Von 5. August 2017 Mehr →

Eine kulinarische Küstentour durch Südfrankreich

Austern sind nur eine von vielen Köstlichkeiten, die bei Besucher in Südfrankreich ganz oben auf der Speisekarte stehen.

Landestypische Gerichte oder Produkte probieren gehört zum Urlaub in Südfrankreich wie der Croissant zum Café au lait. Dazu gibt es entlang der Mittelmeer-Küste im Languedoc reichlich Gelegenheit. Sei es bei einem Bummel durch die Markthallen, über den Fischmarkt oder in einem Restaurant. Eine besonders gelungene Verbindung von kulinarischem Vergnügen und Strandleben bieten die „Paillottes“, nur während der Ferienzeit geöffnete Gaststätten mit Privatstränden. Außerdem können dort Liegestühle oder Wassersportgeräte, wie Stand up Paddle, gemietet werden. Von der Strandliege zum Tisch, der kürzeste Weg zum Genuss lokaler Spezialitäten.

Die Frau des Fischers

Gefüllt mit klein geschnittenem Tintenfisch und würziger Tomatensauce schmeckt eine „Tielle“ warm oder kalt. (Foto Deschamps)

Die „Tielle“ ist untrennbar mit Sète verbunden. Das Rezept für die runden Taschen aus Brotteig stammt jedoch von Adrienne Virduci, die Frau eines italienischen Fischers, der 1937 im größten Fischereihafen am Mittelmeer Arbeit fand. Gefüllt mit klein geschnittenem Tintenfisch und würziger Tomatensauce schmeckt eine „Tielle“ warm oder kalt. Sie wird in vielen Restaurants entlang der Kais von Sète serviert.

Übrigens sind die meisten Hersteller der „Tielles“, die auch auf dem Markt verkauft werden, Nachfahren der Fischersfrau Adrienne. Im noch immer malerischen Wohnviertel der Fischer, Pointe Courte, verweisen Straßennamen wie Rue de la Pétanque oder Rue des Jouteurs (Fischerstecher) auf die beliebtesten Freizeitbeschäftigungen der Bewohner. Eine besonders reizvolle Art Sète, seine Kanäle und den Lagunensee Thau zu erkunden, ermöglichen die von Kayakmed organisierten Kajaktouren.

Beschwipste Austern

Weit über die Landesgrenzen hinaus berühmt ist die Austernzucht im Thau-Becken. (Foto  Deschamps)

Marseillan befindet sich in einer idealen Lage am Canal du Midi zwischen dem Lagunensee und dem Strandort Marseillan Plage mit einem Freizeithafen. Außer der typisch mediterranen Atmosphäre und einer schönen Markthalle bietet der Ort noch weitere Vorzüge, die Austernzucht im Thau-Becken und den Aperitif Noilly Prat, der hier seit 1813 aus Weißweinen und Kräutern hergestellt wird.

Die Wermut-Kellerei kann besichtigt werden. Wer beide Vorzüge gemeinsam genießen möchte, kauft ein Dutzend Austern auf dem Markt, pochiert sie kurz im eigenen Salzwasser, bedeckt sie mit einem Sabayon aus Noilly Prat und grillt sie im Ofen. Noch besser, man isst die beschwipsten Austern einfach im Restaurant.

Anchovis mit Gütezeichen

Fangfrische Sardellen sind die Spezialität in Collioure. (Foto Deschamps)

Seit Jahrhunderten werden bei Collioure Sardellen gefangen und verarbeitet. Dieser Delikatesse verdankt der beliebte Küstenort seine gastronomische Auszeichnung als „Site remarquable du goût“. Doch seit 2004 dürfen sich die Anchovis aus Collioure auch mit der geschützten Herkunftsbezeichnung „IGP“ schmücken.

Mittlerweile verarbeiten nur noch die beiden Familienbetriebe Desclaux und Roque Sardellen nach dem überliefertem Verfahren. Die in Salz eingelegten kleinen Fische verdanken ihre Farbe und den besonderen Geschmack der vorhergegangenen Lagerung in Holzfässern. Im Museum „L’Anchois Littoral Mer“ der Firma Desclaux wie auch bei der Besichtigung von Roque können die delikaten Anchovis probiert werden.

Klein, aber fein

In und um Narbonne sind erstklassige regionale Weine im Ausschank. (Foto Cougnenc)

Zwischen Narbonne, dem Strandort Narbonne-Plage und dem Freizeithafen Gruissan erhebt sich ein 15.000 Hektar großes Hügelgebiet mit einer hervorragenden Weinlage. Von der Sonne verwöhnt, von der Meeresbrise erfrischt gedeihen seit 2.000 Jahren Reben im Massiv La Clape. Engagierte Winzer produzieren heute ausgezeichnete Weine, die bei Kennern als Geheimtipp gelten.

Nach einem Bummel durch die historischen Viertel von Narbonne und der Besichtigung der mächtigen Kathedrale, lohnt sich ein Abstecher in die im Baltard-Stil erbauten Markthallen. Dort sind an den Ständen nicht nur zahlreiche regionale Produkte zu entdecken, die Weinbar „Tapas de la Clape“ der Halle erlaubt auch einen gustatorischen Streifzug durch die Weinlagen von La Clape. Serviert werden dazu, wie der Name schon sagt, bis 14 Uhr kleine Häppchen.

Von der Liege zum Tisch

Montpellier ist nicht nur für Feinschmecker einen Besuch wert.

Vor den Toren der Mittelmeer-Metropole Montpellier erstrecken sich zwischen Villeneuve les Maguelone und dem futuristischen Ferienort La Grande-Motte mit die schönsten Strände des Languedoc. An den Privatstränden reihen sich die beliebten „Paillottes“. Diese nur im Sommer geöffneten Gaststätten bieten Liegestühle und Strandliegen mit Service. Einige sind sehr stilvoll, andere eher rustikal. Zu den Top-Adressen gehört das Edelrestaurant La Grand Plage in La Grande-Motte, wo an mehreren Abenden Sterne-Köche ihre Kunst zelebrieren.

Es geht auch preiswerter, wie im La Plagette, wo man außer der Liege auch ein Stand-Up Paddle mieten kann. Im Beach Club bei Carnon werden Sardinen in einer ausgemusterten Barke gegrillt, während das Carré Mer am Strand von Maguelone ein Ambiente von Out of Africa verbreitet. Nostalgiker genießen donnerstags die Musik der 1970er und 1980er im Effet Mer bei Grand Travers. Im White Beach sorgen dagegen Disco und Groove für Stimmung. Insgesamt 29 Paillottes ermöglichen den schnellsten Weg von der bequemen Liege zum gedeckten Tisch.  Weitere Informationen unter www.destinationsuddefrance.com.

Archiviert unter Europa, Genuss, Frankreich