Übrigens – auch dafür gibt es ein Fest. Die Sardellata al chiar de luna, das Sardinenfest, immer im Juli, mit Bootstouren, Fischessen an Bord und Feuerwerk über dem See. Nicht zu vergessen das Chiaretto-Fest und das Weinfest in Bardolino. Entlang der Uferpromenade reihen sich die Stände der Weingüter. Ein Verkostungsmarathon, der an einem Tag nicht zu schaffen ist. Sehr schön ist auch das Maronenfest in San Zeno di Montagna. Irgendwo wird immer gefeiert.

Verwöhnmomente am Gardasee

Augusto Bertoldi serviert selbstgemachte Salami. – Foto: Honza Klein

Und dann sind da noch die ganz, ganz versteckten Schätze. Diese gibt es wirklich nur für Einheimische und manchmal für Gäste. Es soll allein in Garda noch so um die 60 kleine Familienweinkeller geben. So wie den von Augusto Bertoldi. Gerade in der Hitze des Sommers ein guter Ort. Dort wird mit Freunden und Familie der eigene Wein getrunken und selbstgemachte Salami und auch Limoncello verkostet. Vielleicht findet sich ja mal ein Organisator für kleine Genusstouren durch diese Keller. Das wäre dann ein weiteres Fest am See.

Doch zurück zu den wenigen Kilometer von Garda nach Torri del Benaco. Direkt am Ufer des Sees liegt das Hotel Galvani. Wenige Minuten Fußweg sind es in die Altstadt. Oder man genießt den immer wieder schönen Sonnenuntergang von einer der Terrassen des Vier-Sterne-Hauses. Wer mag, können dies ebenfalls tun. Das Mortimer Reisemagazin hat im Hotel Galvani ein Zimmer für zwei, für drei Nächte reserviert. Jetzt kehrt aber erst einmal Ruhe ein. Auch Hoteliers machen mal Urlaub. Los geht es wieder am 26. März 2024.

Keine Pause indes gönnt sich Stefano Nicotra. Oder anders: „Ich habe 365 Tage lang Urlaub, weil ich hier an diesem schönen Ort arbeiten darf“, sagt er lachend zum Abschluss.

Es waren drei Nächte im Hotel Galvani zu gewinnen

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Traumhaft ist nicht nur die Poollandschaft im Hotel Galvani. – Foto: Honza Klein

Das Mortimer Reisemagazin verloste in Zusammenarbeit mit dem Hotel Galvani drei Übernachtungen für zwei Personen in eben diesem Vier-Sterne-Hotel in Torri del Benaco am Gardasee – Termin nach Absprache. 


Die Recherche fand auf Einladung/mit Unterstützung des Hotels Galvani statt.

Honza Klein

Der Berliner hat für diverse Radiosender gearbeitet, war viele Jahre Redakteur bei der Berliner Morgenpost, hat an Büchern über Berlin mitgearbeitet und ist u.a. Autor für die Super Illu und Gastgeber einer Talksendung bei TV Berlin.