Basler Fasnacht – die „drey scheenschte Dääg“ am Rhein

Basler Fasnacht, Copyright Karsten-Thilo RaabDer Hahn hat noch lange nicht gekräht. Und doch sind Zehntausende auf den Beinen. Wie eine Pilgerschar machen sie sich aus allen Himmelsrichtungen unzählige Menschen auf Schusters Rappen auf in die Altstadt der Schweizer Grenzmetropole Basel. Ein Phänomen, das sich seit Jahrhunderten sechs Wochen vor dem Osterfest wiederholt. Dann nämlich beginnt die traditionelle Basler Fasnacht „wenns vieri schloot“ mit dem Morgenstraich. Um Punkt vier Uhr erlischen im Stadtgebiet sämtliche Lichter. Gleichzeitig bricht im Herzen der Rheinmetropole ein kollektiver Jubel aus. Darin scheint auch die Bitte zu verhallen, nicht mit Blitzlicht zu fotografieren. Ein Meer von Handys und Digitalkameras sorgt mit eingebauten Blitzgeräten für manches ungewolltes Funkeln in der Nacht. Doch der eigentliche Blickfang sind die fast 12.000 Fasnachtler mit ihren bis zu 3,5 Metern großen, beleuchteten Zug-Laternen.

Basler Fasnacht, Copyright Karsten-Thilo RaabWie Glühwürmchen ziehen die Cliquen, wie die teilnehmenden Gruppen genannt werden, mit selbstgebauten Masken (Larven) und farbigen „Kopfladäärnli“, den selbst gebauten Kopflaternen, in einem nicht enden wollenden Strom durch die Stadt. Begleitet werden sie von einer Heerschar an Maskierten mit Piccolopfeifen und Trommeln. Der immer gleiche Klang der Marschmusik hallt durch die Straßen und Gassen und avanciert schnell zu einem Ohrwurm. Viele Zuschauer haben vor lauter Müdigkeit Ringe unter und angesichts der grandiosen Atmosphäre gleichzeitig das Funkeln in den Augen. Die wenig warmen Temperaturen stören hier niemanden. Alle hüpfen im Takt der Trommeln und Piccoloflöten hin und her und halten sich so ein bisschen warm. Zudem erfreuen sie sich an den fast 200 Zug-Laternen, die wie Mottowagen beim Karneval deutscher Prägung, mit Augenzwinkern Weltgeschehen und Lokales, aber auch Politiker und Prominente auf die Schippe nehmen. Die in oft tage- und wochenlanger Kleinarbeit liebevoll gestalteten Riesenleuchten zeichnen sich alle durch ein eigenes Thema, Sujet genannt, aus.

Basler Fasnacht, Copyright Karsten-Thilo Raab„Das Schlimmste für die Prominenten ist es, wenn ihnen keine Laterne gewidmet ist. Dann wissen sie, dass sie keinerlei Wertschätzung mehr erfahren“, weiß Felix Rudolf von Rohr, langjähriger Obmann des Basler Fasnachts-Comités, aus seiner langjährigen Erfahrung zu berichten.

Das genaue „Geburtsjahr“ der „drey scheenschte Dääg“, wie der Basler über den dreitägigen Feiermarathon zu sagen pflegt, liegt im Dunkeln, auch wenn sich die Geschichte der Basler Fasnacht zumindest bis 1376 zurückverfolgen lässt. Fest steht aber, dass die Obrigkeit den Fasnachtstermin im Jahre 1529 auf den Montag bis Mittwoch nach Aschermittwoch festlegte.

Morgenstraich bei der Basler Fasnacht, Copyright Karsten-Thilo Raab„Aus dieser Zeit stammt auch die erste urkundliche Überlieferung über den Verkauf von Larven durch Maler und Krämer“, verweist Felix Rudolf von Rohr auf die Tatsache, dass sich die Fasnachtler üblicherweise nicht zu erkennen geben und hinter ihrer Maske verstecken. Neben Phantasiemotiven gehört die Waggis, die traditionelle Maske mit der großen roten Nase, die an eine elsässische Bauernfigur angelehnt ist, noch heute zur Standardausrüstung vieler Fastnachtler. Diese investieren jährlich gut 500 bis 700 Schweizer Franken in ein neues Kostüm und eine neue Maske. Um dieses aufwendige Hobby zu finanzieren, verkaufen die meisten Gruppen in ihren Cliquenkellern Speisen und Getränke. Zudem werden sie durch das Fasnachts-Comité unterstützt. Die Dachorganisation verkauft seit 1911 für Preise zwischen acht und 100 Schweizer Franken bronzene, silberne und goldene Plaketten mit jährlich wechselnden Motiven an die Zuschauer. Der Erlös kommt dann den Cliquen zu.

Basler Fasnacht, Copyright Karsten-Thilo Raab„Wir setzen zur Fasnacht rund 30 Millionen Franken um“, vermag Felix Rudolf von Rohr nicht einzuschätzen, wie viele Zehntausende Zuschauer jedes Jahr eigens zu Basler Fasnacht in die charmante Kulturmetropole im Dreiländereck Schweiz-Deutschland-Frankreich kommen. Zum einen ist es drei Tage lang ein Kommen und Gehen, zum anderen verteilen sich die Aktivitäten auf weite Teile des Stadtgebiets.

Je weiter beim Morgenstreich die Zeit voran schreitet, je mehr lichten sich die Reihen. Das Warten auf die Cliquen kommt nun teilweise ein bisschen dem Warten auf den Bus gleich. Eine ganze Weile kommt keiner, dann kommen sechs auf einmal. Für das Gros der Zuschauer ist dies das Signal, sich schnell einen Platz in einer Gaststätte oder „Beitz“ zu suchen. Denn nun stürzen sich die hungrigen und durchgefrorenen Besucher und Fastnachtler mit Riesenappetit auf die traditionellen Fasnachtsspezialitäten wie Käs- und Ziibelewaie (Käse- und Zwiebelkuchen).

Basler Fasnacht, Copyright Karsten-Thilo RaabSo gestärkt wartet dann am frühen Morgen der zweite Teile der Fasnacht darauf, entdeckt zu werden: das „Gässle“. Einzelpersonen und kleine Gruppen, gerne als „Schyssräggziigli“ bezeichnet, ziehen mit ihren Flöten und Trommeln durch die malerischen Gassen der Altstadt, bevor um 13.30 Uhr mit der Cortège der nächste Höhepunkt folgt. Bei diesem gigantischen Fasnachtsumzug – der übrigens am Mittwoch seine Wiederholung erfährt – begeben sich die Cliquen und Musiker auf einen Rundkurs zwischen der Altstadt und der Kleinbaseler-Seite. Dabei scheinen die nun prächtig kostümierten Fastnachtler, ihre Mottowagen und Laternen aus allen Richtungen zu kommen. Denn der Rundkurs wird sowohl im als auch gegen den Uhrzeigersinn in einer nicht enden wollenden Schleife abgelaufen. Dabei können die Cliquen den Ort und die Dauer ihrer Pausen selber festlegen. Sie scheren einfach aus dem Zug aus, um sich dann später wieder geschickt einzureihen. Dies führt dazu, dass die Besucher manche Gruppen gleich mehrfach an sich vorbei ziehen sehen, andere Cliquen nur einmal oder gar nicht.

Basler Fasnacht, Copyright Karsten-Thilo RaabMit Einbruch der Dunkelheit schlägt dann die Stunde der Schnitzelbänke. Die Bänkelsänger ziehen dann von Lokal zu Lokal, um dort ihre ironischen, witzigen und sarkastischen Verse über Ereignisse des abgelaufenen Jahres im nicht unbedingt leicht zu verstehenden Baseldeutsch zu singen. Der Dienstag ist der Tag der Kinder, der Schissdräckzuegli, der Gässle und der Guggen, die mit schrägen Tönen aus ihren Blechinstrumenten aufwarten. Am Mittwoch, dem letzten Tag, ziehen alle Fasnachtler noch einmal durch die Stadt. Abertausende säumen erneut die Straßen bis schließlich vor dem Morgengrauen der letzte Pfeifer, der letzte Trommler und Guggenmusiker heim gezogen ist.

„Während der Fasnacht duzt jeder jeden. Für drei Tage sind alle gesellschaftlichen Konventionen außer Kraft gesetzt“, warnt Felix Rudolf von Rohr die ahnungslosen Besucher vor so mancher Überraschung. Da werden während der Cortège Mimosen und Orangen als Vorboten des Frühlings verteilt, Süßigkeiten geworfen, da wird aber auch manchem Zuschauer entlang der Strecke jede Menge „Räppli“, wie das Konfetti im Baseldeutsch heißt, mal schnell im Vorbeigehen in die Kleider gestopft. Eine kleine „Aufmerksamkeit“, die dafür sorgt, dass der Besucher noch Tage später an die Basler Fasnacht erinnert wird, wenn irgendwo am Körper noch ein bunter Papierschnipsel auftaucht.

Morgenstraich, Basler Fasnacht, Copyright Karsten-Thilo Raab

Allgemeine Informationen:  Basel Tourismus, Aeschenvorstadt 36, CH-4010 Basel, Telefon 0041-(0)61-2686868, Fax 2686870, info@basel.com, www.basel.com

Informationen: Die diesjährige Basler Fasnacht steigt vom 18. bis 21. Februar 2013 und beginnt am Montag, 18. Februar 2013, um 4 Uhr morgens mit dem Morgenstraich. Weitere Infos unter www.fasnacht.ch und unter www.fasnachts-comite.ch.

Basler Fasnacht, Copyright Karsten-Thilo RaabEintritt: Der Eintritt ist frei. Allerdings wird erwartet, dass die Besucher eine Plakette, „Blaggedde“ genannt, für Preise zwischen acht und 100 Schweizer Franken erwerben und gut sichtbar tragen. Der Erlös aus dem Verkauf der Plaketten, die 1911 eingeführt wurden und deren Motive jährlich wechseln, kommt den Cliquen zu.

Tipps: Gute Stellen, um den Morgenstraich zu verfolgen, sind am Barfüsserplatz und auf dem Marktplatz vor dem Rathaus. Allerdings ist es hier auch entsprechend voll. Wer keine Gelegenheit hatte, die Laternen beim Morgenstraich ausgiebig in Augenschein zu nehmen, kann dies am Montagabend und Mittwochmorgen nachholen. Dann werden alle Laternen auf dem Platz vor dem Basler Münster ausgestellt.

Anreise: Basel besitzt drei Bahnhöfe, die von Deutschland aus bequem mit dem ICE erreicht werden können, und ist europäischer Autobahn-Knotenpunkt. Der internationale Flughafen, der EuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg, liegt 15 Minuten vom Stadtzentrum entfernt und ist mit dem Bus Nr. 50 an die Innenstadt angebunden.

Basler Fasnacht, Copyright Karsten-Thilo RaabRestaurants: Gasthof zum Goldenen Sternen, St. Alban-Rheinweg 70, CH-4052 Basel, Telefon 0041-(0)61-2721666, www.sternen-basel.ch. Basels ältester Gasthof bietet u. a. hervorragende Wildspezialitäten an.

Restaurant Safran Zunft, Gerbergasse 11, CH-4001 Basel, Telefon 0041-(0)61-2699494, www.safran-zunft.ch. Das historische Zunfthaus bietet traditionelle bürgerliche Küche. Spezialität des Hauses ist das Fondue Bacchus.

Empfehlenswert ist zudem der Besuch eines Cliquenkellers wie des Dupf-Clubs oder der Rumpler im Pfeffergässlin oder Aagefrässene am Nedelberg. Dort gibt es unter anderem Käs- und Ziibelewaie (Käse- und Zwiebelkuchen) und mit den Einnahmen werden die Fastnachtler unterstützt.

Unterkünfte: Swissotel Le Plaza, Messeplatz 25, CH-4005-Basel, Telefon 0041-(0)615553333, www.swissotel.com. Das moderne Fünfsternehaus am Messegelände liegt rund fünf Tramminuten von der Altstadt direkt an der Strecke des Cortège und bietet Doppelzimmer ab 250 Schweizer Franken an.