Krewes, King Cake und Karneval in New Orleans

Bereits am 6. Januar beginnt in New Orleans die Karnevalssaison. (Foto New Orleans CVB)

Mardi Gras ist das Karnevalsevent der US-Südstaaten. In New Orleans wird der Fasching mit Perlenketten, Partys und bunt geschmückten Umzugswagen begangen. Die Leute feiern noch einmal ausgiebig, bevor es in die Fastenzeit geht. Und während wir noch auf das Christkind warten, laufen in New Orleans und Louisiana die Vorbereitungen zur 5. Jahreszeit bereits auf Hochtouren.

Offiziell beginnt der Karneval in Louisiana am 6. Januar. Dann verschwindet die Weihnachtsdekoration zugunsten der Mardi-Gras-Farben lila, grün und gold aus den Gärten und Häusern. Anschließend werden Weihnachtsplätzchen durch den traditionellen King Cake ersetzt.

Der Mardi Gras King nimmt eine Schlüsselrolle bei den feierlichkeiten ein. (Foto Jay Combe)

Mardi Gras ist Louisiana pur: Lebensfreude, farbenfroh, Rhythmus an jeder Ecke. Ein ganz wichtiger Bestandteil des Mardi Gras in Louisianas Städten und besonders in New Orleans sind die Paraden mit den festlich geschmückten Wagen und den aufwändigen Motiven. Die „Krewes“, die unseren Karnevalsvereinen ähneln, organisieren die Paraden. Am Straßenrand stehen zahlreiche Zuschauer, darunter viele Touristen. Die Kostümierten werfen ihnen „Beads“ (Perlenketten aus Plastik), Dublonen, Kuscheltiere und Süßigkeiten von den Wagen aus zu. Die heißbegehrten Dublonen sind aus Metall und etwa drei Zentimeter groß. In sie ist das Emblem der werfenden „Krewe“ eingeprägt, sowie das für dieses Jahr gewählte Motto.

Kollektiver Freudentaumel

Riesige Floats, wie die Karnevalswagen heißen, schieben sich durch New Orleans. (Foto Pat Garin)

Nach einem langen Umzug durch die Stadt löst sich die Parade auf. Dann wird an jeder Ecke weitergefeiert, mit viel Musik und Tanz. Die ganze Stadt befindet sich in einem Freudentaumel.
Für die Reiseplanung sollte man folgendes beachten: Im nächsten Jahr fällt Mardi Gras auf den 13. Februar – die größten Paraden und Partys finden am Wochenende davor statt, also vom 9. bis 13. Februar. Für diejenigen, die ihre Kinder mitnehmen möchten, gibt es am Wochenende vom 2. bis 4. Februar eine familienfreundlichere Variante des Karnevals, das sogenannte Family Gras. Aber natürlich ist beim regulären Mardi Gras jeder herzlich willkommen – egal ob jung oder alt!

Geschichte der „Krewes“

Auch die Zuschauer sind häufig kostümiert. (Foto Jay Combe)

Die stark katholisch geprägten Franzosen exportierten Fastenbräuche wie den Karneval in die Neue Welt. Wo genau der erste Mardi Gras in den USA gefeiert wurde, ist heute stark umstritten. Schon auf einer frühen Expedition im Mississipi-Delta hatten die Franzosen am 3. März 1699, dem Tag vor Aschermittwoch, eines ihrer Camps Point du Mardi Gras genannt. Ein Händler beschrieb in einem Reisebericht von 1730 ein Fest in New Orleans, bei dem kostümierte Menschen tanzten. Und auch die Einwohner des nahegelegenen Mobile zogen verkleidet durch ihre Siedlung. Später entwickelte sich hier die mystische Vereinigung „Cowbellion de Rakin Society“ – mit Kuhglocken und Rechen bewehrt, organisierte sie unter größter Geheimhaltung die Karnevalsfeiern.

Beads, Kette mit farbigen Perlen, sind ein fester Bestandteil des Mardi Gras. (Foto Todd Coleman)

Mystick Krewe of Comus – unter diesem geheimnisvollen Namen kamen im Dezember 1856 sechs Geschäftsmänner in New Orleans zusammen. Nach dem Vorbild der Kuhgemeinschaft aus dem benachbarten Mobile, wollte der Geheimbund mit einer Parade den „Fetten Dienstag“ feiern. Benannt haben sie sich nach „Comus“, einem Maskenspiel des englischen Schriftstellers John Milton.
Die Paraden sollten untrennbar mit der Geschichte der Stadt verschmelzen. Nach der Premiere im Frühjahr 1957 etablierten sich zahlreiche weitere Krewes (gesprochen wie das englische „Crews“) und veranstalteten ebenfalls Bälle und Umzüge. Die Rex oder die Krewe of Proteus etwa. Der geheimnisvolle Anstrich, den sich die Narren der Südstaaten verpassten, wurde zum wichtigen Teil der Karnevalstradition.

Zwangspause für kreolische Jecken

Marching Bands erfreuen mit ihrer Musik Tausende von Jecken. (Foto Jay Combe)

Unaufhaltsam war der Siegeszug des Mardi Gras – nur zu Kriegszeiten machten die kreolischen Jecken kurz Pause. Nach Ausbruch des Sezessionskrieges zwischen Konföderierten und Union druckte die „New Orleans Daily Picayune“ am 1. März 1862 eine Proklamation der Mystick Krewe of Comus: Das närrische Treiben war abgesagt, ebenso wie 1917 zum Ersten und 1942 zum Zweiten Weltkrieg, sowie 1951 nach Eintritt der USA in den Koreakrieg.

Die Geschichte des Mardi Gras reicht zurück bis in das 17. Jahrhundert. (Foto The Historic New Orleans Collection)

Die sogenannten „Super Krewes“ Bacchus, Orpheus und Endymion veranstalten die größten Paraden und Bälle. Jedes Jahr aufs Neue überbieten sie sich an Farbenpracht und Ideenreichtum.
Die Krewe of Bacchus, 1968 gegründet, ist bekannt für ihre Sonntagsparade, und dafür, dass der König in jedem Jahr ein landesweit bekannter Prominenter ist, z.B. Kirk Douglas (1984), Nicolas Cage (2002) oder Hulk Hogan (2008).  2018 wird Schauspieler und Oscar-Preisträger J.K. Simmons die Krone tragen und damit die Liste der berühmten Mardi Gras-Könige fortsetzen.

Mehrteiliger Karnevalswagen

Überaus stimmungsvoll schieben sich die Mottowagen durch die Straßen von New Orleans. (Foto Cheryl Gerber)

Das Markenzeichen von Orpheus, 1994 durch den Jazzmusiker Harry Connick Jr. gegründet, ist ein 40 Meter langer, mehrteiliger Float – Karnevalswagen – in Form einer Eisenbahn, und die „Orpheuscapade“, dem Ball im Convention Center am Lundi Gras (Rosenmontag).

Die Häuser und Straßenzüge im French Quarter werden aufwendig dekoriert. (Foto Jay Combe)

Endymion, die größte Krewe mit über 3000 Mitgliedern, ist für den größten Umzug (am Samstag vor Mardi Gras) und den Ball „Extravaganza“ berühmt, der im nächsten Jahr am 10. Februar im Mercedes Benz Superdome stattfindet. Hier haben sich bereits Showgrößen wie Rod Stewart, Jason Derulo, Groovy 7 und The Wise Guys angesagt.

Gedenken an Jeanne d’Arc

Närrisches Treiben herrscht seit Jahrhunbderten beim berühmten Mardi Gras. (Foto The Historic New Orleans Collection)

Seit 2008 gibt es die Krewe de Jeanne d’Arc in New Orleans, die an die historische Nähe zu Frankreich erinnern will. Laut der Krewe ist die Heilige Johanna die inoffizielle Schutzpatronin der Stadt, und wie es der Zufall will, ist ihr Geburtstag am 6. Januar, der Twelfth Night oder auch dem Dreikönigstag, der Tag, an dem in New Orleans offiziell die Karnevalssaison beginnt. So findet an diesem Tag die Auftaktparade zum Mardi Gras statt, die von der „Jungfrau von Orléans“ hoch zu Ross angeführt wird. Diese wurde zuvor in einem jährlich stattfindenden Wettbewerb gekürt.

„Feiern und gefeiert werden“, heißt es beim Mardi Gras. (Foto George LonG)

Am Abend des 6. Januar feiert die als sehr humorvoll geltende Krewe Phunny Phorty Phellows die Ankunft des Karnevals mit einer Fahrt im (immer noch weihnachtlich dekorierten) historischen New Orleans Streetcar durch die Innenstadt. Hier werden dann auch die ersten „Beads“ geworfen.

Die Musikgruppen verbreiten gute Laune und Stimmung. (Foto Jay Combe)