Athen: Auf ein Gläschern Themistocles auf der Plaka

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Liköre und Schnäpse soweit das Auge reicht in Athens ältester Brennerei, Brettos. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Die Plaka, Athens historische Altstadt, ist das pulsierende Herzstück der griechischen Hauptstadt, aber auch einer der Lieblingstummelplätze für ganze Heerscharen von Touristen aus aller Herren Länder. Kein Wunder, scheinen hier doch Souvenirläden mit Andenkengeschäften und Restaurants mit Tavernen zu wechseln. Und doch scheint die Kombination aus Gaumenfreuden und Mitbringseln eine magnetische Wirkung auszuüben. Zumindest stimmen hier allabendlich Tausende von Besuchern eindrucksvoll mit den Füßen ab. Ungeachtet der Kommerzialisierung und dem wenig variantenreichen Warenangebot der Souvenirläden schlummert hier am Fuße der Akropolis manches Kleinod. Eines davon ist fraglos Brettos.

Die älteste und wohl auch vielfältigste Schnapsbrennerei in Athen wirkt von außen eher unscheinbar. Doch hinter der speerangelweit geöffneten Eingangstür an der Kydathineon Street wartet ein ungewöhnlicher Blickfang: Vom Boden bis zur Decke erstrecken sich über zwei Wände Regalreihen, die vollgestopft sind mit bunten Likören und Schnäpsen. Und an der gegenüberliegenden Längswand stapeln sich uralte Wein- und Sherry-Fässer. Um den Effekt noch zu verstärken, sind die unzähligen Flaschen indirekt beleuchtet, während das Licht im Ladenlokal gedämmt wurde.

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Pavlos Papadonikolakis ist Inhaber, Motor und gute Seele von Brettos in Personalunion. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Im Jahre 1909 hatte Namensgeber Michael Brettos in dem mittlerweile 200 Jahre alten Gemäuer im Herzen der Plaka den Grundstein für das Traditionsunternehmen gelegt und erste geheime Rezepturen für seine Liköre entwickelt. Anfangs wurde für die Herstellung der wohlschmeckenden Tinkturen vorwiegend Zitrone und Pfefferminz verwendet. Inzwischen ist das Spektrum auf eine Vielzahl von natürlichen pflanzlichen Stoffen ausgeweitet.

Allein mehr als 40 Liköre werden bei Brettos nach geheimen Rezepturen hergestellt. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

„Was genau in welchen Likör kommt, ist ein gutes gehütetes Familiengeheimnis, das wir von Generation zu Generation weitergeben“, verrät Inhaber Pavlos Papadonikolakis. Und schon sprudelt es aus dem agilen 72-jährigen mit Stolz geschwellter Brust heraus: Brettos stelle nicht nur einen eigenen Ouzo her, der landesweit seinesgleichen suchen würde, sondern auch einen eigenen Brandy sowie mehr als 40 verschiedene Liköre. Zudem habe man mehr als 150 griechische Weine im Ausschank, so der passionierte Tennisspieler weiter, um dann direkt hinterher zu schicken: „Ich selber trinke keinen Schnaps, nur Wein.“

Bei diesen Worten umschleicht Pavlos Papadonikolakis Lippen ein süffisantes Lächeln. Es ist schwer einzuschätzen, ob der geschäftstüchtige Grieche hier ein wenig zu scherzen beliebt. Doch scheinbar kann er Gedanken lesen.

„Wein, Sport und Sex halten mich jung“, flachst Pavlos und verweist mit Stolz auf sein kräftiges, schwarzes Haar. Gleichzeitig beteuert der 72-jährige, sein Haupthaar besäße noch immer seine natürliche Farbe. Altkanzler Gerhard Schröder lässt grüßen.

Mindestens viermal die Woche würde er eine Stunde im offenen Meer schwimmen, versichert Pavlos. Zudem sei er in seiner Altersklassen einer der fünf besten Tennisspieler weltweit. Worte, mit denen er die Jungbrunnenwirkung der Kombination aus Wein, Sport und Sex nachhaltig zu untermauern versucht. Und ein Blick auf die famose körperliche Verfassung scheint Pavlos nicht gerade Lügen strafen zu wollen.

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Besonders beliebt ist der Spartan – eine Mischung aus Ouzo, Kaffee, Likör und Tequilla. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

„Besonders beliebt ist der Spartan – eine Mischung aus Ouzo, Kaffee, Likör und Tequilla“, weiß Pavlos um die Vorliebe der Gäste. Kaum minder häufig würden der Themistocles, eine Mischung aus Raki, Orangensaft und Soda, und der Apollo, bestehend aus Whisky, Kirschlikör und Cranberry-Saft, ausgeschenkt und verkauft.

So beeindruckend die Erfolgsgeschichte von Brettos auch sei, so habe sie einen kleinen Wermutstropfen, ergänzt Pavlos: Denn bis dato gibt es die hochwertigen Liköre und Mischungen nur in dem kleinen Ladenlokal auf der Plaka. Noch! Denn wenn es nach Pavlos geht, sollen schon bald in den USA, Kanada und Deutschland erste Dependancen entstehen. Aber bis dahin fließt wohl noch der eine oder andere Themistocles in die Gläser auf dem Tresen von Brettos im Herzen der Plaka und dann die Kehle der Besucher hinunter.

Informationen: Brettos, 41 Kydathineon Street, 10558 Athen, Telefon 0030-210-3232110, www.brettosplaka.com. Öffnungszeiten: Täglich 10 bis 22 Uhr, Eintritt frei.

Anreise: Aegean Airlines, seit 2009 jährlich als beste europäische Regionalfluglinie geadelt, bietet Hin- und Rückfluge nach Athen ab zusammen 220 Euro von acht deutschen Flughäfen, darunter Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover, München und Stuttgart, sowie aus Wien, Zürich und Genf an. Informationen unter www.aegeanair.com. Der 35 Kilometer vor den Toren Athens gelegene Flughafen ist mit der U-Bahn und dem Schnellbus an die Athener Innenstadt angeschlossen.

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Ohne Kostprobe und Erinnerungsfoto verlässt fast niemand Brettos. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Essen & Trinken: Melinikon, 37 Skoufa Street, Kolonaki, Athen, Telefon 0030-211-4091430. „Pancakes á la Grecque“ – griechische Pfannkuchen mit den unterschiedlichsten Füllungen sind die Spezialität des Hauses.

Wine Booth, 12 Fokionos Street, Athen, Telefon 0030-210-9959544. Die Weinbar hat mehr als 170 verschiedene griechische und internationale Weine im Ausschank.

Nachtleben: Rock & Balls, 2 Vassillikis Street/Agia Irini Square, Athen, Telefon 0030-210-3211112. Beliebte, stylische Cocktailbar.

Nur einen Steinwurf entfernt liegt das Electra Hoitel, auf dessen Dach sich mit Blick auf die Akropolis baden lässt.

Übernachten: Fresh Hotel, 26 Sophocleous/Klisthenous Street, 10552 Athen. Das Vier-Sterne-Haus mit Bar und Pool auf dem Dach liegt rund fünf Gehminuten von der Plaka entfernt im Herzen der Innenstadt. Buchbar ist das Hotel unter www.fti.de.

Electra Palace, Ermoú Street, 10563 Athen. Das Fünf-Sterne-Haus liegt direkt an der Pláka und verfügt über ein exzellentes Dachterrassen-Restaurant sowie einen Pool auf dem Dach mit Blick auf die Akropolis. Zimmer beginnen bei 138 Euro pro Nacht. Buchbar ist das Hotel unter www.fti.de.