Von 24. Oktober 2019 Mehr →

Minikühlschrank, Maxipreise – Rettet die Minibar!

Minibar

So unterschiedlich die Hotels, so unterschiedlich ist die Minibar bestückt – sofern überhaupt noch eine vorgehalten wird.

In vielen Hotels, die etwas auf sich halten, findet der Reisende in seinem Zimmer eine Goldgrube namens Minibar vor. In dieser befindet sich nicht wirklich Gold, sondern vielmehr eine Art Lizenz zum Gelddrucken für den Betreiber der Minibar. Denn hinter einem Billigholzimitat lauert ein Minikühlschrank mit Maxipreisen. Die ausgesuchten Getränke und Speisen, die dort feilgeboten werden, gehören preislich allesamt ins Luxusklassesegment, qualitativ aber nicht unbedingt. Da wartet ein kleines Bier zum Preis einer ganzen Kiste, da gibt es ein Mineralwasser das preislich flüssigem Gold kaum nachsteht, da lagern Schokoladenriegel zum Preis edler Trüffel. Doch all diese Verlockungen könnten bald ein Ende haben. Gemäß einer aktuellen Erhebung in der Hotelbranche sinniert jeder fünfte Beherbergungsbetrieb darüber nach, die Kleinkühlschränke nicht nur vom Netz zu nehmen, sondern auch völlig abzuschaffen. Eine kalte Dusche für den heiß umkämpften Bettenmarkt.

Minibar - Copyright Karsten-Thilo Raab

Nicht selten verhageln einem die stolzen Preise der Minibar den Durst. – Foto Karsten-Thilo Raab

Die Anschaffungs- und Energiekosten seien zu hoch, die Verluste zu groß, heißt es in der Begründung. Denn offensichtlich nehmen viele Gäste die Aufforderung zur Selbstbedienung nur allzu ernst. Machen sich die Tasche mit sündhaft teuren Getränken und Knabbereien voll, vergessen aber beim Auschecken ganz zufällig zu erwähnen, dass sie den einen oder anderen Griff in die Minibar getätigt haben, um trotz maximalem Genuss die Rechnung zu minimieren. Natürlich gibt es auch ehrliche und gewissenhafte Hotelgäste. Die erkennt man daran, dass sie stunden-, manchmal tagelang mit sich ringen, ehe sie sich dazu durchringen einen gerstensafthaltigen Löschzwerg mit einer Füllmenge von 0,3 Litern für 6,80 Euro zu erwerben.

Die kleinen Kühlschränke werden bei Bedarf täglich neu gefüllt. – Foto Karsten-Thilo Raab

Wohl wissend, dass die Pfütze in Glas oder Dose die von der nicht steuerbaren Klimaanlage völlig vertrocknete Kehle allenfalls ein wenig benetzen kann. Andererseits gibt es für viele nach einem Tag voller Pflastersteintreten in einer attraktiven Metropole oder nach nervigen Business-Meetings keine Alternative. Die Minibar wird zum Erste-Hilfe-Kasten für die vom Verdursten bedrohten Gäste. Eine Überlebenshilfe in dunklen Stunden, wenn Supermarkt und Kiosk längst geschlossen sind. Daher darf die Minibar nicht sterben. Irgendwann braucht sie ein jeder, auch wenn er meint, für die Nutzung nicht zahlen zu brauchen.

Buchtipp: Karsten-Thilo Raab: Thekenbrust & Zackendruse, Westflügel Verlag, ISBN 978-3-939408-11-6, 12,50 €, Bestellen

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