Stolberg – geballter Fachwerkcharme im Südharz

Stolberg - hier mit der prächtigen Rittergasse - gilt als eine der best erhaltenen Fachwerkstädte Deutschlands. (Fotos KES Südharz)
Stolberg – hier mit der prächtigen Rittergasse – gilt als eine der best erhaltenen Fachwerkstädte Deutschlands. (Fotos KES Südharz)

„Freiheit und Gleichheit für alle Menschen!“ – diese Grundrechte forderte der junge Priester Thomas Müntzer in seinen Predigten 1521 in Zwickau und 1524 in Allstedt. Damit wandte er sich, seiner Zeit voraus, mutig gegen die weltliche und kirchliche Obrigkeit. Vielfach verfolgt, sorgte der spätere „Bauernführer“ mit seinen Predigten und Schriften für die Verbreitung einer neuen Weltanschauung.

Das markante Thomas Müntzer Denkmal in Stolberg
Das markante Thomas Müntzer Denkmal in Stolberg

Thomas Müntzer wurde um 1489 in Stolberg geboren. Sein Denkmal erinnert heute auf dem schmucken Marktplatz an die damalige Zeit. Die Geschichte ist in der rund 1.200 Einwohner zählenden Stadt ohnehin allgegenwärtig, denn Stolberg gehört zu den wenigen Städten Deutschlands, in denen eine Vielzahl an Fachwerkhäusern aus sechs Jahrhunderten als gesamtes Stadtbild nahezu geschlossen erhalten geblieben ist.

Die gesamte Altstadt steht unter Denkmalschutz und sieht daher vielerorts noch so aus wie zu Luthers Zeiten. Stolberg wurde in vier Tälern errichtet, ist eingebettet in eine sagenhaft schöne Landschaft. Das Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz erstreckt sich ringsum. Die Goldene Aue und das Kyffhäusergebirge sind nur einen Katzensprung entfernt. Aufgrund der schadstoffarmen Luft in dieser Traumlage und einer sehr guten touristischen Infrastruktur ist Stolberg ausgewiesener Luftkurort.

Das Städtchen liegt zudem an der Deutschen Fachwerkstraße, die sich von der Elbmündung bis zum Bodensee über sechs Bundesländer erstreckt. Und entlang der Fachwerkstraße gibt es in dieser Region wunderschöne Wander- und Fahrradrouten.

Hoch über der Stadt thront das Stolberger Schloss
Hoch über der Stadt thront das Stolberger Schloss

Einer der ältesten Orte im Südharz blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Lange bevor die Stadt ihren Namen erhielt, wurden in dieser Gegend Erze abgebaut, Eisen, Kupfer und Silber gewonnen. Der Bergbau begründete den Wohlstand der Stadt und der Stolberger Grafen, die neben dem Bergrecht seit dem 13. Jahrhundert auch das Münzrecht besaßen. Die historischen Bauten vermitteln einen Eindruck vom Leben der meist wohlhabenden Kaufleute, Bürger und Handwerker zu jener Zeit. Das Stadtrecht wurde vor 1282 verliehen.

Lässt man sich in Stolbergs schmalen Gassen treiben, schweift der Blick unweigerlich hinauf zum Schloss. Es liegt auf einem Bergsporn und gleicht mit seinem Rundturm und den Flügeln aus der Renaissance- und Barock-Zeit einer aufwändig ausstaffierten Filmkulisse. Der Grundstein wurde im 13. Jahrhundert gelegt, die Architektur des heutigen Schlosses entstand bei Umbauten in der Zeit zwischen 1690 bis 1720.

Besucher dürfen nach einer umfassenden 
Sanierung und Restaurierung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz wieder einen Blick 
hineinwerfen. Kostbare antike Möbel, prachtvoll verzierte Wände und Decken mit Malereien, Stuck und Holzvertäfelungen lassen erahnen, in welchem Prunk die Grafen zu Stolberg hier rund 800 Jahre lang residierten – von 1200 bis 1945.

Das Josephskreuz auf dem Großen Auerberg ist das größte eiserne Doppelkreuz weltweit.

In der Rittergasse erfahren Besucher im Museum „Kleines Bürgerhaus“, um 1470 erbaut, wie die Menschen in früheren Zeiten lebten. Eine Schusterwerkstatt, Mobiliar und Hausrat vermitteln einen lebhaften Eindruck. Und in der Niedergasse findet sich das -Museum „Alte Münze“, das über die Geschichte der Münzprägung und der Stadt informiert.

Wer Lust auf eine Stärkung hat, kann in einem der schönsten Fachwerkhäuser des Ortes einkehren; das „Gasthaus Kupfer“ residiert in einem über 450 Jahre alten Haus und serviert regionale Köstlichkeiten, beispielsweise die „Stolberger Lerchen“. Die dünnen Bratwürste werden nach einem alten Original-Rezept hergestellt.

Hier noch ein paar Ausflugstipps:

Aussichtsturm Josephskreuz
: Das Josephskreuz auf dem Großen Auerberg ist das größte eiserne Doppelkreuz weltweit. Bei gutem Wetter kann man von der 38 m hohen Aussichtsplattform einen herrlichen Rundumblick bis hin zum Brocken, Kyffhäuser, Petersberg und über den Thüringer Wald genießen.

Karstwanderweg
: Der Deutsche Wanderverband zeichnete die malerische Wanderroute 2011 zum Qualitätsweg aus. Über 54 km schlängelt sich der Weg durch Wälder, vorbei an Quellen, eigentümlichen Karsterscheinungen und Höhlen.

Schauhöhle Heimkehle in Uftrungen
: Die riesige Gipshöhle entstand über Jahrtausende durch das Wasser von mehreren Bächen. Bei einer einstündigen Führung erfahren Besucher Interessantes über die Geschichte der Höhle.

Weitere Informationen unter www.tourismus-suedharz.de und unter 
www.bioreskarstsuedharz.de