Krabi – Thailand entdeckt die Nachhaltigkeit

Das thailändische Krabi zeichnet sich durch traumhafte Strände und Landschaften aus.
Das thailändische Krabi zeichnet sich durch traumhafte Strände und Landschaften aus.

Als wir am Railay Beach aus dem Boot ins seichte Wasser springen, verschlägt es uns die Sprache. Nicht nur wegen der mintgrünen Wellen, die wie Seide schimmern, oder dem blendend weißen Sand in der Bucht. Über unseren Köpfen hängt jemand an einem Seil. Beängstigend weit oben. Und winkt vergnügt zu uns herunter. Denn ringsum ragen riesige graugelbe Felsen in den Himmel, dicht mit exotischen Pflanzen bewachsen. Die Frau am Seil ist Free-Climber.

Die bis zu 300 Meter hohen Felswände sind ein Markenzeichen der Provinz Krabi an der Südwestküste Thailands. Und genau hier bohren mein Freund und ich nun die Zehen in den Sand. Am weltbekannten Railay Beach an der Andamanensee, einem Randmeer des ­Indischen Ozeans. Aus aller Welt stranden hier Free-Climber. Denn das Klettern ist anspruchsvoll und bietet unbeschreibliche Ausblicke über die Küste und das grüne Landesinnere.

Hoch hinaus geht es für Free-Climber vor allem unweit des
Hoch hinaus geht es für Free-Climber vor allem unweit des Railay Beach.

Auch uns hat das Kletter-Fieber gepackt. Wir haben einen Kurs in einer der Kletter­schulen im nahen Ao Nang gebucht. Von einem halben bis zu drei Tage dauern die Kurse, und wer fit ist, kann mit dem Free-Climben einen neuen Lieblingssport kennenlernen. Wir zumindest sind begeistert und erklimmen auf Anhieb einen kleineren Felsen. Dass sich meine Beine nach dem Aufstieg erst mal wie Gelee anfühlen, ignoriere ich.

Ein Geheimtipp für geübte Kletterer ist die Lagune inmitten der Felsen am Strand. Der Abstieg ist schwierig, aber belohnt werden Free-Climber mit einem Bad in der nahezu unberührten Lagune. Der Railay Beach ist nur bei Ebbe zu Fuß erreichbar, über den Strand von Ton Sai aus. Während der Flut muss ein Longtail-Boot her. Die hübschen Boote samt Bootsführer können beispielsweise von der Provinz-Hauptstadt Krabi Town oder von Ao Nang aus gechartert werden.

Der Railay Beach im thailändischen Krabi aus der Vogelperspekitve.
Der Railay Beach im thailändischen Krabi aus der Vogelperspekitve.

Bis in die 1990er Jahre hinein ein exotischer Treffpunkt für Backpacker, hat sich Krabi mit seinen 4.708 Quadratkilometern und den über 130 vorgelagerten Inseln mittlerweile zum Trend-Ziel entwickelt. Kein Wunder: Es gibt hier übernatürlich schöne Küstenabschnitte. In Hülle und Fülle. Nicht umsonst wurde 1998 auf den beiden Phi Phi Inseln „The Beach“ mit ­Leonardo di Caprio gedreht.

Das einstige Fischerdorf Ao Nang ist heute ein moderner Touristenort, denn von hier aus lässt sich die gesamte Provinz hervorragend erkunden. Der alte Ortskern ist aber noch ­immer sehr charmant und der Sandstrand mit seinem ­klaren Wasser und den Bäumen am Ufersaum ein traumhafter Platz: An der Promenade bieten Verkäufer in bunten Tuc Tucs Eis an, und in kleinen Holzhütten im Sand kann man eine Fußreflexzonen-­Massage bekommen.

Ein beeindruckender Buddha steht am Tham Sua Temple in Krabi.
Ein beeindruckender Buddha steht am Tham Sua Temple in Krabi.

Und es gibt einen weiteren Boom, der mit den gestiegenen Touristenzahlen einhergeht: Nachhaltigkeit. Zaghaft begann dieser Trend bereits Ende der 90er Jahre – und zieht jetzt größere Kreise in ganz Thailand. Krabi nimmt dabei eine Vorreiterrolle ein. Die ört­lichen Behörden, unabhängige Initiativen, ­Hotels und Reise­anbieter vor Ort haben erkannt, dass die Schönheit der Natur geschützt werden muss. Nur so kann der Tourismus als eine der Haupt-Einnahmequellen in der Provinz langfristig erhalten bleiben.

Landesweite grüne Dachverbände wie die Hotel-Kooperation Green Leaf Foundation oder die Thai Ecotourism and Adventure Travel ­Association sind zwei der wichtigsten Akteure. Letztere setzt sich unter anderem dafür ein, dass die ­lokale Bevölkerung verstärkt in den sanften Tourismus einbezogen wird.

Schnorchler freuen sich an dem bunten Kaleidoskop der Unterwasserwelt.
Schnorchler freuen sich an dem bunten Kaleidoskop der Unterwasserwelt.

Die Mitglieder der Green Leaf Foundation verpflichten sich, Umweltstandards ­einzuhalten und aktiv weiterzuentwickeln. Dazu gehören beispielsweise ein schonender Umgang mit natürlichen Ressourcen wie Wasser und eine ökologische Müll-Entsorgung. Die Hotels und Resorts setzen die verschiedenen Punkte des Dachverbandes um. Und werden – je nach dem, wieviele Standards eingehalten werden – mit bis zu fünf grünen Blättern ausgezeichnet.

Wer möchte, kann an Krabis Küste auch mit den Fischen baden gehen.
Wer möchte, kann an Krabis Küste auch mit den Fischen baden gehen.

Auch mein Freund und ich wohnen in Ao Nang in einem Hotel, das zur Green Leaf Founda­tion gehört – dem Krabi Resort mit naturnaher Architektur und traumschönen Villen am Meer.

Ein weiteres aktuelles Projekt ist der Schutz der Mangrovenwälder unter dem Motto „Krabi Green Future“. Allein in diesem Jahr wurden Hunderte neue Mangroven gepflanzt. Im Than Bok Khorani Nationalpark können Touristen die intakten Mangrovenwälder sehen, denn Krabi beherbergt einige der schönsten von insgesamt 300 Nationalparks in ganz Thailand.

17 Prozent der gesamten Landesfläche stehen unter Naturschutz. Auch der Khao Phanom Bencha Nationalpark mit seinen spektakulären Wasserfällen gehört dazu – und lohnt einen Ausflug.

Unter Wasser gibt es rund um Ao Nang mit sieben Hauptinseln einige der besten Tauchspots in Thailand. Zum Beispiel Koh Si mit seinen flachen Korallenbänken und Delfin-Schulen. Über 200 Fisch- und 80 Korallenarten haben in den Riffen hier ein Zuhause. Je nach Geschmack bieten örtliche Tauchschulen unterschiedliche Erlebnisse an.

Bunte Korallen und Fische machen das Tauchen vor Krabi zu einem unvergesslichen Erlebnis.
Bunte Korallen und Fische machen das Tauchen vor Krabi zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Erfahrene ­Taucher lieben beispielsweise Tauchgänge bei Koh Talu und Koh Yawabon. Man braucht etwas Mut, um in die dortigen teils tiefschwarzen Unterwasser-Tunnel zu schwimmen, die mit Blaupunkt-Stachelrochen besiedelt sind. Rund um die Phi Phi Inseln dagegen kann man Meeresschildkröten und Walhaie beobachten.

An unserem letzten Abend in Krabi schlendern mein Freund und ich über den Nachtmarkt von Krabi-Town. Von Ao Nang aus ­fahren wir die rund 20 Kilometer mit dem Bus. Die Hauptstadt mit ihren etwa 25.000 Einwohnern erblüht nachts zum Leben. In ­Live-Musik-Bars tanzt man zu Karaoke-­Musik, und von Freitag bis Sonntag isst man auf dem Nachtmarkt bei tropischen Temperaturen Thai-Spezialitäten und ersteht kitschige ­Souvenirs.

Wir trinken Zuckerrohr-Saft. und lassen uns kreuz und quer durch die Stände treiben. Vorbei an Kochgeschirr aus Kokos, Perlenschmuck und einer Gruppe von Männern, die Trommel-Musik macht. Auch auf dem Markt hält der Gedanke der Nachhaltigkeit Einzug: Einige ­Essenstände bieten Köstlichkeiten in Bio-Qualität an.

Die Bildbuchkulisse von Phi Phi Island.
Die Bildbuchkulisse von Phi Phi Island.

Weitere Informationenwww.thailandtourismus.de

Beste Reisezeit: Hauptsaison ist von Oktober bis Ende Februar. Der Winter (November bis April) bringt Temperaturen von 20 bis 30 Grad Celsius mit sich. Von Juni bis August klettert das Quecksilber auf über 35 Grad Celsius.

Dokumente: Bei max. 30 Tagen Aufenthalt genügt ein Reisepass (mindestens noch sechs Monate gültig) plus Rückflugticket.

Ein Wesensmerkmal von Krabi ist die Freundlichkeit und Aufgeschlossenheit der Menschen, die hier leben. (Fotos: Tourism Authority of Thailand)
Ein Wesensmerkmal von Krabi ist die Freundlichkeit und Aufgeschlossenheit der Menschen, die hier leben. (Fotos: Tourism Authority of Thailand)

Essen & Trinken: Ein Nationalgericht ist Tom Yam Gung Suppe mit Shrimps. Die gut gewürzten Gerichte (z. B. Fisch-Spieße, Currys) werden mit Khao Hom (Duftreis) gereicht. Vorsicht: Thai-Chili ist sehr intensiv. „Pet Mak Mak“ auf der Speisekarte bedeutet „scharf“!

Unbedingt machen: Kanutour rund um die Phi Phi-­Inseln, Kletterkurs am Railay-Beach.

Unbedingt vermeiden: FKK oder „oben ohne“ baden. Dies ist verboten. Die Königsfamilie öffentlich missachten.