Halloween in Irland: Ab in den Hexenkessel

Ausgelassene Stimmung herrscht an Halloween nicht nur in der Gruselkapitale Londonderry.
Ausgelassene Stimmung herrscht an Halloween nicht nur in der Gruselkapitale Londonderry.

2000 Jahre Erfahrung mit Geistern, Gespenstern und Grusel haben die Iren zu Weltmeistern im Bannen dunkler Kräfte gemacht. Von den Kelten haben sie´s gelernt: In der Halloweennacht braut sich der Spuk zusammen. Da hilft nur große Party mit schwarzem Humor.

So sicher wie die dunklen Oktobernächte übers Land fallen, treiben sich Gespenster bei nebelumwaberten Steinzeitgräbern und prähistorischen Steinkreisen herum, macht Graf Dracula im Spukschloss die Runde und dringen Wesen aus der Anderswelt in Gefängnisse und düstere Pubs ein. So will es der Hexenbrei aus uralten keltischen Ritualen gemischt mit dem irischen Hang zum Fabulieren, dem Glauben an übernatürliche Kräfte und dem Sinn für schrägen Humor, der zu Halloween in der letzten der Oktobernächte im Kochkessel aufgeht.

Kürbisfratzen sind Ende Oktober überall auf der Grünen Insel gegenwärtig.
Kürbisfratzen sind Ende Oktober überall auf der Grünen Insel gegenwärtig.

Vor allem vor den Banshees soll man sich in Acht nehmen, die einmal als bildschöne Jungfrauen auftauchen und sich im nächsten Moment in hässliche Hexen verwandeln können. Und niemals sollte man die Grenze zum Reich des Feenvolks übertreten, das heilige Weißdornbäume und neolithische Grabstätten hütet. All diese Phantasien nährten sich einst um verwunschene Schlösser und verfallene von Fledermäusen bewohnte Abteien, in dunklen Kopfsteingassen und auf einsamen Friedhöfen. Nur haben die Iren das beste daraus gemacht und sich in langer Tradition das Wissen angeeignet, wie man die dunklen Geschöpfe bannt und düstere Nebel vertreibt: Mit Feuer, Fackeln, Fratzen, mit Lärm, Musik und vor allem „Craic“, viel Spaß. Hochburg des Halloween ist Derry~Londonderry.

Als Keimzelle des zweitgrößten Jahresfestes gilt County Meath im Nordosten der Republik, wo bis heute die gut erhaltenen Megalithgräber der Boynekultur zu finden sind und auf das die Gründung des Königssitzes Tara zurückgeht. Dort, so glaubten die keltischen Druiden, sollen sich die Kräfte des Diesseits und der Anderswelt des Jenseits am nächsten gekommen sein.

Am Tag von Samhain dann, in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November, soll es auf dem Berg Tlachtga den Geistern der Toten möglich gewesen sein, mit den Lebenden Kontakt aufzunehmen, um für ihre Seelen neue „Körper“ zu suchen. Diese Zeit des Übergangs beantworteten die Kelten mit Feuern, um die guten Geister herbeizurufen und die bösen mit wilden Kostümen und Masken zu erschrecken. Daher rühren bis heute die grimmigen Verkleidungen, die ausgehöhlten Kürbisfratzen und die irische Leidenschaft für ein gewaltiges Halloween-Fest, das sich in einigen Gegenden über mehrere Tage erstreckt.
Die Hochburgen sind Meath und Derry~Londonderry.

Auch Lichterwanderungen und farbenfrohe Paraden sind Teil des irischen Halloweens. (Fotos: Tourism Ireland)
Auch Lichterwanderungen und farbenfrohe Paraden sind Teil des irischen Halloweens. (Fotos: Tourism Ireland)

Meath begeht vom 18. Oktober bis 2. November das Samhain-Fest nach dem keltischen Vorbild mit Lichterwanderungen auf den Tlachtga und sieben andere Berge, darunter der Hill of Tara, sowie in die umliegenden Täler.

Derry-Londonderry lässt es in seinem Jahr als UK Kulturstadt 2013 noch einmal mehr krachen und feiert unter dem Thema „Out of this World“ seinen Banks of the Foyle Halloween Karneval mit einem Umzug, der die Totenbräuche der Weltkulturen nachahmt. Und die ganze City wie auch die mittelalterlichen Stadtmauern werden vom 29. Oktober bis 3. November  erleuchtet.

Die Tradition der Lichterfratzen aus Kürbissen wird auch vom 25. bis 28. Oktober kunstvoll in County Cavan zelebriert. Wahre Kürbisgiganten kommen da auf die Waage und zum Lichterumzug. Und das beste Kürbis-Kostüm wird prämiert.

Dublin hingegen wird zum Festzentrum für ausgemachte Gothic- und Dracula-Fans. Bram Stoker sei´s gedankt, dessen Dracula Roman 1897 in Dublin erschien. Mag der Name auch nach Transsilvanien klingen, wissen es die Iren besser und begründen ihre Dracula-Manie mit dem gälischen Wort “Dreach-Fhoula” (gesprochen “Droc-ola), was so viel bedeutet wie “böses Blut” (Bram Stoker Festival vom 25. bis 27. Oktober.). In der Halloween-Nacht geht die Stokermania in Gestalt blutdurstiger Gothics um. Und der Dublin Ghost Bus, auch bekannt als Hellfire Express, nimmt Fahrt durch die Nacht auf.

Und nachdem sich im Jahr 2013 die Iren im großen Gathering Ireland 2013 auf ihre keltischen Wurzeln besonnen haben, nimmt in Cork ein großes Geistertreffen beim 13. World Ghost Convention am 25. Oktober seinen Lauf. Wo? Im alten Corker Stadtgefängnis, das heute ein Museum ist, in dem aber bis heute die Seelen der Mörder und Verbrecher herumspuken.

Buchtipp: Ulrike Katrin Peters, Karsten-Thilo Raab: Oh, diese Iren, Conrad Stein Verlag, ISBN 978-3-86686-804-5. Das Buch ist im Buchhandel oder direkt beim Conrad Stein Verlag erhältlich.

Karsten-Thilo Raab: Irland und Nordirland, Morstadt Verlag, ISBN 978-3-88571-325-8. Erhältlich ist der Titel unter www.morstadt-verlag.de oder im Buchhandel.  Dublin, Copyright Karsten-Thilo Raab