Tarpon Springs – Tauchen nach dem Glück

Das Objekt der Begierde am Epiphaniastag in Tarpon Springs: das weiße Kreuz. (Foto Visit St. Pete/Clearwater)
Das Objekt der Begierde am Epiphaniastag in Tarpon Springs: das weiße Kreuz. (Foto Visit St. Pete/Clearwater)

Am 6. Januar 2016 wird in der Gemeinde Tarpon Springs in St. Petersburg/Clearwater in Florida das traditionelle Dreikönigsfest direkt mit einer Herausforderung eingeleitet: Eine Mutprobe. Nach der Morgenmesse in der griechisch-orthodoxen Kathedrale St. Nicholas folgt eine Prozession zum Fluss Spring Bayou, in den ein weißes Kreuz geworfen wird.

Denkmal für die griechischen Schwammtaucher in Tarpon Springs. (Foto Karsten-Thilo Raab)
Denkmal für die griechischen Schwammtaucher in Tarpon Springs. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Viele junge Menschen freuen sich über Jahre auf genau diese Mutprobe. Denn dann sind sie alt genug und rennen mit zahlreichen anderen Männern von der Kirche zum Fluss und stürzen sich von ihren Booten aus in das kühle Nass, um das weiße Kreuz aus den Tiefen zu holen. Dem Finder beschert es ein Jahr voller Glück und zahlreiche Segen der anwesenden Geistlichen. Die bestandene Mutprobe wird anschließend mit Livemusik und einem großen Festessen gefeiert.

Die Gemeinde Tarpon Springs liegt im Norden der Pinellas-Halbinsel an der Westküste Floridas. Ein Großteil der rund 20.000 Einwohner hat griechische Wurzeln. Das macht den Ort zur Gemeinde mit dem höchsten prozentualen Anteil griechischstämmiger Bewohner in den USA. Grund für diesen hohen Anteil war die kommerzielle Zucht von Badeschwämmen, die 1890 begann.

Die Schwammtaucher kamen vor allem von den griechischen Dodekanes-Inseln und aus Chalkidiki nach Tarpon Springs. Bis 1936 hatten sich bereits mehr als 2.000 Griechen in der Gemeinde niedergelassen. 1947 kam allerdings die Zäsur: Durch zahlreiche Krankheiten gingen die üppigen Felder nach und nach zugrunde, das Geschäft mit den Naturschwämmen ging in die Brüche.

Naturschwämme werden in Tarpon Springs nach wie vor hoch gehandelt. (Foto Karsten-Thilo Raab)
Naturschwämme werden in Tarpon Springs nach wie vor hoch gehandelt. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Erst durch synthetische Schwammfelder konnte der Industriezweig wiederbelebt werden, konnte aber nie seine ursprüngliche Bedeutung zurückerlangen. Der Tourismus ist und bleibt heutzutage der wichtigste Wirtschaftszweig der kleinen Stadt. Besucher können die historischen Schwammdocks besichtigen und Schwammtaucher bei der Arbeit beobachten.

Die Epiphaniasfeier, auch Dreikönigsfest genannt, ist mit bis zu 50.000 Besuchern das bedeutendste Ereignis von Tarpon Springs. Jedes Jahr am 6. Januar kommen griechisch stämmige Amerikaner aus dem ganzen Land in den kleinen Ort. Viele Einwohner von Tarpon Springs hoffen immer wieder, dass unter den Besuchern auch Griechen sind, die sich dazu entscheiden, hier sesshaft zu werden. Das Fest wird drei Tage lang gefeiert.

Griechische Tradition und amerikanische Lebensart gehen in Tarpon Springs Hand in Hand. (Foto Karsten-Thilo Raab)
Griechische Tradition und amerikanische Lebensart gehen in Tarpon Springs Hand in Hand. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Epiphanias kommt ursprünglich aus dem Griechischen und bedeutet Erscheinung. Es ist das zweitälteste christliche Fest nach Ostern und wird seit dem zweiten Jahrhundert gefeiert. Es ist sogar älter als das Weihnachtsfest. In der griechisch-orthodoxen Kirche ist Epiphanias der Tag, der an die Taufe von Jesus Christus im Fluss Jordan durch Johannes den Täufer erinnert.

In Griechenland begeben sich nach dem Gottesdienst alle zum Gewässer des Ortes – zum Meer, einem Fluss, See oder auch einem Wasserspeicher. Der Priester wirft ein goldenes Kreuz ins Wasser, dem junge Männer nachtauchen. Wer das Kreuz als erster findet, erhält gesonderten Segen. Dazu läuten in den Orten sämtliche Glocken, die von den Schiffen im Hafen mit Schiffsglocken, Pfeifen und Nebelhörnern begleitet werden.

Fischerboote im Hafen von Tarpon Springs. (Foto Karsten-Thilo Raab)
Fischerboote im Hafen von Tarpon Springs. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Traditionell werden am Epiphaniastag, dem Fest der Erscheinung des Herrn, drei Ereignisse gefeiert. Zum einen wird an die Ankunft der Weisen aus dem Morgenland erinnert, die dem neugeborenen König Israel drei Geschenke bringen (Gold, Weihrauch und Myrrhe). Später bekamen die Heiligen Drei Könige die Namen Caspar, Melchior und Balthasar. Zum anderen wird der Taufe Jesus im Jordan durch Johannes den Täufer und des ersten Wunders Jesu durch die Verwandlung von Wasser zu Wein bei der Hochzeit von Kana in Galiläa gedacht. Während sich in den drei Westkirchen im Laufe der Zeit der Schwerpunkt auf die Geschichte der Heiligen Drei Könige verlagerte, wird im Osten seit jeher der Taufe Jesu gedacht. Weitere Informationen unter www.visitstpeteclearwater.com.