Von 18. August 2016 Mehr →

Halbinsel Eiderstedt –Kulturerlebnis mit dem Rad

Lässt sich bewuem mit dem Rad erreichen: das Museum der Landschaft Eiderstedt. (Foto Oliver Franke)

Lässt sich bewuem mit dem Rad erreichen: das Museum der Landschaft Eiderstedt. (Foto Oliver Franke)

Sag Eiderstedt und die Leute denken an den Leuchtturm Westerhever und das Sperrwerk. An St. Peter-Ording, seine Strände und die Pfahlbauten, natürlich auch. Ziele ersten Ranges an der Nordseeküste Schleswig-Holsteins sind das, keine Frage. Aber: die Halbinsel Eiderstedt hat noch viel mehr zu bieten – hier sind ein paar Tipps für das Eiderstedt-Erlebnis. Mit dem Rad vielleicht am besten zu erfahren und ganz in Ruhe; ehrlich und authentisch.

Das Langzeitgedächtnis der Halbinsel

Das Museum der Landschaft Eiderstedt in St. Peter-Ording ist das Langzeitgedächtnis der Halbinsel – und ein idealer Ort, um eine Reise zu beginnen. Anhand ausgewählter historischer Objekte – von der ersten Besiedlung bis zur heutigen Zeit – wird die Geschichte Eiderstedts anschaulich dargestellt. Diese früher vom Meer zerrissene Landschaft entstand vor rund 800 Jahren mit der Eindeichung und Verbindung dreier Inseln (St. Peter-Ording lag auf einer solchen) sowie einer bereits damals existierenden Halbinsel mit dem Festland. Im 16. Jahrhundert wanderten Siedler aus den Niederlanden ein und brachten neben der Tracht vor allem neue Ideen in der Landwirtschaft sowie verbesserte Methoden des Deichbaus mit.

Deiche und Käse also, im Museum sind diese Beiträge zur Eiderstedter Identität bewahrt; draußen werden sie dem Reisenden begegnen. Zum Beispiel bei einem Besuch in der Käserei oder wenn wieder ein Deich gequert wird – und sich dahinter weiter Land unter dem hohen Himmel Eiderstedts ausbreitet. Das Museum ist klein genug, um nicht zu überfordern, und groß genug, um die Geschichte und Identität interessant und ansprechend zu präsentieren. Ein liebenswertes, entstaubtes und modernes Heimatmuseum, das zeigt, wie man Gäste neugierig auf die Landschaft Eiderstedt macht – und sie auf die Spur setzt.

Die größten Bauernhöfe der Welt

Haubarge besitzt die vermeintlich größten Bauernhöfe der Welt.

Haubarge besitzt die vermeintlich größten Bauernhöfe der Welt.

„Haubarge sind die größten Bauernhöfe der Welt“, sagt Hans-Georg Hostrup, „diese Haubarge sind typisch für Eiderstedt!“ Der Weg führt auf eine Warft zwischen Tating und der Nordsee, einem künstlich aufgeschütteten Wohnhügel. Als das Land noch regelmäßig von der Nordsee überflutet wurde, lebten die Menschen mit ihrem Vieh erhöht. Und sie bauten Höfe, die wegen ihrer Konstruktion von den Fluten kaum zerstört wurden. „Das ist das typische eines Haubargs: Die Konstruktion wird von einem imposanten Ständerwerk getragen“, erklärt Hostrup und führt in das Innere dieses gewaltigen Gehöftes: Massive Balken tragen das 17 Meter hohe Dach (1400 Quadratmeter!) des „Blumenhofes“ seit fast 230 Jahren.

„Früher lebten Mensch und Vieh unter einem Dach, Futter wurde gelagert“, so Hostrup, „deshalb diese riesigen Dimensionen – diese Tradition brachten die Siedler aus den Niederlanden mit. Zudem wurde hier Heu gelagert, davon leitet sich der Name ab, und ungedroschenes Korn aufbewahrt.“ Er vermietet gemütlich-gediegene Ferienwohnungen unter Reet. Schwalbennester kleben am Haubarg und in der Krone der mächtigen Esche rauscht der Wind. Im alten Garten reifen Quitten, Mirabellen und Äpfel, der Rosengarten duftet. Auf den Marschwiesen stehen Schafe und im weiten Himmel ein Falke – weit, wunderbar. Und ganz romantisch, echt Eiderstedt.

Naturschönheiten im Watt

Ein besonderes Stück Schleswig-Holstein: das Katinger Watt (Foto Sibylle Stromberg)

Ein besonderes Stück Schleswig-Holstein: das Katinger Watt (Foto Sibylle Stromberg)

Dort, wo der Fluss Eider in die Nordsee mündet, befindet das Eidersperrwerk. Bevor der Mündungstrichter der Eider vor mehr als vierzig Jahren abgedämmt wurde, reichten Ebbe und Flut bis weit in das Hinterland – und überfluteten es immer wieder. Aus dem Eiderwatt und seinen Salzwiesen wurde nach dem Bau Ackerland. Und es wurde ein Wald gepflanzt. Wer genau hinschaut, wird Tamarisken entdecken. Wüstenpflanzen sind das, die mit salzigem Boden gut zurechtkommen und in den Maulwurfshügeln sind oft genug Muschelschalen zu entdecken – vor weniger als fünfzig Jahren wogten hier die Nordsee-Wellen. Viel ökologisch wertvoller Lebensraum ging durch den Bau des Sperrwerks verloren, doch auch Neues hat sich angesiedelt: So lebt seit einigen Jahren ein Seeadler-Paar in diesem merkwürdigen Wald und die Wiesen – die aus dem Watt entstanden – sind inzwischen Heimat seltener Vogelarten wie Säbelschnäbler und Uferschnepfe.

Zurzeit des Vogelzuges rasten hier Abertausende von Enten und Gänsen. Vom Beobachtungsturm hat man einen schönen Blick – auf der einen Seite die Nordsee mit dem Watt, auf der anderen Seite den Wald, der mal ein Watt war. Zwischen der Eider und dem Wald verläuft an der Wasserkante ein Deich: von hier aus kann man die galoppierenden Ponys beobachten und die Rinder, die diese wertvollen Flächen beweiden. Das Röhricht rauscht im Wind, Orchideen wippen unter der Sonne und mit dem Fernglas kann man manch seltenen Vogel beobachten – ein stilles, schönes Kleinod, diese Ecke an der Eider.

Radwanderführer mit fünf ausgearbeiteten Routen

So wie das Land, so die Radwege: herrliche in die Pedale treten auf der Halbinsel Eiderstedt. (Foto Oliver Franke)

So wie das Land, so die Radwege: herrliche in die Pedale treten auf der Halbinsel Eiderstedt. (Foto Oliver Franke)

Der Vollmond scheint über das Watt vor Uelvesbüll, Wasser glitzert, die Gruppe marschiert bis an die Wasserkante. Am Anfang war die Erde wüst und leer, es ist windstill, ein paar Seehunde sind zu erkennen, die Leute singen und die Schöpfungsgeschichte predigt sich von selbst am Strom. Pastorin Inke Thomsen-Krüger von der Kirchengemeinde Oldenswort hat eine ganz besondere Aufgabe und Leidenschaft – sie ist zuständig für Kirche und Tourismus auf Eiderstedt. Angeboten werden geführte Pilgerwanderungen und ein Radwanderführer mit fünf ausgearbeiteten Routen wurde konzipiert:

„Radfahren auf Eiderstedt bedeutet auch, wie im Leben gelegentlich Gegenwind zu haben. Das bedeutet aber auch, am Horizont fast immer einen Kirchturm als Wegzeichen und als einen Ort für Besinnung zu erblicken“ – in den Marschen zwischen der Nordsee stehen 18 mittelalterliche Gotteshäuser (und zwei moderne), dies ist eine einzigartige Dichte. Mit dem Randwanderführer erhält der Gast nicht nur Interessantes zur Eiderstedter (Kirchen-)Geschichte, sondern auch detaillierte Tourenpläne „…damit wollen wir Sie nicht nur neugierig machen, sondern wir wollen Sie mit auf Tour nehmen und zeigen, was Eiderstedt Einzigartiges zu bieten hat – denn nicht nur Kirchen wollen entdeckt werden: Schon am Wegesrand präsentiert sich die Halbinsel Eiderstedt mit wunderschöner Natur und ihrer außergewöhnlichen Kultur wie den Haubargen. Wo immer man auch steht, entdeckt man in jeder Beziehung neue Horizonte – vielleicht auch spirituelle!“

Friesische Käsespezialitäten

So schmeckt dieser Teil von Friesland. (Foto Friesische Schafskäserei)

So schmeckt dieser Teil von Friesland. (Foto Friesische Schafskäserei)

Die Naturlandschaft auf Eiderstedt bewahrt wertvolle Biotope. Und nahe Tetenbüll sorgt eine Herde von 120 Schafen dafür, dass dies auch so bleibt. Mit ihrem Verbiss und der extensiven Beweidung sorgen die Friesischen Milchschafe für den Erhalt des Lebensraumes von Kiebitz und Feldlerche. Aber es gibt noch mehr: Vor 15 Jahren stellten Monika und Redlef Volquardsen ihren damaligen Rinderbetrieb auf Bioland um. Nun betreiben die beiden Landwirte aus Leidenschaft einen Milchschafhof mit eigener Käserei. Im Keller des stattlichen Hofes reift aus der Milch köstlicher Käse.

Für Käseliebhaber ist das eine Schatzkammer: Monika Volquardsen steigt die Treppe in das kühle Gewölbe hinab. Auf den Brettern liegen die Laibe, im Keller des 125 Jahre alten Bauernhauses hat sich während der Käserei-Zeit ein eigenes Reifeklima, entwickelt. Aus dem „Frischen Friesen“ wird in vier Wochen der „Rote Friese“. Ein pikanter an Romadour erinnernder Käse. Der nussige „Tetenbüller“ hingegen braucht Monate, bis er ausgereift ist. Monika und Redlef wenden die Laibe, bürsten sie, wenden sie danach in Salzwasser. „Käse braucht Pflege und Erfahrung “, sagen sie, „…und viel Gefühl.“ Und es braucht natürlich Landwirte mit Leidenschaft und Liebe zum Produkt – und zur Landschaft Eiderstedt.  Weitere Informationen unter www.nordseetourismus.de.