Von 21. Juli 2018 Mehr →

Erster Klasse für 50 € von Tokio nach Hawaii

In Tokio hebt First Airlines mit VR-Brillen zu virtuellen Flugreisen rund um den Globus ab.

Sie ist wohl die erste und einzige Airline weltweit, die komplett ohne Piloten und Co-Piloten auskommt und doch Ziele rund um den Erdball anfliegt. Den Passagieren sind das Fehlen des fliegenden Personals, der Turbinen und Tragflächen durchaus bewusst, aber gleichzeitig völlig egal. Sie genießen lieber den Service in der First oder Business Class. Klingt abgehoben, ist es aber nicht. Im Gegenteil, die Fluggäste der First Airlines in Tokio bleiben im wahrsten Sinne des Wortes komplett geerdet.

Bürogebäude als Flughafen

Am Check-in herrscht in nder Regel deutlich weniger Gedränge als an einem Flughafen.

Obwohl die Fluggesellschaft nicht am geschäftigen Narita Airport in Japans Hauptstadt Tokio zu finden ist, sondern in einem von außen eher unscheinbaren Gebäude im Stadtteil Ikebukuro, sind alle Flüge seit der Gründung im Jahre 2016 komplett ausgebucht. Tatsächlich handelt es sich bei First Airlines um eine Kombination aus einem ungewöhnlichen Restaurant mit Flugzeugausstattung und einer Art Flugsimulator.

Zwei-Stunden-Trip nach New York

In smarter Uniform gekleidet, empfangen die „Stewardessen“ die „Passagiere“

Ein Konzept, das die Massen zu begeistern scheint. Vor allem die Japaner. Die haben zwar ähnliche große Urlaubsansprüche wie die meisten Europäer, doch im Durchschnitt gönnt sich kaum einer mehr als acht Tage im Jahr. Da kommt das First Airlines Angebot natürlich gerade recht. Für umgerechnet knapp 50 Euro geht es von Tokio für knapp zwei Stunden auf eine virtuelle Reise nach Paris, Rom, Helsinki, New York, Hawaii oder gar durch die Zeitgeschichte.

Preiswerte Flugalternative

Die Innenausstattung ist eng an die eines Flugzeuges angelehnt.

„Echte Flüge sind richtig teuer. Zudem muss man rechtzeitig planen und packen. Bei First Airlines bleibt einem der ganze Stress einfach erspart“, schwärmt Yuichiro Uemura, die mit ihrem Mann und ihren beiden Kinder schnell mal zum „Big Apple“ jetten möchte.

50 Euro gegen akutes Fernweh

Wie am Airport informiert eine Anzeigentafel über die nächsten „Flugreisen“ und Ziele.

„Viele haben großes Fernweh, können aber aufgrund ihres hohen Alters, von Krankheiten oder fehlenden Finanzmitteln schlichtweg nicht verreisen“, wertet First Airlines Manager Hirokai Abe das Angebot auch als ein Stück entspannte Alltagsflucht.

Keine lästige Sicherheitskontrolle

Für das Wohlbefinden der #Fluggäste“ wird an Bord alles getan.

Wie am Flughafen beginnt der Kurztrip mit dem obligatorischen Check-in. Dort erhalten die „Passagiere“ ihre Bordkarten. Der lästige Gang durch die Sicherheitskontrollen entfällt. Dafür geleiten die adrett gekleideten Stewardessen die „Reisenden“ in die nachgebaute Flugzeugkabine, die mit komfortablen Sitzen aus den Airbus-Baureihen A310 und A340 bestückt ist.

Sicherheitseinweisung darf nicht fehlen

Die Stewardessen informieren vor der virtuellen Reise auch über die Sicherheitsestimmungen.

Komplettiert wird die fast perfekte Illusion einer Flugreise durch die auf weiße Wände projizierten Fenster. Dort ziehen sogar scheinbar Wolken vorbei, während die Stewardessen vor dem „Start“ die obligatorische Einweisung in die Sicherheitsbestimmungen vornehmen und den Gebrauch der Sicherheitsgurten und Schwimmwesten demonstrieren.

Vier-Gänge-Menü über den Wolken

In der First und Business Class werden Vier-Gänge-Menüs serviert.

Sobald die vermeintliche Reiseflughöhe erreicht ist, werden Getränke und ein Vier-Gänge-Menü, aber auch die VR-Brillen ausgegeben. Wobei die angebotenen Speisen und die Musik je nach Flugroute variieren: Auf dem Flug nach Paris werden beispielsweise Lachs-Tartar und Zwiebelsuppe gereicht, auf dem Weg nach Rom unter anderem Lachs Cappaccio und Tiramisu. Und der New-York-Trip wird den Passagieren mit Clam Chowder (Muschelsuppe), Rindersteaks und Käsekuchen schmackhaft gemacht.

Virtueller Stadtbummel

Die aufmerksamen Flugbegleiterinnen servieren Getränke am Platz.

Nach dem Gaumenschmaus über den Wolken folgt der aufwendig simulierte Landeanflug auf das gewünschte Reiseziel. Durch die VR-Brille lässt sich dann bequem und ohne den Airbussitz zu verlassen, ein 360-Grad-Stadtbummel zum Eiffelturm in Paris oder zum Empire State Building in New York unternehmen.

„Einreise“ ganz ohne Passkontrolle

Sogar Nachtflüge werden realitätsnahe simuliert.

„Dank der VR-Brillen, aber auch durch den Einsatz von Straßenkarten und Videos lässt sich das Ganze ohne Einreiseformalitäten, ohne Jetlag, ohne von lästigen Souvenirverkäufern oder Bettlern angesprochen zu werden und mit Schön-Wetter-Garantie genießen“, preist Hirokai Abe die Vorzüge der virtuellen Reiseform an. Was ein bisschen nach dem Blick durch die rosarote Brille klingt.

Virtuelle Reisealternative

Fank der VR-Brille lässt sich ein Spaziergang durch Rom hautnahe erleben.

Aber zumindest für die Japaner ist die von First Airlines präsentierte virtuelle Realität längst zu einer günstigen Reisealternative geworden. Denn wo sonst gibt es einen zweistündigen Hawaii-Trip mit allen touristischen Höhepunkten und kulinarischen Genüssen für gerade einmal 50 Euro?

Wissenswertes in Kurzform

Die Bestuhlung erfolgt mit Original-Airbus-Sitzen.

Informationen: First Airlines, 31-5 Nishiikebukuro Toshima-ku, Parkheim West Building 8F, Tokyo 171-0021, Japan, Telefon 0081-3-6907-0981, info@firstairlines.jp, www.firstairlines.jp

Öffnungszeiten: Wochentags 17.30 bis 23 Uhr, samstags, sonn- und feiertags 12.30 bis 23 Uhr. Nur mit vorherigen Reservierung.

Preis: First Class 6.600 Yen (ca. 50 Euro), Business Class 6.200 Yen (ca. 47,50 Euro)

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